Bomben auf Gaddafi?

27. Februar 2011, 21:04

"...und die Welt schaut zu" als pathetische Leerformel.

Muammar Gaddafi, der Irre von Tripolis, versuchte sich bis zuletzt mit brutaler Gewalt an der Macht zu halten. "Und die Welt schaut zu", rufen da viele anklagend. Ein bisschen wundere ich mich da manchmal, weil dieser Ruf, der Westen müsse eingreifen, oft auch von jenen kommt, die in anderen Fällen nicht müde werden, die kriegsgeilen Amerikaner oder einen angeblichen neuen deutschen Militarismus zu geißeln. Als die Welt einmal so etwas eben nicht zugelassen hat, vor 12 Jahren im Kosovo, als die Nato die serbischen Truppen bombardiert hat und dann einmarschiert ist in dem Land, da hieß es dann schnell: völkerrechtswidriger Angriffskrieg. Jetzt führen die Krieg, der Clinton, der Schröder, sogar der Joschka Fischer und seine deutschen Grünen. Hieß es damals und heißt es seither. Und wenn sie nicht Krieg geführt hätten, hätten die selben Leute mit pathetischem Tremolo in der Stimme gesagt: Und die Welt schaut zu! Also fragen wir einmal systematisch: Wie kann man einem Diktator in den Arm fallen, wenn der sich einmal dazu entschlossen hat, schnell noch ein apokalyptisches Inferno anzurichten? Welche Möglichkeiten haben dann die westlichen Demokratien? Und welche Möglichkeiten sollten genützt werden?

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vor 12 Jahren im Kosovo, als die Nato die serbischen Truppen bombardiert hat

Blödsinn! die NATO hat keine serbischen Truppen bombardiert, sondern serbische Zivilisten! einerseits hat die NATO z. B. 14 (!) serbische Panzer zerstört, andererseits aber 478 serbische Schulen - und das waren keine militärischen Einrichtungen.

Und "völkerrechtswidrig" war das Bombardement in Jugoslawien auch, da kein UN-Mandat dafür vorlag. Nicht nur völkerrechtswidrig, sondern ferner auch noch ein Verstoß gegen das deutsche Grundgesetz.

Rückblickend betrachtet, Herr Misik, würden Sie das gleiche heute noch einmal schreiben?

misik sollte endlich gehen

in den krieg ziehen libyen oder syrien oder iran...
zu befreien gibt's überall was oder wen
zusammen mit dem braven soldaten schwejk

Lieber Misik: die alte Einleitung war ...

eindeutig viel cooler, und wird schmerzlich vermisst ;)

find ich cool gemacht! ich kenn viele, auf die diese doppelte empörung grad zutrifft: die welt schaut zu einerseits/der westen mischt sich militärisch ein andererseits. mein persönlicher favourite allerdings: gaddafi ist das linke bollwerk gegen den islamismus und muss daher um jeden preis in amt und würden bleiben. da zreißts gleich ein paar anti-deutsche ;)

zum thema

http://www.youtube.com/watch?v=dgGCpX4W1GU

und wir schauen echt wieder nur zu...

Die Tolle hat gesprochen: Mal sehen, wie soll man denn diesen Beitrag verstehen, Die Am. drücken auf ein Knöpfchen und dann geht der Vernichtungskrieg von selbst los?

Sorry - das geht nur in Filmen. In echten Kriegen müssen Ziele vorher ausgekundschaftet und markiert werden. IdR wird das durch Einsatztrupps gemacht, die vor Ort sind und mittels Laser das Ziel anvisieren. Man kann das auch über Satelliten machen - kostet nebenbei ein kleines Vermögen. Aber das sollen sv. die Amis ausgeben. Denn wenn Verantwortung gefragt ist, stellen wir uns ja ganz hinten an. Wir diskutieren seit Monaten über eine defacto Abschaffung des BH und einer, der kein gutes Haar am BH lässt, ist ein Hr. Misik & Co Aber wenn internationale Verantwortung gefragt ist, dann sollen die anderen den Kopf hinhalten. Wir können ja nicht - wir sind ja soooo klein. Wenns brenzlig wird, schreit genau der Typ nach den Amis. Glänzend!

Sie glauben wohl selber nicht das beim Einsatz .

.. gegen Gaddaffi wehrpflichtige Soldaten im Einsatz sind.

also was jetzt, robert misik?

die bösen amis oder die guten amis?
was sollen sie tun oder nicht tun, was wir nicht bereit sind zu tun oder nicht zu tun?

misik wird erwachsen.

