Killzone 3: Die erste Killer-App für PlayStation Move

27. Februar 2011, 15:35
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Guerilla Games Sci-Fi-Kriegsepos verführt mit gewaltiger Bildsprache und intuitiver Steuerung

Düster, tiefschwarz geradezu präsentierte sich Guerilla Games Weltraumschlacht bisher. Die gezeichnete Monotonie sollte die Trostlosigkeit eines Krieges materialisieren, der keine echten Sieger kannte. Bei "Killzone" war der Name Programm: Ein schwerfälliges, tiefernstes Gegenstück zum allseits populären, knallbunten "Halo"-Universum. Während der zweite Teil 2009 mit dem Debüt auf der PlayStation 3 insbesondere als Technikflaggschiff lanciert wurde, ist das Franchise mit "Killzone 3" 2011 auch zur spielerischen Ausgewogenheit herangewachsen. Die Entwickler haben merklich auf die Kritik der Spielerschaft gehört, ohne dabei den Wurzeln der Serie untreu zu werden.

Zwischen den Fronten

In den Schuhen des Elitesoldaten Sev der Interplanetary Strategic Alliance (ISA) findet man sich direkt im Anschluss an den Vorgänger etwas hilflos zwischen den Fronten eines gespaltenen Feindes wieder. Nach der Ermordung des Helghast-Imperators sind die Rotaugen in interne Machtkonflikte verstrickt. Die Oberschurken Jorhan Stahl und Admiral Orlock (erstklassig vertont durch Malcolm MacDowell bzw. Ray Winstone) sind sich aber immerhin über das gemeinsame Ziel im Klaren: Die verbliebenen ISA-Stellungen müssen von Planeten Helghan gelöscht werden. So fühlt man sich als Mitglied einer vom Nachschub abgeschnittenen Spezialeinheit zunächst einmal äußerst eingeschüchtert, als nach dem Vorbild historischer faschistischer Führer Stahl und Orlock zu tausenden eingeschworene Soldaten aufmarschieren lassen. In der Unschärfe zwischen den befreundeten und gegnerischen Schützengraben wird fortan ein Überlebenskampf als Massensterben inszeniert, der leider weniger durch literarische Geniestreiche, als durch eine eindrucksvolle Bildsprache geprägt ist.

Monotonie ade

Die Flucht aus der Todeszone stellt sich tatsächlich als einprägsame Erkundungsreise heraus. Von den in ferner Erinnerung schimmernden grau-braunen Slums des zweiten Kapitels ist wenig geblieben. Sev und Co. verschlägt es in arktische Gefilde, menschenfeindliche Dschungel und die Ruinen einer einstigen Metropole - zeitweise wird es sogar interstellar. Der unter anderem durch eine schwerfällige Steuerung markierte Realismus im Vorgänger wird zur Erleichterung aller Einsteiger nur noch optisch erzeugt. Filter, jede Menge Partikeleffekte, exakt schwirrendes Kampfgetöse sorgen bei peitschenden Schneestürmen und einstürzenden Gebäuden eine einzig- und eigenartige Dichte. Mit dem Jetpack umgeschnallt oder im Mech sitzend ereilt einen zur zwischenzeitlichen Motivationsbringung Übermenschlichkeit. Im Nahkampf bei kleinweise geschilderten Tötungsanimationen (etwa Augen eindrücken) wird man jedoch rasch wieder an die Endlichkeit alles Menschlichen erinnert. In den Missionen mit Kollegen Rico vielleicht weniger: Wie durch Zauberhand wird man hier nach jedem Abschuss wiederbelebt.

Highlight: PlayStation Move

Obgleich Killzone wie gehabt durch Darstellungskraft aufzutrumpfen versteht, überzeugt im dritten Teil insbesondere die stark verbesserte Navigation. So passte man die Gamepad-Auslegung den üblichen Genrereferenzen an, ohne dabei auf Eigenheiten wie das Deckungsspiel zu verzichten. Zudem eliminierte man die leichte Zielverzögerung, was den Frustpegel senkt. Bei aller Grafikpracht - bei entsprechendem Fernseher sogar in 3D - mag vielleicht das vermeintliche Highlight untergehen: "Killzone 3" ist zumindest für Hardcore-Zocker der erste triftige Grund, sich den Motion-Controller PlayStation Move näher anzusehen. Die Implementierung ist mühelos und so präzise ausgefallen, dass sie nach einer durchaus akzeptablen Eingewöhnungsphase auch PC-Verfechter vor die Konsole locken könnte. Als Pointer liegt der Controller gut in der Hand und benötigt im Sitzen nicht mehr Bewegungsaufwand als eine Computermaus. Es ist, als ob man einen etwas präziseren Wii-Shooter mit aktueller Grafik vor sich haben würde. Das mag nicht nach viel klingen. Allerdings ist gerade bei einem Egoshooter die technisch dargebotene Finesse für Freizeiteskapisten ein nicht zu vernachlässigender Punkt. Nach ein wenig Feinjustierung den persönlichen Vorlieben nach, fällt zumindest das Zielen und das Treffen deutlich leichter, als mit dem Analog-Stick. Die Fortbewegung in Form der Kombination aus Move-Controller und Navigationscontroller (oder PlayStation 3-Controller) benötigt hingegen gerade in stressigen Situationen etwas mehr Übung.

Teamfähig

Die Kampagne darf wahlweise zu zweit vor einem Bildschirm, allerdings nicht online gemeinsam bestritten werden. Für Internetschlachten steht ein umfangreicher Mehrspielermodus für bis zu 24 Spieler bereit. Aus dem Vorgänger bekannt, erweist sich auch zum dritten Auftakt der missionsgetriebene Spielmodus "Warzone" als abwechslungsreichste Option. Bei fünf Charakterklassen, jeder Menge freischaltbaren Ausrüstungen sowie acht zukunfttauglich dimensionierten Karten ist für reichlich Spielabende gesorgt. Zum Üben bietet sich abermals der Kampf gegen computergesteuerte Bots an.

Fazit

Insbesondere anfangs etwas zu hektisch erzählt, zieht Killzone 3 erst im zweiten Anspielen in seinen Bann. Technisch brillant verführen die Entwickler mit facettenreicheren und noch eindrucksvolleren Kulissen. Dabei sticht aber vor allem die diesmal gut ausbalancierte Steuerung ins Auge, die den dritten Teil zum bislang ausgewogensten Werk der Serie macht. Die erstklassige Move-Integration macht das Kriegsepos in der Masse der PS3- und Xbox 360-Shooter zum frischen Erlebnis und bietet all jenen, die mit Gamepads bislang so ihre Mühe hatten eine intuitive Alternative.

(Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 27.2.2011)

(Offizieller Trailer zu Killzone 3)

  • Killzone 3 (Guerilla Games/Sony) ist für PlayStation 3 erschienen
    foto: sony

    Killzone 3 (Guerilla Games/Sony) ist für PlayStation 3 erschienen

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