Gemeinsame Obsorge

Väter gegen Mütter: Es geht um die Kinder

28. Februar 2011, 17:29
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    apa-foto: herbert pfarrhofer

    Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (links und SPÖ) und Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (rechts und ÖVP) tragen einen politischen Konflikt entlang der Geschlechtergrenze aus.

Den Müttern geht der Familienrechtsentwurf von Justizministerin Bandion-Ortner zu weit, den Vätern zu wenig weit

Eine Annäherung zwischen den Vorwürfen des Feminismus oder der Gewalt scheint schwierig.

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Wien - Zum Vorwurf, ihr Entwurf für ein neues Familienrecht sei ein Rückschritt in der Frauenpolitik, sagt Justizministerin Claudia Bandion-Ortner: "Es geht nicht um Frauenpolitik, es geht um Kinderpolitik." Es gehe darum, was das Beste für das Wohl des Kindes sei.

Dieses Kindeswohl kann man durchaus von unterschiedlichen Seiten betrachten: Am Montagvormittag fand die letzte große Arbeitssitzung zur Reform der Sorgerechtsbestimmungen statt. Daran teilgenommen haben etwa 40 Vertreter aus den betroffenen Ministerien, der Volksanwaltschaft, von Frauenorganisationen und Männervereinen, Gewaltschutzzentren und der Familienrichter.

Kritikpunkt Automatismus

Bandion-Ortner beschreibt das so: "Den Frauen ist mein Lösungvorschlag zu weitgehend, den Vätern zu wenig weitgehend." Die Justizministerin, sagt sie, habe nicht damit gerechnet, dass es von allen Seiten Zustimmung geben werde, aber immerhin eine Annäherung konnte sie registrieren. Und ein paar der Kritikpunkte wolle sie durchaus noch in ihren Entwurf einfließen lassen, dann werde sie das politische Gespräch mit Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) suchen.

Was die Frauenorganisationen und auch die Frauenministerin besonders aufregt, ist die automatische gemeinsame Obsorge, die Bandion-Ortner in ihrem Gesetzesentwurf festgeschrieben hat: Im Fall einer Scheidung soll die gemeinsame Obsorge für das Kind oder die Kinder automatisch bei beiden Elternteilen verbleiben. Die Kinder betreffende wichtige Angelegenheiten müssten also weiterhin gemeinsam und im Einvernehmen entschieden werden. "Das ist momentan die Hauptkontroverse", bestätigt auch Ministerin Bandion-Ortner im Gespräch mit dem Standard.

Neu geregelt wird auch das Besuchsrecht, und hier gibt es einen Passus, der Frauenorganisationen besonders stört: Verweigert eine Mutter dem getrennt lebenden Vater das Besuchsrecht, kann der Richter Konsequenzen bis hin zum Entzug des Sorgerechts der Mutter setzen.

Ein kleiner Auszug aus den Kritikpunkten, die am Entwurf zum neuen Kindschaftsrecht vorgebracht werden:

  • Der Österreichische Frauenring empört sich darüber, dass Bandion-Ortner den "Scheidungskrieg auf den Rücken der Kinder" verlagere. Christa Pölzlbauer, Vorsitzende des Frauenrings, meint, dass hier dem Druck einer "kleinen, aber umso aggressiver auftretenden Väterrechtslobby nachgegeben" - und damit ein frauen- sowie kinderfeindliches Backlash-Paket entwickelt worden sei.
  • Die Frauenhäuser beklagen Rückschritte für die jahrzehntelange Frauenhausarbeit. Gewalt, so der Vorwurf, sei kein Kriterium bei der geplanten Obsorge-Regelung. Bei einer Verschärfung des Obsorgegesetzes würde auch Gewalt gefördert.
  • Der Verein Väter ohne Rechte prangert den Feminismus an, der beschäftige sich "lieber nicht" mit Begriffen wie "Recht auf Familienleben" oder "Gleichberechtigung". Für "Väter ohne Rechte" ist die Familienrechtsreform ein "wichtiger Schritt, um familiäre Beziehungen nach einer Trennung zu schützen". Im Übrigen sei die Familienpolitik nicht objektiv, suggeriert der Verein, da wesentliche Positionen von Frauen besetzt seien: Sieben von zehn Kinder- und Jugendanwälten seien Frauen, die Mehrheit der Sozialarbeiter in der Jugendwohlfahrt sei ebenfalls weiblich, dadurch würden Männer benachteiligt.
  • Wiens Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits fordert eine unabhängige Schlichtungsstelle bei Konflikten im Obsorgeverfahren. "Es muss das Ziel sein, das Kindeswohl immer in den Mittelpunkt der Überlegungen zu stellen", sagt Pinterits. Derzeit stehe der Streit und nicht das Gemeinsame im Vordergrund. Die neue Familienrechts-Novelle berge zusätzliches Konfliktpotenzial für Eltern. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 1.3.2011)
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Posting 1 bis 25 von 1990
woschl73
 
