Tempolimit und billigere Bahn gegen teures Öl

28. Februar 2011, 12:17
97 Postings

Spaniens Autofahrer müssen bald auf den Autobahnen den Fuß vom Gas nehmen, dafür werden Bahntickets billiger

Madrid - Die Furcht vor versiegendem Nachschub trieb den Ölpreis in den vergangenen Tagen bekanntlich rasant nach oben. Auslöser sind die Unruhen in Libyen, die zu einem teilweisen Förderausfall bei dem Öl-Exporteur geführt haben. Die Preise an den Zapfsäulen stiegen ebenso flott in bemerkenswerte Höhen.

Fuß vom Gas

Spanien reagiert nun mit Tempolimits und billigeren Bahntickets. Spaniens Autofahrer müssen ab dem 7. März auf Autobahnen den Fuß vom Gas nehmen und dürfen nur noch 110 statt 120 km/h fahren, um Sprit zu sparen, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Alfredo Perez Rubalcaba am Sonntag nach einer Kabinettsitzung. "Wir wissen nicht, wie lange die politische Instabilität im Norden Afrikas und in den arabischen Ländern anhält. Handeln müssen wir aber jetzt", so der Vizepremier.

Schließlich hängt das Krisenland zu 80 Prozent von Energieimporten ab. Im vergangenen Jahr schlugen die Erdöleinfuhren mit 25,5 Milliarden Euro zu Buche, das waren bereits 10,3 Milliarden Euro mehr als im Jahr davor. Der Haushalt des hoch verschuldeten Landes für 2011 wurde auf der Grundlage eines Barrelpreises von 81 Dollar kalkuliert - jetzt pendelt dieser um die 110 Dollar. An Spaniens Tankstellen kostet der Liter Benzin derzeit um die 1,28 Euro.

Höherer Ölpreis kostet viel Geld

Jede Erhöhung des Barrels um zehn Dollar verteuert die jährlichen Kosten nach Berechnungen der Regierung um rund sechs Milliarden Euro - das entspricht dem gesamten Budget für Forschung und Entwicklung. Wichtigster Öl-Lieferant Spaniens ist der Iran. Danach folgt bereits Libyen, mit einem Anteil von 13 Prozent.

Das Tempolimit ist nur ein Teil eines Sparpakets, das die Regierung den Bürgern auch durch Vergünstigungen schmackhaft machen will. So werden ebenfalls ab 7. März die Preise für Bahntickets auf Pendlerstrecken um fünf Prozent gesenkt. Außerdem soll der Anteil von Biokraftstoff im Benzin erhöht und die Beleuchtung in öffentlichen Gebäuden gedrosselt werden.

Die konservative Volkspartei (PP) kritisiert den Plan als "chaotisch, lächerlich und grotesk". Das Tempolimit treffe zwar die Autofahrer, aber nicht Lastwagen und Busse, die ohnedies langsamer fahren müssten. Diese seien aber für rund ein Drittel des gesamten Spritverbrauchs verantwortlich. Außerdem entfalle auf die Autobahnen nur 60 Prozent des Verkehrs. "Es geht hier um sowjetische Maßnahmen, wie sie heute die Menschen auf Kuba gewöhnt sind", kritisierte PP-Sprecher Esteban Gonzalez Pons.(rb, derStandard.at, 28.2.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ganz so weit ist es noch nicht, dass die Autos jetzt Bahn fahren, aber Bahnfahren wird in Spanien billiger.

Share if you care.