Verunsicherung in der Steiermark um "Aus" für Gratis-Kindergarten

28. Februar 2011 14:09

Eltern von rund 30.000 Kindern droht Mehrbelastung - Unklarheit zu Beginn der Anmeldefrist

Graz - In einigen steirischen Gemeinden, darunter in der Landeshauptstadt Graz, hat heute, Montag, die Anmeldung für das neue Kindergarten-Jahr 2011/12 begonnen. Für die Eltern der Drei- und Vierjährigen ist dieser Akt kostenmäßig einem Fragezeichen versehen: Sie wissen nicht, ob sie für den Platz im Kindergarten zahlen müssen und wenn ja, wie viel. Hintergrund der unklaren Lage ist das Sparbudget 2011/12, das derzeit von der steirischen Landesregierung beraten wird und das u.a. die Rücknahme des im Herbst 2008 einführten Gratis-Kindergartens bedingen dürfte.

30.000 Kinder betroffen

In der Steiermark sind derzeit in 900 Kinderbetreuungseinrichtungen mit rund 1.700 Gruppen insgesamt mehr als 33.000 Kinder versorgt. Im Falle einer Abschaffung des Gratis-Kindergartens würde die Betreuung von knapp 30.000 Drei- bis Sechsjährige kostenpflichtig werden. Bisher hat das Land für die im September 2008 eingeführte Zusatzleistung 2009/10 fast 47 Mio. Euro pro Jahr aufgewandt, die zu den Basiszuschüssen für Kinderbetreuungseinrichtungen in der Höhe von 63 Mio. Euro dazukamen.

Der Spar-Doppelhaushalt, der von Kürzungen im Umfang von 25 Prozent ausgeht und über den gerade dieser Tage die finalen Verhandlungen stattfinden, wird aller Voraussicht nach ein Abgehen vom Gratis-Angebot des Landes notwendig machen. Aber auch die Rückkehr zur Regelung von vor 2008 wird als unwahrscheinlich gesehen; klar dagegen hat sich u.a. die zuständige Referentin Elisabeth Grossmann (SPÖ) ausgesprochen. Am realistischsten dürfte die Einführung einer sozial gestaffelten Gebühr sein. Kritik kam am Montag von den Grünen, deren Klubobfrau Ingrid Lechner-Sonnek in einer Aussendung "Chaos auf dem Rücken der Familien" ortete und die Landesregierung dazu aufforderte, den Eltern "endlich die Wahrheit" zu sagen. (APA)

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11 Postings
Bella gerant alii
28.02.2011 23:28
Zumindest in Graz ist der Gratiskindergarten...

... ohnehin nur Mittelstands- und Reichenförderung. Davor gab es nämlich eine einkommensabhängige Staffelung von 0-100% - für Leute mit wenig Einkommen hatte sich also nichts verändert.

immofuchs
01.03.2011 09:06
das war in Wien so ähnlich,

aber, die Haushaltseinkommensgrenzen waren so niedrig, dass bei Ihnen Reichtum schon sehr früh anfängt. Und gegen Mittelstandsförderung ist wohl nichts zu sagen.

Mary the Strange
28.02.2011 15:58
Ah eh,...

Kindergartenpflicht wird eingeführt und gratis Kindergarten abgeschafft...

Gerade das Kindsalter ist für die Entwicklung des Menschen entscheidend - Hier sollte am wenigsten gespart werden, nein, hier sollte es noch mehr Förderungen geben!

TrifterSepp
 
28.02.2011 17:28

Wenigstens ein Bundesland welches erkannt hat dass gespart werden muss.

sociovation
28.02.2011 21:40
Der letzte der noch immer glaubt,

dass sparen etwas bringt...

Luke-Skywalker
28.02.2011 15:56

Der Gratiskindergarten war genauso Nonsens wie die 13. Familienbeihilfe.

Für die Wahlen als Stimmenfang missbrauchen und später wieder kürzen oder abschaffen weils zu teuer wird.

Senftube
28.02.2011 14:21
"das land"

soweit ich weiß, hat "das land" die kosten auf die gemeinden abgewälzt, die dadurch von jetzt auf nun eine immense mehrbelastung des gemeindebudgets zu stemmen hatten.

seiter bleiben alle "nicht ganz so" wichtigen investitionen auf der strecke, denn die gemeinden haben kein geld mehr.

und es kann nicht der weisheit letzter schluß sein, daß wegen des plötzlichen "gratiskindergartens" notwendige ausgaben für kommunale einrichtungen nicht mehr bestritten werden können.

immofuchs
01.03.2011 09:11
Guter versuch,

aber der Gratiskindergarten ist nicht der Grund für die Finanzsituation der Gemeinden.
Dass wirtschaftlich ahnungslose Charismatiker oder eitle Selbstdarsteller nahezu grenzenlose Finanzautonomie haben, und von professionellen Verkäufern (Baufirmen, Fahrzeughändler, Banken,...) abgezockt werden, schon eher.

Heinz Anderle
 
05.03.2011 06:08
Daß hierzulande jeder Dorftrottel Bürgermeister werden kann,...

... haben Sie aber sehr elegant umschrieben.

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Senftube
01.03.2011 10:30
wieso...

...hör ich dann gerade von steirischen Kommunalbetrieben immer die gleiche Leier, nämlich daß die Gemeinde kein mehr Geld hat, seit die Sozialleistungen von diesen zu berappen sind?

Es können ja nicht in der ganzen Steiermark über Nacht eitle Selbstdarsteller und wirtschaftlich ahnungslose Charismatiker ans Ruder gekommen sein.

immofuchs
01.03.2011 10:46
Genau diese schnellen einfachen Erklärungen auf kommunaler Ebene sind das Problem

Sozialleistungen sind Gemeindesache, werden immer teurer und vom Land immer schlechter abgegolten. Diese Zusatzlasten treffen alle Gemeinden, aber nur bei den vorher schon maroden ists dann wirklich finster.
ad Steiermark:
Strukturschwäche trifft Bevölkerungspyramide. Schwerindustrie weg und seit 30-40 jahren konzeptloser Stillstand - auch von Landesseite. Manche (zB Judenburg) schaffens besser, andere (Trieben, Fohnsdorf) schaffens - teils selbstverschuldet - gar nicht.
Also, von "über Nacht ans Ruder gekommen" kann keine Rede sein (von wirtschaftlicher Ahnungslosigkeit leider schon).

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