RHI: "Weitere Aufwärtsbewegung"

28. Februar 2011, 17:35
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Wie RHI, Weltmarktführer in Feuerfest-Produkten, mit Rohstoff-Knappheit und Preissprüngen umgeht, beschreibt Franz Buxbaum

Wie RHI, Weltmarktführer in Feuerfest-Produkten, mit Rohstoff-Knappheit und Preissprüngen umgeht, beschreibt Franz Buxbaum im Gespräch mit Karin Bauer.

STANDARD: Rohstoffpreise haben neue Höchststände erreicht, Prognosen für 220 Dollar je Fass Brent sind im Umlauf. Die Stahlindustrie klagt. Während der Rezession wurden Minen geschlossen, China fährt restriktive Export-Politik seiner Bodenschätze. Die Verwundbarkeit europäischer und amerikanischer Industrien wird stark sichtbar. Wie ist RHI betroffen?

Buxbaum: Feuerfest-Hersteller sind von starker Verknappung ihrer Rohstoffe betroffen. Und: Wir sind derzeit mit Preisen – Magnesit, Bauxit, Grafit – auf Niveau von 2008 konfrontiert und erwarten weitere Aufwärtsbewegung.

STANDARD: Wird es sich bald lohnen, Magnesit-Vorkommen etwa in Nordkorea auszubeuten?

Buxbaum: Unser Strategie ist eine andere: Gegenüber Konkurrenten haben wir den Vorteil, dass wir 30 Prozent unserer Magnesia-Rohstoffe (auch in Österreich) selber produzieren, in fünf bis sechs Jahren wollen wir auf 80 Prozent liegen – etwa durch die Kapazitätserweiterung der Sinterproduktion in der Türkei. Innerhalb der EU sind wir wegen der CO2-Zertifikate limitiert, das zahlt sich wirtschaftlich nicht aus. Aber wir forcieren unsere Recyclingaktivitäten. Als Weltmarktführer haben wir auch da aufgrund der bewegten Mengen einen relativ starken Hebel.

STANDARD: Viele Produzenten spüren Inflationsdruck von zwei Seiten – Rohstoffe und Transportkosten bei gleichzeitig wenig Macht, höhere Preise durchzusetzen ...

Buxbaum: Ich sehe das Inflationsthema ganz pragmatisch als Geschäftsprozess, in den das gesamte Fachwissen hinein muss – eine neue Runde im Spiel von Angebot und Nachfrage. Unser Wettbewerbsvorsprung entsteht durch technische Qualität, Versorgungssicherheit, Kostenführerschaft. Die Transportkosten hängen von den Produktionsstandorten ab.

STANDARD: Was heißt das für die Standorte?

Buxbaum: Für die Ausrichtung sind Rohstoffverfügbarkeit, Nähe zum Kunden und Transportkosten ausschlaggebend. Weltweit haben wir derzeit 31 Werke, davon fünf in Österreich. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.3.2011)

FRANZ BUXBAUM ist Leiter Division Rohstoffe bei der RHI AG (7300 Mitarbeiter, 1,1 Mrd. Euro Umsatz in den ersten drei Quartalen 2010).

  • Franz Buxbaum
    foto: standard/rhi

    Franz Buxbaum

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