Ja da schau her!

Diese Woche unterschreibe ich jedes Wort des Herrn Misik. Sehr gute und vor allem an der Realität nicht scheiternde Analyse und Handlungsvorschläge.

So daneben von der Analyse. Der Gaddafi hält sich doch nur mehr mit Söldnern an der Macht. Alles andere ist ja schon übergelaufen.
Es reicht da den Militärflughafen einzuäschern. Das schaffen die Amerikaner mit den Cruise Missiles sogar auch, wenn sie vorher davor warnen und alle abhauen können. Wenn dann die Söldner mitkriegen, dass ihnen der Westen eine auf´s Kappel gibt, sind die ziemlich schnell weg, weil Söldner prinzipiell für das Geld kämpfen um davon was davon zu haben. Im Sarg haben sie dann nichts mehr davon.

unterschreibst das heute auch :-)

Ich finde das den besten Videocast Misiks. Er ist völlig klar, gut strukturiert, und kommt ohne Ideologie und Häme aus. Das Ergebnis sind konstruktive Fragen, deren Wesentlichkeit jeder anerkennen sollte. Besonders jene, die hier zynisch und verbohrt in die Tastatur greifen. Wie stehen wohl die Chancen, dass die üblichen Verdächtigen erkennen, dass sie die Gemeinten sind?

Okay: ein gutes Videocast: aber es könnte inhaltlich besser sein!

Die Struktur ist zwar klar angelegt, die Frage: die Welt schaut zu:wie eingreifen? wird gestellt und Misik zeigt die Konsequenzen auf, - wobei er z. B. unterschlägt, dass im Kosovokonflikt völlig unnötig Brücken bombadiert wurden, wo dann unschuldige Menschen umkamen- trotzdem bleibt Misik dem falschen militärischen Denken verhaftet.
Und damit entschuldigt er vorauseilend die kommenden Kollateralschäden.
Diese Kollateralschäden würden aber nicht eintreten, wenn man mittels eines Differenzdenkens für begrenzte Internationale Polizeieinsätze plädiert. Polizeieinsätze, die so wenig zivile Opfer als möglich produzieren. Aber so etwas denkt Misik nicht einmal an und das schmerzt, da Misik die geistige Kapazität hätte "Neues" anzudenken.

auf den Punkt gebracht!

ME waren alle bisherigen "Kriege", die die westlichen Staaten geführt haben, begrenzte Polizeieinsätze mit klaren Zielen. Jedoch verlaufen geplante Maßnahmen im großen Stil in der Praxis immer anders ab als auf dem Reißbrett. Und vieles ist a priori schwer einschätzbar. Der Terminus "Polizeieinsatz", der mir ja sympathisch ist, erweckt die Hoffnung, dass saubere chirurgische Eingriffe ohne Nebenwirkungen möglich sind. Diese Hoffnung ist trügerisch. Es geht letztlich um Krieg, das sollten wir uns nicht schönreden. Krieg ist immer schlimm und nur dort richtig, um noch Schlimmeres zu verhindern.

Welche westlichen Kriege waren begrenzte Polizeieinsätze mit klar definierten Zielen? Sie verwechseln hier Propaganda mit Taten. Wenn Sie z.B. Afghanistan meinen, so liegen Sie völlig falsch. In Afghanistan wäre ein begrenzter Polizeieinsatz so abgelaufen, dass man nur für drei Monate mit Spezialtruppen in Afghanistan aufgetaucht wäre. Die hätten klar den Auftrag gehabt, Al Quaida und die Taliban Regierung, die Al Qu. unterstützte, zu verhaften und dann diese Personen vor den Internationalen Gerichtshof zu stellen. Mehr nicht. Dieser Polizeiensatz hätte sicher nie zu 10 000 unschuldige Tote geführt und Folterungen (AI Berichte) hätte es auch nicht geben.
Hier hat die UNO versagt, die nach 9/11 den USA einen Blankorachescheck ausstellte:((

Es gibt genug Beispiele: Bosnien und Falkland waren solche begrenzten Aktionen. Und ich würde dem Namen "Polizei" nicht so naiv vertrauen. Schließlich sollen sich innerhalb dieser Organisationen auch Verfehlungen abspielen. Und das hätte dann halt internationales Ausmaß. Dinge ändern sich nicht, bloß weil man sie anders benennt. Siehe Frauenpolitik!

Ich versteh, was Sie wollen, aber Sie leisten sich dafür ein unnötiges terminologisches Brimborium.

