Die Nachsicht der pannonischen Wähler

27. Februar 2011, 18:55
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Trotz eingestandenen Wahlbetrugs bleibt Unterrabnitz fest in schwarzer Hand

Unterrabnitz - Beide Kandidaten haben eigentlich nicht damit gerechnet. Franz Haspel sowieso nicht. Ihm war klar, dass seine ÖVP etwas an Kredit verloren hat, nachdem Vorgänger Wilhelm Heißenberger zugegeben hatte, ein paar Wahlkarten (konkret 13) bei der Landtagswahl im Mai 2010 gefälscht zu haben.

Heißenberger, der Bürgermeister der mittelburgenländischen Gemeinde Unterrabnitz-Schwendgraben trat daraufhin Ende Oktober zurück. Am Sonntag wurde ein neuer Bürgermeister gewählt, und siehe: 60 Prozent der Unterrabnitz-Schwendgrabener vertrauen weiterhin der ÖVP (zuletzt 67,5 zu 32,5 für die SPÖ).

"Wahlbetrug hat offenbar nicht geschadet"

Mit den 347 Stimmen habe der VP-Kandidat Franz Haspel "nicht gerechnet, aber darauf gehofft". Sein roter Konkurrent, Johann Steinriegler, der seit Heißenbergers Rücktritt als Vizebürgermeister die Dorfgeschäfte führte, hatte "mit einem besseren Ergebnis" gerechnet, nicht gedacht, "dass ich so weit von der Mehrheit entfernt bin". 232 Wähler oder 40,1 Prozent votierten für die SPÖ. Steinrieglers eher resignatives Resümee: "Das Geständnis des Wahlbetrugs hat offenbar nicht geschadet."

Die betrugsbedingte Nachwahl im Mittelburgenland betraf nur die Position des Bürgermeisters. Der Gemeinderat (61 Prozent ÖVP zu 39 SPÖ) bleibt genauso gleich wie die Ergebnisse der Landtagswahl.

Bedeutung für Landtagswahl

Vorderhand: Denn die Korruptionsstaatsanwaltschaft, erklärte deren Sprecherin Eva Habicher, ermittelt einschlägig auch in den Gemeinden Deutschkreutz und Wiesen. Würde sich dort Ähnliches bestätigen, wäre eine Wiederholung der Landtagswahl dann wohl unumgänglich.

Daran mag der neue Bürgermeister von Unterrabnitz-Schwendgraben natürlich noch nicht denken. Jetzt geht's um den Augenblick, den er "mit Landesparteichef Franz Steindl und Minister Niki Berlakovich" feiern werde. (wei, STANDARD-Printausgabe, 28.2.2011)

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    In Unterrabnitz manipulierte der Bürgermeister die Wahl. Würde sich in Deutschkreutz und Wiesen Ähnliches bestätigen, wäre eine Wiederholung der Landtagswahl wohl unumgänglich.

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