Transportbranche erholt sich von der Krise

28. Februar 2011, 12:08
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Schifffahrt und Luftfracht konnten zwar von 2009 auf 2010 wieder um rund 20 Prozent zulegen, der Motor stottert aber noch

Wien - Die Transportwirtschaft hat das Krisenjahr 2009 hinter sich gelassen, aber noch läuft der Motor nicht rund. "Die Situation hat sich seit dem Spätsommer 2010 gedreht. Allerdings wurde das Transportaufkommen der Vorkrisenzeit noch nicht erreicht", fasst der Obmann der Bundessparte Transport, Alexander Klacska, die Situation zusammen.

Im Straßengüterverkehr hat die Lkw-Fahrleistung von 2009 auf 2010 um 6,6 Prozent zugelegt, doppelt soviel wäre aber erforderlich gewesen, um in etwa auf die Kilometeranzahl der Jahre 2007 und 2008 zu kommen. Einen deutlichen Aufwärtstrend hat es auch bei den Neuzulassungen von Autobussen gegeben, aber auch hier wurde die Zahl aus dem Jahr 2008 deutlich unterschritten.

Auf der Schiene hat die Transportleistung von 2009 auf 2010 um 14,9 Prozent zugelegt. Ein noch deutlicheres Plus gab es auf der Donau. Hier wurde ein Anstieg von 20,5 Prozent registriert. Bei der Luftfracht wurde ein Anwachsen um 19,1 Prozent verzeichnet. Bei den Flugpassagieren waren es hingegen "nur" 8 Prozent, teilte die Wirtschaftskammer mit. 

Anteil osteuropäischer Frächter steigt weiter

 

Die Transportwirtschaft appelliert an die Politik, den Industriestandort zu stärken und bürokratische Hürden zu beseitigen. Wenn eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene gefordert wird, dann müsse man auch die unterschiedlichen nationalen Vorgaben für den Schienenverkehr beseitigen. Es sei zwar sinnvoll, die Flachbahn - Stichwort Tunnelprojekte - auszubauen, es mache aber wenig Sinn, wenn die Züge dann an den Grenzen wegen unterschiedlicher technischer Vorgaben sinnlos warten müssten, so Transportobmann Alexander Klacska.

Auffallend ist, dass der Anteil der Kilometer, die von Lastwagen mit ausländischen Kennzeichen auf heimischen Straßen gefahren wurden, von 52,5 auf 54,6 Prozent zugelegt haben - und das, obwohl der internationale Verkehr unter der Krise stärker gelitten hat als der Inlandsverkehr. Allerdings gehört nicht jeder Lkw mit fremdem Kennzeichen einem ausländischen Unternehmen - immer mehr heimische Frächter betreiben ihre Brummis im Ausland. Rund 6.000 von insgesamt 70.000 heimischen Lastwagen fahren derzeit "ausgeflaggt". Grund für die Flucht ins Ausland seien die hohen Steuer- und Arbeitskosten.

"Massive Konkurrenz"

Die "massive Konkurrenz" aus Osteuropa und die Folgen der Krise haben 2010 mehr als 500 Tansporteure mit einem Konkursantrag beantworten müssen. Damit wurde das Niveau von 2008 erreicht - 2009 hatten über 580 Unternehmer ihre Fahrzeuge für immer abgestellt. Wie massiv Osteuropa aufholt, zeigt sich an den Zulassungszahlen der Statistik Austria: In der Slowakei wurde ein Plus von +über 40 Prozent eingefahren. In Tschechien und Slowenien waren es rund 15 Prozent. Aber auch Deutschland legte kräftig zu: Plus 20 Prozent.

Klacska rechnete vor: Durch das Steuerpaket 2010 kamen für einen 40 Tonnen Sattelzug auf den Frächter Mehrkosten von 2.140 Euro dazu. Im Verteilerverkehr waren es pro Fahrzeug (18 Tonnen) 412 Euro. Bei den Neugründungen sei eine Verschiebung hin zu Ein-Personen-Unternehmen mit Klein-Lkw für die städtische Versorgung bemerkbar. Insgesamt wurden 2010 knapp 1.900 Gewerbeberechtigungen für Transportunternehmen ausgestellt, 37 Prozent davon entfielen auf Wien. Über alle Bereiche hinweg gibt es bundesweit 34 Berechtigungen. Die Transporteure beschäftigen über 200.000 Mitarbeiter.

An diese sollten jene Auftraggeber für die Transportbranche auch denken, die immer noch der "Geiz ist Geil"-Mentalität nachhängen würden, so Kacska. An seine Mitglieder appellierte er, die gestiegenen Kosten weiterzugeben, "denn anders geht es nicht mehr". (APA)

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