Spionageprozess gegen Österreicher

28. Februar 2011, 14:21
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Anklage für Bewährung - Vizeleutnant soll russischem Geheimdienst geholfen haben - "Großer Fehler"

Eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten zur Bewährung haben die Vertreterinnen der deutschen Bundesanwaltschaft im Münchner Prozess gegen den 54-jährigen oberösterreichischen Vizeleutnant Harald S. wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit gefordert. Dem Angeklagten, der bei einer Hubschrauberstaffel als Techniker beschäftigt war, wird vorgeworfen, Informationen über zivile und militärische Hubschrauber des Herstellers Eurocopter über einen Agenten an den russischen Auslandsgeheimdienst SWR weiter gegeben zu haben.

S. hatte in der vergangenen Woche bereits eingeräumt, den Kontakt zwischen dem SWR-Agenten Vladimir W., der offiziell an der russischen Botschaft in Wien als Handelsattache geführt wurde, und zwei Eurocopter-Ingenieuren hergestellt zu haben. Zum Verrat von Militärgeheimnissen kam es nicht, weil die Ingenieure nicht mehr mitspielten.

Angeklagter bat um "mildes Urteil"

Die Verteidigung plädierte auf ein möglichst mildes Urteil. Die Strafe sollte zwölf Monate zur Bewährung nicht übersteigen, sagte der Münchener Anwalt von S., Matthias Schütrumpf. Verteidiger Wolfgang Treuheit wies darauf hin, dass der Angeklagte im Falle der Verurteilung mit einem Disziplinarverfahren und schlimmstenfalls der Entfernung aus dem Dienst zu rechnen habe.

Der Angeklagte selbst bat in seinem Schlusswort um ein "mildes Urteil". Er wisse, dass er einen "großen Fehler" gemacht habe, weil er nicht die Kraft gehabt habe, der Verlockungen des russischen Agenten W. zu widerstehen.

Der angeklagte Berufssoldat aus Österreich, der nebenher mit Flugzeugen, Motoren und Werkzeugmaschinen handelte, soll von 1997 bis 2002 für den SWR spioniert haben bzw. dem SWR beim Beschaffen von Informationen über Hubschraubertechnologie von Eurocopter in Ottobrunn bei München geholfen haben. Laut Anklage lieferte er den Russen technisches Gerät sowie Wartungs- und Flughandbücher. Der Prozess hatte Mitte Februar begonnen. (APA)

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