Zukunftsfonds-Generalsekretär Wotava tritt ab

27. Februar 2011, 17:41
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Aufarbeitung der eigenen NS-Geschichte hat "unserem Ansehen sehr geholfen"

Wien - 60 Berufsjahre sind genug: Heute, Montag, geht Richard Wotava zum letzten Mal als Generalsekretär des Zukunftsfonds in sein Büro in der Wiener Hofburg. Der 78-Jährige hat zehn Jahre lang Österreichs Aufarbeitung der NS-Vergangenheit begleitet: Ab dem Jahr 2000 im Versöhnungsfonds, der zur Entschädigung der früheren NS-Zwangsarbeiter etabliert worden war. Danach im Zukunftsfonds, der mit den Restgeldern des Versöhnungsfonds zeithistorische Projekte subventioniert.

Wotava: NS-Fonds keine Reaktion

Sein Resümee fällt positiv aus: "Das hat unserem Ansehen im Ausland schon sehr geholfen." Zwar sei die Aufarbeitung der eigenen NS-Geschichte "erst sehr spät in Angriff genommen worden", dafür habe die schwarz-blaue Regierung unter Wolfgang Schüssel im Jahr 2000 aber "machtvoll begonnen". Wotava ist überzeugt, dass diese Bemühungen keine Reaktion auf Druck von außen waren: "Das hört man oft. Aber es stimmt nicht. Die Vereinbarung mit dem damaligen Koalitionspartner FPÖ ist schon vor den Sanktionen gestanden."

Stolz ist der frühere Botschafter darauf, dass die für Zwangsarbeiter in der Ukraine, Polen, Russland, Tschechien, Ungarn und Weißrussland bestimmte Entschädigung von den rund 465 Millionen Euro des Fonds die Adressaten erreicht hat: "Es hat tadellos geklappt." Als "Akt des guten Willens" seien die Zahlungen "sehr gut angekommen. Aber das Wichtigste war: Es war das erste Mal, dass diese Leute als NS-Opfer anerkannt worden sind."

Nachfolger Herwig Hösele

Unter Wotavas Ägide hat der Zukunftsfonds insgesamt 500 Projekte mit rund zehn Millionen Euro unterstützt. Dass der Forschungsauftrag nicht nur den Nationalsozialismus umfasst, brachte dem Fonds immer wieder Kritik ein. "Man hat das auf Wunsch der VP-geführten Regierung von Projekten zum Thema Nationalsozialismus auf alle totalitären Regime ausgeweitet. Aber 70 Prozent unserer Arbeit sind NS- oder Holocaust-bezogen", sagt Wotava, dem nun Ex-Bundesratspräsident Herwig Hösele nachfolgt.

Befasst habe man sich auch mit österreichischen Opfern der Stalindiktatur. Nur zum austrofaschistischen Engelbert-Dollfuß-Regime hat es bisher keine Projektanträge gegeben. Das, obwohl Wotava kein inhaltliches Hindernis sieht, außer: "Wir unterstützen keine Projekte, die innenpolitisch umstritten sind." (Peter Mayr, STANDARD-Printausgabe, 28.2.2011)

 

Wotava: NS-Aufarbeitung begleitet.

Foto: Newald

 

  • Wotava: "70 Prozent unserer Arbeit sind NS- oder Holocaust-bezogen."
    foto: standard/newald

    Wotava: "70 Prozent unserer Arbeit sind NS- oder Holocaust-bezogen."

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