Der blinde Fleck

28. Februar 2011, 16:59
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Polizeieinsatz in der Albertina - Von Thomas Trenkler

Was ist der Unterschied zwischen Gerry Keszler und einem 14-jährigen Mädchen, das nachtblind ist? Der Life-Ball-Veranstalter durfte in die Albertina einen Hund mitbringen, der ungeniert in die eben feierlich eröffnete Van-Gogh-Schau pinkelte. Das Mädchen hingegen, das aufgrund einer Störung der Sehrezeptoren in der Dämmerung und Dunkelheit nichts sieht, wollte man von der herbeizitierten Polizei abführen lassen. Denn es hatte einen Pudel dabei.

Im Gegensatz zu Keszlers Hündchen ist der weiße Pudel aber wohlerzogen. Mehr noch: Er ist zum Blindenführhund ausgebildet. Daher darf er, was Artgenossen nicht dürfen: Mit zum Billa gehen, in der AUA im Passagierraum fliegen. Er darf dies sogar ohne Beißkorb.

Samstagnachmittag vor einer Woche ging das Mädchen mit seinen Eltern und deren Freunden in die Albertina. Man wollte sich Roy Lichtenstein anschauen. Der Hund war mit von der Partie. Denn nach dem Besuch wäre die Dämmerung hereingebrochen. Und in manchen Sälen der Albertina kann es ziemlich düster sein.

Der erste Security-Mann ließ das Mädchen samt Hund passieren, der zweite kannte kein Pardon: Er rief die Polizei. Die Ordnungshüter fanden aber keinen Grund, einzuschreiten: Sie geleiteten den Hund durch die Säle. Dem Vernehmen nach soll dieser vom gewährten Polizeischutz angetan gewesen sein. (Thomas Trenkler, DER STANDARD - Printausgabe, 1. März 2011)

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