Mission Impossible für den Wahlsieger

27. Februar 2011, 18:28
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Kopf des Tages

Vom Volksschullehrer zum Premier, eine Traumkarriere? Das weiß der 59-jährige Enda Kenny, Wahlsieger in Irland und Chef der konservativen Fine Gael, wohl selbst nicht noch nicht so genau. Zu groß könnte die Hypothek sein, die sein Vorgänger Brian Cowen hinterlassen hat.

Als bisheriger "Taoiseach" hatte Cowen wegen der Bankenkrise einem milliardenschweren Rettungspaket der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) zustimmen müssen - das wurde von den Wählern als nationale Schmach empfunden, und Cowen wurde beinhart abgestraft.

In Kenny liegt nun die Hoffnung, das Selbstwertgefühl der Iren wiederherzustellen, doch gerade diese Mission dürfte sich als unmöglich erweisen.

Der 1951 in Castlebar im Westen Irlands geborene Kenny gilt als Urgestein des irischen Parlaments, daher auch sein Spitzname "Daddy of the Dail" (Unterhaus). Bereits seit 1975 ist er Abgeordneter, als er mit nur 24 Jahren seinen im Amt verstorbenen Vater beerbte. Jahrelang fristete er ein Hinterbänkler-Dasein, erst 1994 brachte er es drei Jahre lang zum Minister für Handel und Tourismus.

Kennys Einfluss wuchs stetig, und 2002 übernahm er von Michael Noonan die Führung der konservativen Fine Gael.

Der Erfolg stellte sich schon bald ein: 2004 konnte die Partei bei den EU-Wahlen die traditionell stärkere Fianna Fáil überholen, doch galt allgemein die Partei selbst als Asset, nicht aber ihr Vorsitzender, dem man Blässe, zu wenig Sinn fürs Detail und einen allzu hölzernen Stil im Umgang mit Menschen vorwarf.

Einige sehen hinter seinem, wenn auch verspäteten Aufstieg das politische Gespür seiner Frau Fionnuala, mit der er drei Kinder hat. Ohne seine Frau würde er seinen "lausigen Job" nicht durchstehen können, sagte er kürzlich in einem Interview.

Trotz Parteibedenken stellte er sich im vergangenen Wahlkampf doch einer TV-Konfrontation und verblüffte mit Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen. Diese Eigenschaften wird er auch aktivieren müssen, um mit EU und IWF über die Rückzahlung der Milliardenkredite zu sprechen.

Der Bruce-Springsteen-Fan wird gut daran tun, sich dessen Song No Surrender zum Motto zu machen. Realpolitisch mag Kenny wenig Spielraum haben, doch mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit könnte er Irland wieder auf die Erfolgsspur bringen - schlechter als jetzt kann es kaum werden. (Gianluca Wallisch, STANDARD-Printausgabe, 28.02.2011)

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    Enda Kenny mit Ehefrau Fionnuala

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