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Quelle: youtube
Zuschauen gilt nicht am Rosenmontag in Santa Cruz. Alle werden weiß und schützen sich teils mit Taucherbrillen vor dem Babypulver.
Beim vielleicht schrillsten Karneval der Welt in der Hafenstadt Santa Cruz wird recht eigentümlich gefeiert. Der Höhepunkt ist das Besprühen und Beschütten von allem und jedem mit Babypuder oder Talkum. Innerhalb kürzester Zeit sind alle Feiernden - nicht mitzumachen ist unmöglich - sowie die Straßenzüge Calle O'Daly und Pérez de Brito nebst den angrenzenden Straßen und Gassen in Santa Cruz mit einem weißen Schleier überzogen. Die Straßenreinigung muss später tagelang ackern, um die Reste zu beseitigen.
Einheimische und Eingeweihte erscheinen freilich gleich in weißer Kostümierung. In vielen Geschäften wird seit Wochen die typische weiße "Emigrantenkleidung" angeboten, die bei dem Event Pflicht ist. Diese besteht aus einem Leinenanzug für Männer und einem Leinenkleid für Frauen und einem Panamahut. Wer nicht in der traditionell weißen Kleidung erscheint, wird schnell als Nichtemigrant "enttarnt" und schon zu Beginn mit dem sogenannten Polvo regelrecht überschüttet.
Denn dieses einzigartige Erlebnis verdanken wir der Rückkehr der Ausgewanderten Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Weil sie in der Fremde zu Reichtum gelangten, wird die Heimkehr der Indianos auf La isla bonita gebührend gefeiert. Früher sollen die reichen Rückkehrer mit Mehl überschüttet worden sein, heute ist es Puder. Viele der zurückkehrenden Emigranten machten in Kuba ihr Glück, daher heißt die lustige Veranstaltung auch "Dia de los indianos", also Tag der Indianer.
Zu fortgeschrittener Stunde steigt die Stimmung, und die Kostümierung oder eben Nichtkostümierung spielt keine Rolle mehr, alle sehen ohnehin weiß aus, denn niemand bleibt den Abend und die Nacht über sauber. Das Puder wird nicht nur gestreut und geschüttet, sondern aus selbstgebauten Pudermaschinen verteilt und sogar aus Kanonen verschossen. Mit der gleichen Großzügigkeit, die Palmeros beim Verteilen des Puders auf die Karnevalteilnehmer an den Tag legen, geben sie anderen gerne Kostproben vom selbstgemachten mitgebrachten Wein. Auch einen Karnevalsumzug gibt es natürlich bei diesem Freudenfest, nur ist dieser hier wenig organisiert, sondern meist improvisiert. Dieses Jahr treffen sich die Indianos (und Sympathisanten) am 7. März um 16.30 Uhr am Hafen, ab 17 Uhr geht's dann offiziell los. Große und sorgfältig präparierte Umzugswagen darf man nicht erwarten, ein mit Palmenzweigen geschmückter Einkaufswagen oder der nicht mehr benötigte Kinderwagen tun es eben auch.
Außerdem lassen sich in ihnen gleich die für die ausgelassene Stimmung notwendigen Getränke bunkern. Zu karibischen Klängen gibt es allerlei Kostümierung. So kommen die Indianos mit gewaltigen Schrankkoffern, Papageienkäfigen, gewaltigen Havannazigarren oder als Seeleute und Sklaven daher. Bis in die frühen Morgenstunden wird zu Salsa, Samba und Merengue gesungen und getanzt.
Keine Zaungäste
"Der Rosenmontag in Santa Cruz ist ein Fest voller Musik, aller Altersklassen und ohne jede Aggression, für ein paar Meter benötigt man tanzend Stunden", schwärmt ein Teilnehmer. Hat man genug vom Pulver oder von der Enge, dann geht es an die Stadtgrenze zum Meer. Der Nordostpassat bringt frische Luft, Bühnen mit Livemusik sorgen für Kurzweil. Karnevalsverliebte Karossengucker werden allerdings enttäuscht sein, man selbst ist nicht Zaungast, sondern Teil der bewegten weißen Menge.
Nach dem Selbsttest des Autors hier noch einige Vorsichtsmaßnahmen: Was Sie anziehen, ist im Prinzip egal, Sie sollten es danach waschen oder wegwerfen können.
Unbeteiligte gibt es nicht, wenn Sie nicht mit Puder beworfen werden wollen, meiden Sie am Rosenmontag Santa Cruz. Greifen Sie, bevor Sie die Partymeile, Pardon, den Karneval betreten, ruhig selbst zum Puder, so werden Sie nicht sofort Opfer ein Puderattacke. Wenn Sie während des Karnevals keine Schwimmbrille tragen wollen, nehmen Sie Augentropfen mit. Auch Ohropax kann nützlich sein, nicht wegen der lautstarken Musik, sondern gegen seitlichen Puderbeschuss. (Ingo Paszkowsky/DER STANDARD/Printausgabe/26.02.2011)
Informationen:
Spanisches Fremdenverkehrsamt Walfischgasse 8/14, 1010 Wien
www.tourspain.es
www.spain.info
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Ich verwende Talkum bei der Reifenmontage nur mit Vorsicht, weil das Zeug auf keinen Fall eingeatmet werden darf. Steht auch als Warnhinweis auf jeder Babypuderflasche. Selbstredend, dass bei so einem Massenevent das Einatmen nich vermieden werden kann.
ist eine der westindischen Inseln, deshalb nannte man früher auf Spanisch die Zurückgekehrten "indianos". Die für Lateinamerika zuständig königliche Regierungsbehörde hieß übrigens "Consejo de Indias", also der Indienrat, obwohl er mit dem eigentlichen Indien gar nichts zu tun hatte.
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