Flirten in der Früh

28. Februar 2011, 17:04
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Nicht nur, dass im Café Puls von aller Herrgottsfrüh an ein Minirockzwang für Moderatorinnen herrscht, es herrscht auch ein damit verbundener Beinverknotungszwang

Auch für Morgenmuffel gibt es Tage, an denen alle Empfindlichkeitsschranken fallen und wider besseres Wissen das Fernsehgerät zu fast noch nachtschlafender Zeit aufgedreht wird. Man muss sich ja entscheiden:Will man dumm sterben und auf die ersten Oscar-Bilder verzichten? Oder switcht man doch zwischen den Frühstücksformaten, um über die Gewinner und ihre Reden und Roben frühmorgendlich im Bilde zu sein? Der glamourösen Zeremonie schadet eine zeitliche Straffung ja sowieso nicht, und da kommt ein Frühstückstalk gerade recht.

Es ist bestimmt keine geringe Kunst, die Nachrichten des Tages (und dazu gehören schließlich auch weniger schöne) in eine Livesendung zu integrieren, die eigentlich in erster Linie gemütlich sein möchte. Das Spiel mit dem Wohlbefinden und der Vertrautheit hat etwa das Präsentatorenpaar des ARD-Morgenmagazins perfekt drauf. Anna Planken und Sven Lorig plaudern jeweils von sechs bis neun Uhr Vormittag mit einer Sachlichkeit und Unangestrengtheit, die man erst zu schätzen lernt, wenn man das äquivalente Hektiker-Duo auf dem Privatsender Puls 4 kennengelernt hat.

Nicht nur, dass im Café Puls von aller Herrgottsfrüh an ein Minirockzwang für Moderatorinnen herrscht, es herrscht auch ein damit verbundener Beinverknotungszwang. Vom oversexed Outfit bleibt der männliche Moderator zwar verschont, doch scheint auch ihn ein Flirtauftrag ereilt zu haben. Muntermacher-Tricks?

Jedenfalls wirken die beiden um acht Uhr dann schon so angespannt, als hätten sie zwei Stunden miteinander gestritten. Insgesamt ist das dann fast so anstrengend wie die gesamte Oscar-Nacht. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD; Printausgabe, 1.3.2011)

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