11
10.3.2011, 14:29
und was ist mit dem Unterhalt ?

Gemeinsames Obsorgerecht ist ja was tolles , nur muss es dann auch auf die Unterhaltszahlungen angewendet werden, denn das is ja bislang auch nicht der Fall.
gemeinsames Sorgerecht heisst wie der Name schon sagt GEMEINSAM, also zeitlich gesehen eine 50/50 Betreuung beider Elternteile.
Wenn das so ist sollten doch auch die Unterhaltszahlungen dem angepasst sein !

und wie ist die Lage zur Zeit:
Auch bei gemeinsamer Obworge bestimmt in den meisten Fäller immer noch die Frau, wann der Kindsvater die Kinder sehen darf.
Hier geht man von einem " normalen Besuchrecht " von satten 76 Tagen im Jahr aus, und alles was darüber hinausgeht liegt im Ermessen der Mutter.
Jeder zusätzliche Tag in der Woche an denen der KV die gemeinsamen Kinder betreut bringt

Vorstadtmama
 
00
es geht eh nur um den Unterhalt und um sonst gar nichts:)

Außer vielleicht noch um gekränkte Eitelkeiten der Rosenkriegsstreiparteien. Um die Kinder gehts den Anwälten nicht, das ist alles nur Heuchelei.

4simo
01
29.3.2011, 12:44
die go bedeutet weniger, zumindest weniger, was die nichtfinanzielle verantwortungd es vaters angeht.

sollten endlich modelle gefördert werden, die in richtung halbehalbe gehen, ist sicher auch die unterhaltsregelung neu auszuhandeln.
im moment ist es nicht halbehalbe, sonder vielleicht 80%:20%.
was das besuchsrecht angeht, kommt es auf die konstellation an. auch die kooperativste mutter kann denvater nicht dazu bringen, das in gewisser regelmäßigkeit abzuholen. und auch die hat irgendwann die verpflichtung, wenn er (doch) nicht kommt, mit oder ohne absage, zeiten sich nicht meldet, dann doch wieder, DAS KIND ZU SCHÜTZEN. denn dieses verhalten bedeutet für kinder permanente ablehnung und ist verletzend.
es gib eben beides: mütter die den vater (un)begründet ausgrenzen, väter die sich (un)begründet abwenden. was ist für das kind das beste?

baroli
00
18.3.2011, 14:02

Sobald die Väter auch die Hälfte der Betreuung und Versorgung übernehmen ist das eh kein Problem.

VoK
20
22.3.2011, 12:55

Verabschieden sie sich endlich von dieser "alle-Väter-und-Mütter-müssen-sich-die-Karenz-Halbe-Halbe-teilen" - Idee!

Solange Väter die in Karenz sind für ihre anderen Kinder TROTZDEM UH in der selben Höhe (als sie ein volles Einkommen hatten) zahlen müssen - aber Mütter für ihre anderen Kinder NUR UH entsprechend ihrem geringen Kinderbetreuungsgeld (anstatt dem vorigen vollen Einkommen entsprechend) zahlen müssen - erübrigt sich jede Diskussion darüber.

