Ein Pfarrer und ein Mistkübel

27. Februar 2011, 17:28
69 Postings

Ein burgenlandkroatischer Pfarrer ist unter Verdacht geraten: Er habe Volksschulkinder schikaniert, gedemütigt und misshandelt - Eltern, Direktoren und Aufsichtsbehörde sahen lange zu

Wie immer in solchen Angelegenheiten, steht hier Wort gegen Wort. Das aber ist für Schreiberlinge der Worst Case, denn hier geht es journalistisch darum, weiträumig der Volksweisheit auszuweichen, wonach dort, wo Rauch sei, auch Feuer wäre. Oder anders, abgedroschener: Es gilt das rechtsstaatliche Nona der Unschuldsvermutung.

Der Pfarrer von Parndorf, dem kroatischen Pandrof, ist unlängst in diese Bredouille gekommen. Er habe, hört und liest man, einen Schüler der dritten Klasse in der Volksschule von Pama, der Osnovna Škola des nahen Bijelo Selo gezwungen, einen Hausschuh mit dem Mund aus dem Mistkübel zu holen.

Pfarrer Branko Kornfeind bestreit das vehement. Er habe solches bloß in den Raum gestellt, nachdem ein Hausschuh nach dem anderen in diesen Mistkübel geworfen wurde. Berührt habe er den Buben allerdings keinesfalls. Aber kaum stand der Vorwurf in den regionalen Medien, meldeten sich andere Eltern mit vergleichbaren „Entgleisungen".

Der Pfarrer sei manchmal "narrisch und laut geworden", zuweilen habe er einen Schüler "beim G'nack genommen und zwickt". Andere wiederum "gekitzelt", beziehungsweise, so hört man auch, "auf den Schoß genommen und gekitzelt".

Pfarrer Kornfeind ist mittlerweile in einer kommunikativ ziemlich aussichtslosen Position. Zwar gibt er zu, „manchmal laut zu werden", hat sich auch für den im Jänner begangenen „Vorwurf" des Patschen-aus-dem-Mistkübel-Holens entschuldigt, bestreitet allerdings jegliche Handgreiflichkeit. Die Polizei ermittelt mittlerweile, und das ist - will man mit Friedrich Torberg reden - für Pfarrer Branko grad noch ein Glück, weil es dabei um den "Vorfall" und nicht den "Vorwurf" geht.

"Erniedrigend und beleidigend"

Der für den Religionsunterricht völlig unzuständige Landesschulrat hat sich auch zu Wort gemeldet. Solche Maßnahmen seien "erniedrigend und beleidigend und haben in der Schule von heute nichts verloren", sagt Landesschulinspektor Erwin Deutsch, der Chef für die allgemeinbildenden Pflichtschulen.

Dass solch eine Meinung ein deutliches „Eh!" erheischt, ist auch dem zuständigen Inspektor, Stefan Bubich, klar. Weil es aber in diesem Fall nicht darum geht - sondern darum, ob das überhaupt stimmt -, flüchtet er sich in äußerst unkommunikative Floskeln: will dem Fall „nachgehen", mit "den Betroffenen sprechen", insgesamt "Handlungen setzen".

Eine "ältere Dame" erzählte der regionalen Kurier-Redaktion: „Wenn einem Kind Gewalt angetan wird, verstehe ich nicht, warum die Mutter nicht gleich handelt."

Vielleicht deshalb, weil die Beschwerde beim Direktor so endete, wie man sich das in Österreich halt so vorstellt: "Der Fall ist nicht weitergeleitet worden, weil wir das Limit gesetzt haben, dass ab jetzt nichts mehr vorfallen darf."

Pandrof ist, weil kroatisch, stets streng katholisch gewesen. Die pädagogischen Fähigkeiten des Pfarrers sind zuletzt allerdings etwas ins Gerede gekommen. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD; Printausgabe, 28.2.2011)

  • Pandrof ist, weil kroatisch, stets streng katholisch gewesen. Die pädagogischen Fähigkeiten des Pfarrers sind zuletzt allerdings etwas ins Gerede gekommen
    foto: standard/newald

    Pandrof ist, weil kroatisch, stets streng katholisch gewesen. Die pädagogischen Fähigkeiten des Pfarrers sind zuletzt allerdings etwas ins Gerede gekommen

Share if you care.