Anzahl der Strahlungs-Opfer immer noch nicht geklärt

28. Februar 2011, 17:00
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Neuer UN-Report: Gesicherte Schätzungen nur für Leukämie und Schilddrüsen-Krebs möglich

Wien - Selbst 25 Jahre nach der Nuklearkatastrophe im Atomkraftwerk Tschernobyl (Ukraine) bleibt die Zahl der Strahlungs-Opfer unklar. Auf Schätzungen, wie viele zusätzliche Krebsfälle es durch die Katastrophe gegeben hat und auch noch geben könnte, wollen sich Experten des UN Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation (UNSCEAR) nicht generell einlassen. Am Montag wurde eine Erweiterung eines laufenden Berichts über die Auswirkungen des Unfalls in Wien präsentiert.

Der neue Bericht sei stark erweitert worden, sagte die Experten. So umfasse er Daten von über 500.000 Arbeitern, die während und nach dem Unfall mit vergleichsweise hohen Dosen an radioaktiver Strahlung ausgesetzt waren. Ebenso seien Daten über die radioaktive Belastung der Schilddrüsen von rund 100 Millionen Menschen in Weißrussland, Russland und der Ukraine verarbeitet worden.

28 unmittelbare Todesopfer

Für die Fachleute steht fest, dass es im Zuge des Unfalles zu 28 unmittelbaren Todesfällen gekommen ist. Weitere 19 der 134 Arbeiter, die nach der Reaktorexplosion wegen des akuten Strahlungssyndroms behandelt worden waren, seien bis 2006 gestorben. Allerdings seien diese Personen an verschiedenen Ursachen gestorben.

Klare statistische Zusammenhänge für solche Menschen mit hohen radioaktiven Belastungen gebe es bezüglich der Zunahme von Leukämie und Katarakten (Trübungen der Augenlinse, Anm.). Für die Bevölkerung, die nur geringeren Dosen ausgesetzt gewesen war, seien solche Zusammenhänge bisher kaum zu ziehen. Eine Ausnahme machen dabei lediglich erhöhte Raten von Schilddrüsenkrebs bei Personen, die als Kinder oder Jugendliche das Tschernobyl-Unglück erlebten. So habe es in Weißrussland und der Ukraine von 1991 bis 2005 rund 6.000 Fälle von Schilddrüsenkrebs gegeben, einen "erheblichen Anteil" davon führen die Wissenschafter auf die Strahlung zurück. Der Konsum von verstrahlter Milch wird als Hauptursache angesehen.

Streit um Schwellenwert

Auch wenn die Experten noch weitere Krebsfälle durch den Unfall "nicht ausschließen können", so würden Daten und wissenschaftliche Erkenntnisse nicht ausreichen, um sichere Aussagen treffen zu können. Sie verwiesen etwa auf den bis heute schwelenden Streit unter Wissenschaftern, ob es bezüglich radioaktiver Strahlung so etwas wie eine Schwellenwert für eine Schädigung gebe, oder ob die Gefahr von Null weg mehr oder weniger kontinuierlich zunimmt. (red/APA)

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    Der Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks Tsdchernobyl ist heute von einem provisorischen, durchlässigen "Sarkophag" umgeben, für die Zukunft ist eine neue, haltbare Hülle vorgesehen.

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