4simo
01
29.3.2011, 12:57
also wo fangen wir an? mit der automatischen absorge, in die man nachher noch mehr reinpacken kann? Sonst wird mir gegenüber immer argumentiert, dass die frauen selber schuld seien, sie müssten sich ja nur anders entscheiden,

Gar nicht gut kommt an, wenn ich darauf hinweise, dass wir auch rollen entsprechend vor/nachteile beziehen. im grunde argumentieren Sie ähnlich, nur eines: die Gesetze, die Sie anprangern, sind nicht von frauen geschaffen. Es sind Tatsachen, die grad die FeministInnen der letzten Jahrzehnte kritisiert haben, aber damals war es ja eh nur frauenthema, also wurde es diskutiert und nichts geändert. jetzt erkennnen väterrechtler, dass auch sie nachteile haben und das darf nicht sein. Ob die wirklich an dem Ausgleich auf der anderen Seite interessiert sind?
Nicht die Frauen sondern Männer legen die Bedingungen der Karenz fest. Fangen wir doch mal da an. Und Sie können sich der Unterstützung der Frauen sicher sein.

VoK
00
29.3.2011, 13:22

Ich bin sofort dafür alle Männer in Karenz zu schicken wenn es einen Einkommensausgleich und keinerlei sonstige berufliche Nachteile gibt.

Leider wird man als Mann sogar in "staatsnahen" Betrieben (ÖBB, Gericht, Exekutive, BKA, etc. - sogar in manchen Schulen!) zumindest schief angeschaut wenn man als Mann in Karenz geht. In der Privatwirtschaft kann man sich das wohl noch viel viel weniger leisten.

Und zusätzlich kommt eben auch noch dazu dass das gesamte Familieneinkommen meist empfindlich geschmälert wird wenn der Mann in Karenz geht.

4simo
00
29.3.2011, 14:08
das ist genau der punkt. wo anfangen? bedeutet wo finden sich gruppen, die sich zusammen für eine änderung einsetzen?

im moment sind es die *Väterrechtler* die an diesem system (traditionelle rollenbilder, die unterschiedliche begünstigungen/benachteiligungen bewirken) nur dort etwas ändern, wo sie sich benachteiligt fühlen.

wo finden sich gruppen, die für einen ausgleich sind? die maßnahmen einfordern, dass Väter in die karenz gehen KÖNNEN; ohne die finanzielle basis der familie zu gefährden?
im moment streiten sich die engagierten (angeblich bevorzugten) mütter gegen die benachteligten (angeblich engagierten) väter. mein eindruck. sinn machts so keinen
ich wär für eine gruppe der engagierten väter und mütter. gemeinsame interessen haben diese. zumindest unter der annahme des egalitären rollenbildes als basis der gesellschaft.

VoK
00
29.3.2011, 15:28

Schön und gut - aber da wo engagierte Väter auf engagierte Mütter treffen gibts meist eh Einigkeit was das Beste für die Kinder ist. Streit gibts dort wo ein Part auslässt (egal welcher).

Und Verbesserungen streben immer nur die an welche Bedarf daran haben (also jene wo der andere Part nicht so tut wie er soll) - und dort krachts dann.

4simo
00
29.3.2011, 16:27
beim ersten haben wir eh dieselbe meinung beim 2. fast

klar: es gehört betroffenheit dazu um etwas ändern zu wollen. und ich bin mir sicher, dass es durchaus fälle gibt, in denen die väter besser die OB hätten, mit allen konsequenzen.
umgekehrt ist es nicht so: auch wenn mütter sich nicht organisieren, bedeutet das nicht, dass da kein bedraf wäre. nur wie fordere ich zuverlässige fürsorge bei den vätern ein, die nicht daran interessiert sind? das wird nicht funktionieren. geld einfordern geht, alles andere geht nicht.
und trotzdem müßte man etwas unternehmen, das wären die maßnahmen, die helfen die väter eher in die kinderbetreuung einzubinden.
die richtige antwort auf die väterrechte ist nicht, deren forderungen zu realisieren, sondern als größere gruppe der engagierten eltern aktiv werden.

VoK
10
30.3.2011, 08:24

Klar bedeutet das nur extremen Widerstand der "anderen" Gruppe wenn man die Forderungen "einer" Gruppe nahezu 100%ig umsetzt. Aber glücklicherweise sind nicht alle Forderungen der Väter(rechtler) vernünftig bzw. umsetzbar sodass hier Spielraum besteht durch Ablehnung dieser Forderungen der "Gegenseite" der Rest akzeptierbarer zu präsentieren.