Es geht nicht um ein sprachliches Brimborium: es geht um etwas " Neues"

Natürlich gibt es auch bei der Polizei Übergriffe: habe Übergriffe auch selbst erlebt, aber die sind einklagbar und viel seltener als beim Militär.
Die Polizisten sind auch nicht durch Sondergesetze - Militärgesetze - vor der Verfolgung geschützt.
In Bosnien hat zum Beispiel ein US Soldat eine Frau vergewaltigt und umgebracht, der kam dann vor das US-Militärgericht in Bayern bekam eine lächerliche Strafe. Unnötiges Massenmorden und Vergewaltigung würden aufhören, wenn die internationale Polizeieinsätze auch wie nationale Polizeieinsätze durchgeführt werden.
Daher ist der Paradigmenwechsel im außenpolitischen Gewaltdiskurs vom Militär zur Polizei überfällig.
Wenn man wirklich "Neues" will.

Was die langfristige und nachhaltige Wirkung Ihrer Vorschläge anbelangt, gebe ich Ihnen vorbehaltlos recht. Ich bin auch dafür, dass internationale Verbrechen in sachlich-zivilisierter Weise saniert werden.

Die Frage ist: Was soll kurzfristig geschehen? Und diese Frage hat Misik gestellt. Ich denke, dass Misik Ihnen auch bei Ihren längerfristigen Überlegungen folgen würde.

Die Denkfaulheit von Misik schmerzt:(

In der avancierten staatlichen Gewaltdiskussion ist man schon viel weiter, als das übliche KriegsBUM-BUM. Warum schlägt Misik die Kriegstrommel? Denkfaul? Mainstreamkompatibilität?
Die Polizeitrommel reicht! Welweit.
Historisch hat sich der außenpolitische Militäreinsatz vom Eroberungskrieg 1. 2. Weltkrieg, über Gebiets-, Machterhaltungskrieg:Vietnam zum Polizeieinsatz mit militärischen Mittel verschoben.
Leider werden notwendige Internationale Polizeinsätze, z.B. Afghanistan, noch mit Kriegsmanier organisiert. Ergebnis: Tausende unschuldige Tote, Folter und Vergewaltigungen.
Ein notwendiges Eingreifen in Lybien sollte nach Polizeimanier und nicht nach Kriegsmanier erfolgen.

Polizeimanier ein schönes wort

und dann steht da wer mit einer roten tafel und sagt stopp und alles steht. ach wie schon ist doch die welt.

herr klug wie geht das, polzeimanier?

eines noch. wenn man für eine intervention ist, welcher art auch immer, darf man nie vergessen, dass es "kolateralschäden" geben wird. die sind teil der entscheidung und mitzutragen. wenn man sich entschließt zu warten, können das ein paar tausend unschuldige opfer sein und bei einer intervention mehr oder auch weniger. niemand weis es in vorhinein und nachher sind ohnedies alle klüger.

Polizeimanier heisst eben nicht Kollateralschäden

bewußt einkalkulieren.
Ein Beispiel: Wenn es einen Banküberfall gibt, kommt niemand auf die Idee einen Bomber anzufordern, damit dieser dann mit einer Rakete die Bankräuber erledigt und die Geiseln eben Kollateralschäden sind.
Generell ist der Unterschied zwischen Polizei und Militär, dass die Polizeigewalt juristisch und zivilisitorisch viel stärker eingehegt ist als die militärische Gewalt. Das führt dazu, dass eben bei der Polizei die Erschiessung von Zivilisten und das Foltern und Vergewaltigen die Ausnahme ist.
Bei militärischen Einsätzen ist das Erschiessen von Zivilisten, Foltern und Vergewaltigen die Regel.
Daher gehört weltweit die Militärmanier durch die Polizeimanier ersetzt!

Wovon reden Sie eigentlich? Misik fordert doch nicht einmal den Einsatz von Bodentruppen.

Geiselnehmer in einer Bank haben Pistolen und eventuell Maschinengewehre. Üblicherweise werden dann die Leute mit Pistolen und Maschinengewehre von den Guten gerufen. Wenn der Gegner Raketen und Kampfflugzeuge hat, führt man logischerweise vergleichbares Gerät zu Felde und wartet vorher nicht bis sich alle Polizisten die Zähne ausgebissen haben.

Sie stellen sich eine Intervention vor, in der wir uns an die nobelsten "Rules of Engagement" halten müssen, während der Gegner tun kann was er will. So gewinnt man KEINEN Konflikt.

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