Kein ganz normaler Kommilitone

27. Februar 2011, 00:16
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Gaddafis jüngster Spross studiert in Spanien

Der 28-jährige arabische Student an der Madrider IE Business School mit dem Namen Khamis Muammer war für seine Kommilitonen ein ganz normaler Zeitgenosse. Er hatte reichlich Freunde, war umgänglich, ruhig, arbeitete ordentlich mit, surfte viel im Internet. Vielleicht war er ein bisschen zu viel Frauenheld. Und vielleicht protzte er im Sommer vor seinen spanischen Freunden etwas zu gerne mit einer großen Yacht in Mallorca. Doch selbst das fand an der Wirtschaftsschule niemand weiter verwunderlich. Die IE Business School ist schließlich eine der teuersten und prestigereichsten Privathochschulen für Wirtschaftswissenschaften in Spanien. Die Söhne und Töchter reicher Väter geben sich hier die Klinke in die Hand, um einen Mastertitel zu erwerben.

Plötzlich, letzte Woche, platzte die Nachricht wie eine Bombe in der heile, reiche Studentenwelt. Die spanische Presse berichtete, wer Kommilitone Khamis wirklich war. Der Name Muammer, mit dem sich der junge Mann 2010 einschrieb, ist nur der Nachname seiner Mutter. Er nutzte ihn, um nicht aufzufallen. In Wirklichkeit heißt er Khamis Al Gaddafi und ist alles andere als ein liebenswerter Zeitgenosse.

Der jüngste von acht Söhnen und Töchtern des libyschen Tyrannen, der 2007 die Militärhochschule in Moskau abschloss, ist wie Papa Oberst und als solcher Befehlshaber der 32. Brigade, der gefürchtetsten Spezialeinheit der Armee des nordafrikanischen Landes. Die spanische Regierung, die in den letzten Jahren ihren Waffenexport nach Libyen von 50.000 Euro 2007 auf sieben Millionen im ersten Halbjahr 2010 steigerte, war - so die Leitung der IE Business School - über die tatsächliche Identität des jungen Mannes unterrichtet.

"Eigentlich macht er derzeit ein Praktikum in den USA", erklärt die Leitung der IE Business School. Doch seit dem Ausbruch der Proteste in Libyen habe man kein Lebenszeichen mehr von dem Studenten, der mit der Empfehlung zweier internationalen Banken unter dem Arm aufgenommen wurde. Kein Wunder, denn Khamis Al-Gaddafi befindet sich in Libyen. Er war im dortigen Staatsfernsehen zu sehen, wie er seinen Vater nach dessen Drohrede vergangene Woche umarmte.

Der 28-Jährige ist nach Hause geeilt, um mit seiner 32. Brigade, die von der Bevölkerung nur "Khamis Brigade" genannt wird, die Aufstände gegen Papas Regime niederzuschlagen. Die Spezialeinheit, der sich auch Söldner angeschlossen haben sollen, zeichnen - so Quellen aus Libyen - für die Repression in Benghazi und in Misrata verantwortlich. Außerdem soll Khamis Al Gaddafi höchstpersönlich an der Ermordung eines Stammesführers beteiligt gewesen sein. Dieser hatte sich den Protesten angeschlossen und bezahlte dafür zusammen mit zwei Söhnen und zehn Gefolgsleuten mit dem Leben.

Nächste Woche steht eine Konferenz in Südafrika auf dem Studienplan in der IE Business School in Madrid. Wenn Khamis Muammer auch dort nicht auftaucht und "sich die Vorwürfe gegen ihn bestätigen", werde er vom Studium ausgeschlossen, verkündet die Schule. So wie sich die Lage in Libyen entwickelt, dürfte der freundliche Master-Student vom Pult nebenan, künftig jedoch ganz andere Sorgen haben.

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