Deutsche Forschungsgemeinschaft: Kein Kavaliersdelikt
Berlin - Deutsche Spitzenwissenschaftler und der Deutsche Kulturrat
fürchten durch die Affäre um den deutschen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu
Guttenberg (CSU) negative Wirkungen auf Wissenschaft und Achtung des geistigen
Eigentums. Plagiate seien kein Kavaliersdelikt, mahnte die Deutsche
Forschungsgemeinschaft (DFG).
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, forderte
Merkel auf, "deutlich zu sagen, dass Raubkopieren auch weiterhin kein
Kavaliersdelikt ist, egal ob sie an ihrem raubkopierenden
Bundesverteidigungsminister festhält oder nicht". Zimmermann äußerte am Sonntag
in Berlin die Befürchtung, "dass durch ein schlechtes Vorbild illegales Kopieren
noch hoffähiger gemacht wird".
"Keine Kavaliersdelikt"
Der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner,
warnte davor, Plagiate in der Wissenschaft als Kavaliersdelikt zu verharmlosen.
Geistiges Eigentum in der Wissenschaft sei genauso wertvoll wie materielles
Eigentum, sagte Kleiner dem Berliner "Tagesspiegel" vom Samstag. Der frühere
DFG-Präsident Ernst-Ludwig Winnacker sagte dem "Spiegel", Guttenberg stehe
wissenschaftlich "für immer am Pranger".
Der Bayreuther Jura-Professor Oliver Lepsius, der den Lehrstuhl von
Guttenbergs inzwischen emeritierten Doktorvater übernommen hat, sagte der
"Süddeutschen Zeitung" vom Samstag: "Wir sind einem Betrüger aufgesessen".
Guttenbergs Aussage, er habe in seiner Doktorarbeit ohne Vorsatz falsch zitiert,
ließ der Jurist nicht gelten. "Der Minister leidet unter Realitätsverlust",
sagte Lepsius der "SZ". "Er kompiliert planmäßig und systematisch Plagiate, und
er behauptet, nicht zu wissen, was er tut. Hier liegt die politische Dimension
des Skandals."
Guttenberg wurde von der Universität Bayreuth sein Doktortitel in Jura
aberkannt, weil er im großen Umfang falsch zitiert hat. Der Minister bestreitet
eine vorsätzliche Täuschungsabsicht. Trotz der Vorwürfe sprach sich in mehreren
Umfragen für "Focus" und "BamS" eine Mehrheit der Befragten gegen einen
Rücktritt Guttenbergs von seinem Ministeramt aus. Forsa-Chef Güllner sagte dazu
im Deutschlandradio, Guttenberg habe ein so großes Sympathiepolster, dass es
erst langsam schmilzt. Inzwischen gebe es aber schon "deutliche
Sympathie-Dellen, und ich denke, dass dieses Sympathiepolster schon langsam,
aber eben erst langsam abschmelzen wird". (red/APA)