Wie man Elternteile welche keine Verantwortung übernehmen wollen einem diesbezüglichen Gesinneswandel unterzieht überlege ich schon seit Jahren - hatte leider noch keine realistisch umsetzbare Ideen dazu.

4simo
00
30.3.2011, 11:57
weil die Folgekosten für die gesellschaft einer Treich glaub nicht, dass es so einfach geht *nehmenw ir ein paar realsierbare forderungen der väterrechtler* und gut ist.

Mein Eindruck ist, dass diese eben woanders hin wollen, und entweder die Gesellschaft geht wieder in richtung traditionelle Rollenverteilung oder nicht.
Was hilft es Dinge einzfordern, die über kurz oder lang nur im Interesse einer Gruppe sind? Ich würde auch keine Forderung in Richtung *bestraft die bösen Väter* unterstützen, auch wenn es schon schmerzhaft ignorante dort zu finden sind.
das einzige, was ich als nächsten Schritt seh, wäre die lobbys neu zu formieren. anstelle mütter gegen väter -> engagierte mütter und väter für ein familienrecht, das der steigenden zahl der patchworkfamilien rechnung trägt. + die Auseinandersetzung was für das kind am besten ist. und da kann die ganze bandbreite der lösungen rauskommen. *simplifiziert*

VoK
00
30.3.2011, 17:16

Die "traditionelle Rollenverteilung" ist (und bleibt) tot.

4simo
00
30.3.2011, 19:50
das derzeitige familienrecht

ist eine folge der traditionellen rollenverteilung.

VoK
00
31.3.2011, 07:07

Stimmt! Das dzt. Familienrecht (festgehalten im AGBG - welches tw. auf römischem Recht basiert und noch auf Maria Theresia zurückgeht) basiert auf dem Modell der bürgerlichen Hausfrauenehe.

Aber solange sich diese Rollenverteilung nicht für mind. 30 Jahre in eine eindeutige Richtung verändert hat wird wasch von der Legislative keine tiefgreifende Änderung der Gesetze angestrebt.

baroli
00
30.3.2011, 18:07
Schön wärs ja.

VoK
00
31.3.2011, 06:50

Wie sie wissen sprach ich weder von unseren islamischen Landsleuten noch von den sprichwörtlichen tirolen Bergbauernfamilien.

baroli
00
31.3.2011, 12:30

Wovon denn?

baroli
00
29.3.2011, 14:04

Wo sind denn diese Goodies für die Frauen, die in Karenz gehen?

Vielleicht kapieren Sie durch Ihre eigen Aussage endlich, daß man nur mit einem gewissen allgemein wirksamen Druck von Oben Unternehmen dazu bringt, Männern, die in Karenz gehen wollen, dies auch zu ermöglichen.
Frankreich ist ja schon auf dem besten Weg dazu.

VoK
00
29.3.2011, 15:30

Genau das habe ich früher auch schon gepostet! (ich weiss nicht warum sie "aus Prinzip" auf mich hinhacken - sogar wenn wir einer Meinung sind).

baroli
00
29.3.2011, 16:18

Dann sind Sie also für das französische Modell mit 50% Väterkarenz?
Das wäre mir aber neu.

VoK
00
29.3.2011, 16:50

Habe ich doch eh schon immer gesagt - wenn die Rahmenbedingungen auch geschaffen werden (und die gibt es im Moment in Ö nicht einmal ansatzweise)

baroli
00
30.3.2011, 12:22

Die Rahmenbedingungen müssen ja den Frauen auch reichen.
Für Männer sollen sie also verbessert werden?

Sie tappen wieder einmal in die eigene Falle.

VoK
00
30.3.2011, 16:03

Bei den Frauen ist es gesellschaftlich akzeptiert dass sie in Karenz gehen - und sie haben einen Kündigungsschutz.

Bei den Männern ist es gesellschaftlich NICHT akzeptiert dass sie in Karenz gehen - und sie haben KEINEN Kündigungsschutz.

Nur 2 Beispiele...

baroli
00
30.3.2011, 18:14

Na dann muß man wohl die Bedingungen so verändern, daß auch Männer, die in Karenz gehen, gesellschaftlich akzeptiert werden.
Geht sehr gut mit der französischen Methode, da haben dann alle die gleichen Bedingungen.

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Posting 1 bis 25 von 1990

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