"Ausdruck des Volkswillens"

27. Februar 2011, 20:47
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"Der Spiegel"-Coverstory über Bild - und nicht etwa die "Krone": "In Ministerien und auch im Kanzleramt besteht die ausgeprägte Neigung, 'Bild'-Schlagzeilen ohne weitere Prüfung als gültigen Ausdruck des Volkswillens aufzufassen"

"In Ministerien und auch im Kanzleramt besteht die ausgeprägte Neigung, ,Bild'-Schlagzeilen ohne weitere Prüfung als gültigen Ausdruck des Volkswillens aufzufassen." "Der Spiegel"-Coverstory über Bild - und nicht etwa die Krone.

"Ausdruck des Volkswillens"
"Guttenbergs Anzeigenblatt": "Der Spiegel" widmet "Bild" eine Coverstory - die streckenweise stark an die "Krone" erinnert

"Brandstifter Bild" nennt der "Spiegel" seine Montag erscheinende Coverstory über das deutsche Boulevardformat des Springer Verlags, der immer wieder Interesse zeigt, sich auch an der "Krone" maßgeblich zu beteiligen. Was der "Spiegel" schreibt erinnert streckenweise stark an die "Krone".

Kostproben:

„Selten war die Kampfkraft der „Bild"-Zeitung so beansprucht wie in der vergangenen Woche, als Doktor Guttenberg zerschossen zu werden drohte. Den Titel hatte auch der Springer-Verlag nicht retten können, jetzt ging es nur noch um das politische Amt. Und da wartete neues Ungemach. Weil durch Guttenbergs Bundeswehrreform demnächst ein Mangel an Soldaten droht, hat das Verteidigungsministerium eine breite Werbekampagne in Auftrag gegeben - als Plattform dafür war der Springer-Verlag schnell zur Stelle. Nun ist die „Bild"-Zeitung nicht mehr nur die journalistische Leibgarde des Karl-Theodor zu Guttenberg, sondern sein Anzeigenblatt gleich noch dazu."

Die „Bild"-Zeitung, Springers Boulevardblatt, eilte in der vergangenen Woche täglich dem wankenden Verteidigungsminister zu Hilfe, in dieser Form beispiellos. Die Zeitung teilt sich die Rolle eines deutschen Leitmediums zu, tatsächlich übernimmt sie immer wieder die Rolle einer rechtspopulistischen Partei, die im deutschen Politikbetrieb fehlt." Bis auf den letzten Nebensatz durchaus auch "Krone"-kompatibel.

"Auf den Fluren des Reichstags, in den Ministerien und auch im Kanzleramt besteht die ausgeprägte Neigung, „Bild"-Schlagzeilen ohne weitere Prüfung als gültigen Ausdruck des Volkswillens aufzufassen. Politiker aller Parteien fürchten sich vor „Bild"-Enthüllungen über ihr Privatleben. Und, auch dies gehört zum Lagebild, nicht wenige Journalisten in der Hauptstadt betrachten die „Bild"-Zeitung als einen Steinbruch für Reizthemen, die sie durch eigene Artikel in der Folge nur noch weiter verstärken."

"Abseits der politischen Bühne sind fortlaufend Fälle anzuzeigen, die die ethischen Standards und die journalistische Qualität der „Bild" und ihrer Mitarbeiter in Frage stellen."

(DER STANDARD; Printausgabe, 28.2.2011, online ergänzt)

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