Russland 2020 sechstgrößter Automarkt der Welt

27. Februar 2011, 20:12
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Studie: Regierung forciert lokale Wertschöpfung

Wien/Moskau - Russland setzt zu einem Überholmanöver am Automarkt an. Durch gesetzliche Maßnahmen werden Autoproduzenten mit westlicher Technologie einerseits zu vermehrtem Einsatz lokal erzeugter Komponenten angehalten; andererseits wird die Inlandsnachfrage Schätzungen zufolge bis 2020 auf vier Mio. Fahrzeuge steigen. Nur China (29,1 Mio.), USA, Indien, Brasilien und Japan wären als Automärkte dann noch größer, geht aus einer Studie von Boston Consulting hervor.

"Russland ist ein typischer Markt für Autos der Golfklasse", sagte Nikolaus Lang, Partner der Boston Consulting Group und Experte für Globalisierungsthemen, dem STANDARD. "Auch Geländewagen sind im Kommen. Für Ultra-Mini-Cars hingegen gibt es in Russland keinen Markt. Luxuslimousinen sind etwas für Oligarchen und Top-Manager."

Starker Einbruch 2009

2009 ist der russische Automarkt im Gefolge der Finanz- und Wirtschaftskrise stärker als anderswo eingebrochen. Die Zahl der Neuzulassungen hat sich etwa halbiert. Schätzungen zufolge sollte das Vorkrisenniveau mit rund drei Millionen Fahrzeugen 2013 wieder erreicht sein - bei einem durchschnittlichen Wachstum von acht bis 14 Prozent in den nächsten fünf Jahren.

Erst im Dezember hat Russland neue Voraussetzungen für den zollfreien Import von Komponenten dekretiert. Demnach müssen mindestens 300.000 Fahrzeuge gebaut werden. In einem früheren Dekret war noch von 25.000 die Rede. Neu ist auch, dass nun 60 statt bisher 30 Prozent der verwendeten Komponenten in Russland selbst erzeugt oder von lokalen Partnern zugekauft werden müssen. "Russland will durch die neuen Regeln am lokalen Automarkt die Präsenz einiger weniger, dafür großer Player fördern", sagte Lang.

Während Autoproduzenten anderswo Rücksicht auf lokale Geschmäcker nehmen müssten, sei das in Russland nicht notwendig. "Dort will man die gleichen Autos, die in Westeuropa und in Japan unterwegs sind", sagte Lang. (stro, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.2.2011)

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    Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in Russland (Bild: St. Petersburg) hat sich 2009 etwa halbiert.

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