Sicherheitskräfte verhinderten erneut Demonstration

26. Februar 2011, 15:58

Polizeikräfte gingen hart gegen Oppositionelle vor

In der algerischen Hauptstadt Algier haben Sicherheitskräfte am Samstag erneut Proteste von Regierungsgegnern verhindert. Wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete, wurden die Demonstranten nicht zum Märtyrer-Platz durchgelassen, auf dem sie sich zu einer Kundgebung versammeln wollten. Hunderte Polizisten versperrten die Zugänge zum Platz und drängten die Demonstranten ab. Als rund 20 Anhänger von Präsident Abdelaziz Bouteflika auftauchten, stellte sich die Polizei zwischen die gegnerischen Gruppen.

Die oppositionellen Demonstranten wurden von Said Sadi angeführt, dem Vorsitzenden der "Sammlungsbewegung für Kultur und Demokratie" (RCD). Sadi konnte den Polizisten zunächst zweimal entkommen, indem er auf ein Polizeifahrzeug kletterte, wurde von den Beamten aber mit Waffengewalt heruntergeholt. Der RCD-Abgeordnete Mohamed Khendek sagte der Nachrichtenagentur AFP, er sei von Polizisten mit dem Stock auf den Bauch geschlagen worden. Er habe sich den Beamten widersetzt, als diese Sadi angriffen. Er sei bewusstlos ins Krankenhaus gebracht worden, aber nicht verletzt. Sadi und seine Anhänger kündigten an, jeden Samstag auf die Straße gehen zu wollen.

Demonstrationen verboten

Die algerischen Sicherheitskräfte haben in den vergangenen Wochen bereits zweimal Oppositionskundgebungen unterbunden. Demonstrationen sind in dem nordafrikanischen Land verboten, auch nach der Aufhebung des 19 Jahre geltenden Ausnahmezustands am vergangenen Donnerstag. Die Regierung hatte zudem Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft, zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zum Wohnungsbau angekündigt. Der RCD-Abgeordnete Tahar Besbas sagte, über Nordafrika und dem Nahen Osten wehe der "Wind des Wandels". Algerien dürfe bei diesen Entwicklungen nicht abseitsstehen.

Um einen Erdrutschsieg der Islamischen Heilsfront (FIS) bei den ersten pluralistischen Wahlen in Algerien Ende 1991 zu verhindern, hatte das Militär den Urnengang abgebrochen, den Ausnahmezustand verhängt und die islamistische Partei verboten. Dies führte zu einem mehrjährigen Bürgerkrieg mit schätzungsweise 200.000 Toten. Seit 1999 amtiert Präsident Bouteflika als ziviles Aushängeschild der Armee. Der am 9. Februar 1992 verhängte Ausnahmezustand war erst am Donnerstag offiziell für beendet worden. (APA)

Eigentlich unglaublich.

Fast 20 Jahre Ausnahmezustand, und kein Schw**n im ach so demokratischen Europa sagt irgendwas?!

gutmenschen sind fuer demokratie, aber denen muss man immer alles sagen, bevor sie ihre meinung verkuenden.
ich bin kein gutmensch. wenn im islamischen bereich volksherrschaft herrscht, wird halt genau das draus, warum ich islamophob bin.

Man hat auch nichts zu 30 Jahren Ausnahmezustand in Ägypten was gesagt.

Das sind "unsere" Diktaturen.
Und wenn die Wahlergebnisse anders ausgehen (Gaza) und sich keine Militärjunta installieren lässt, werden die Leute einfach ausgehungert.

Das ist die "freie Welt".

Der Umgang mit Sicherheitskräften ist lernbar.

zB auf der AktionsAkademie im Juni 2011.

Global 2000 und Greenpeace Aktivisten werden auch dieses Jahr wieder ein Seminar über gewaltfreien Widerstand veranstalten.

Infos: http://tinyurl.com/AktionsAk... Ungehorsam

mit den besten Grüßen von %attac!

p.s.: entschuldigung für die apropos Verbindung zum Artikel.

Habt Freude an euren Grundrechten!

Bouteflika

wird der nächste sein

Wäre an der Zeit.

Der Unterschied von Gaddafi zu Mubarak und Bouteflika:
Gaddafi glaubt wirklich, er wäre Revolutionsführer (was er vielleicht mal in den 60ern, 70ern) war und ist zu dämlich zu erkennen, dass er ein Anachronismus geworden ist.
Mubarak und Bouteflika wissen, dass sie nur Marionetten im Dienst ausländischer Mächte sind.

stimmt

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.