Hohe Lohnabschläge für Teilzeitbeschäftigte

28. Februar 2011, 12:39
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Stundenlöhne variieren trotz gesetzlicher Regelungen - Wegen hoher Teilzeitquote sind vorwiegend Frauen betroffen

Düsseldorf - Angestellte, die Teilzeit arbeiten, erhalten weniger Geld als Vollzeitbeschäftigte. Zu diesem Fazit gelangt eine Studie der Hochschule München im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung. Auf Frauen im Westen der Bundesrepublik bezogen, heißt das, sie erhalten in Teilzeitbeschäftigungen im Durchschnitt knapp 2,50 Euro weniger je Stunde als Arbeitnehmerinnen mit einer vollen Stelle. Bei Männern ist der Unterschied noch größer.

Hohe Lohnabschläge für Männer

Die wissenschaftliche Analyse der Erhebung fand im Detail heraus, dass der Durchschnitts-Bruttostundenlohn teilzeitbeschäftigter Frauen im Westen der Republik im Jahr 2007 bei rund 13,10 Euro lag. Vollzeitbeschäftigte Frauen erhielten im Schnitt 15,60 Euro. Bei den Männern mit reduzierter Stundenzahl fällt der durchschnittliche Lohnabschlag doppelt so hoch aus. Ein Vollzeitbeschäftigter bekommt 18,10 Euro brutto, während es in Teilzeit nur 13,20 Euro sind.

Die Lohnabschläge sind im Osten mit Differenzen von 0,80 Euro je Stunde bei Frauen sowie knapp 0,30 Euro bei Männern auf Grundlage eines geringeren Verdienstniveaus insgesamt deutlich geringer. In einer Analyse der Hochschule München dazu heißt es. "Auch wenn die Lohnabschläge für Frauen, die von der traditionellen Vollzeitbeschäftigung abweichen, geringer sind als bei Männern, erzeugt die hohe Teilzeitquote eine sehr große Betroffenheit."

70 Prozent arbeiten als weniger als 35 Stunden

Die Lage am Arbeitsmarkt ist brisant. Denn laut dem Statistischen Bundesamt kommen rund 70 Prozent der Arbeitnehmerinnen auf weniger als 35 Wochenstunden. Die Teilzeitquote der Männer beträgt dagegen lediglich knapp sechs Prozent. Obwohl das Teilzeit- und Befristungsgesetz Lohnabschläge verbietet, kommt es trotzdem zu großen Unregelmäßigkeiten. Ausbildung, Erfahrung sowie Betriebszugehörigkeit spielen eine Rolle.

Das ForscherInnenteam um Studienautorin Elke Wolf kommt außerdem zu dem Schluss, dass der Verdienstnachteil gegenüber Vollzeitbeschäftigten geringer ist, wenn Teilzeitkräfte bereits lange in ein und demselben Betrieb sind. Außerdem jene "Teilzeit-Männer", die die höchsten Fixkosten in Form von Einstellungs- Einarbeitungs- und Weiterbildungskosten verursachen, mit den größten Lohneinbußen kämpfen. Vor allem HochschulabsolventInnen sind betroffen.

Hauptproblem Vereinbarkeit

Hochqualifizierte, die ihr Studium erst beendet haben und neu im Unternehmen sind, werden oft mit Abschlägen konfrontiert, die im Vergleich zu anderen Teilzeitbeschäftigten doppelt so hoch ausfallen. Dies lässt den Schluss zu, dass die Unternehmen die zusätzlichen Kosten der Teilzeitarbeit auf die ArbeitnehmerInnen überwälzen. Laut Wolf besteht das Hauptproblem für die Betroffenen vor allem darin, Familie und Berufstätigkeit nur schwer vereinbar zu machen. (pte)

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