Polizei verhindert Proteste in China

27. Februar 2011, 10:58
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Größte Polizeiaktion seit Olympischen Spielen 2008 in Peking - Mehrere ausländische Korrespondenten festgenommen

Peking - Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften hat am Sonntag in China versucht, Proteste nach arabischem Vorbild zu verhindern. Es war die größte Polizeiaktion seit den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Zehntausende Polizisten waren in der Hauptstadt und zwei Dutzend anderen Städten mobilisiert. In Peking wurden mehrere ausländische Korrespondenten festgenommen.

Unter ihnen waren auch ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa sowie die Korrespondenten von ARD und ZDF mit ihren Kamerateams. Der dpa-Journalist wurde nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß gesetzt, musste aber das Gebiet um die Haupteinkaufsstraße Wangfujing verlassen, wo zu Protestaktionen aufgerufen worden war. Die Polizei argumentierte, ohne Erlaubnis dürfe er dort nicht berichten.

Andere Korrespondenten wurden zum Teil stundenlang festgehalten. Ihnen wurde vorgeworfen, mit ihren Dreharbeiten "gegen Vorschriften zu verstoßen". Auch hier hieß es, ohne Erlaubnis dürfe niemand zur Berichterstattung in die beliebte Einkaufsmeile.

Die ARD-Korrespondentin Christine Adelhardt wurde mit ihrem Team "ziemlich ruppig" durch 15 bis 20 Sicherheitsleute in ein Gebäude abgedrängt. Dann seien sie mit einem Polizeiwagen zum Verhör gefahren worden. Ihnen wurde vorgeworfen, gegen Vorschriften verstoßen zu haben, die Aufnahmen in dem Gebiet verbieten.

Ähnlich wurde das ZDF-Team von einer Gruppe von mehr als zehn Sicherheitskräften in Uniform und Zivil festgesetzt, während Korrespondent Johannes Hano auf der anderen Straßenseite am Südeingang der Wangfujing-Straße drehte. Zuvor hatte ihnen ein Polizist noch die Dreharbeiten an der Stelle erlaubt. Die Polizei forderte Hano auf, das Filmmaterial zu löschen, was Hano ablehnte.

In der Straße patrouillierten Hunderte Polizeikräfte in Uniform und Zivil. Etwa um Zeitpunkt der geplanten "Jasmin-Proteste" fuhren vier Reinigungsfahrzeuge vor. Die üblichen Menschenmassen in der Einkaufsstraße wurden zum Teil rabiat zur Seite geschoben, wie Augenzeugen berichteten. Große Teile der breiten Einkaufsstraße wurden zeitweise abgeriegelt. In einem Internetappell war zuvor für diesen Sonntag in der beliebten Pekinger Einkaufsmeile sowie in zahlreichen anderen Städten zu Protestaktionen oder auch nur zu "Spaziergängen" aufgerufen worden. (APA)

 

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