Norwegens Liebling holt in Doppelverfolgung zweites Gold - Konkurrentin Kowalczyk kritisiert erlaubten Asthmaspray - Zuschauer-Ansturm auf den Holmenkollen überfordert Verkehrsbetriebe
Oslo - Marit Björgen dominiert, wie von den norwegischen Fans erhofft, bei der WM in Oslo den Langlauf der Frauen. Am Samstag gewann die 30-Jährige auch im zweiten Bewerb der 48. Titelkämpfe der Nordischen Goldmedaille. Sie setzte sich in der Doppelverfolgung nach 7,5 km im klassischen Stil und 7,5 km Skating genau 7,5 Sekunden vor ihrer polnischen Rivalin Justyna Kowalczyk und 8,8 Sekunden vor ihrer Landsfrau Therese Johaug durch. Am Donnerstag hatte Björgen bereits den Sprintbewerb für sich entschieden
Die Athletin aus Trondheim hatte sich in diesem Winter voll auf die WM in der Heimat konzentriert. Sie ließ die Tour de Ski aus, in der Kowalczyk triumphierte. Doch in Oslo lief Björgen der Titelverteidigerin und Doppel-Weltmeisterin von Liberec 2009 den Rang ab. Das Duo lieferte sich von Beginn an ein Duell, Björgen setzte sich schließlich in einer der letzten Steigungen entscheidend ab. Die dreifache Olympiasiegerin hält nun bei sechs WM-Titeln, vier davon in Einzelrennen.
Am Montag soll ihre dritte
Goldmedaille folgen. Björgen hat das 10-km-Rennen in der
klassischen Technik schon im Vorfeld als ihr wichtigstes bei diesen
Titelkämpfen bezeichnet. Weil die Norwegerin wegen Asthma einen Spray mit
einer eigentlich verbotenen Substanz verwenden darf, hat ihre Rivalin
Justyna Kowalczyk erneut Kritik geäußert.
"Ich fühle mich gesund, aber ich
verliere gegen eine Kranke", hatte die Polin bereits bei Olympia in Vancouver erklärt. In Oslo wurde sie von schwedischen Zeitungen folgendermaßen
zitiert: "Ohne Symbicort wäre Björgen nie und nimmer die beste
Langläuferin der Welt. Das behaupte nicht ich, sondern das sagt Marit
Björgen. Ich bereite mich auf der Loipe vor, nicht in der Apotheke."
Die Österreicherin Katerina
Smutna absolviert am Montag wie Björgen ihren
wichtigsten Einsatz auf dem Holmenkollen. Wenn auch mit anderer
Zielsetzung. "Mein Ziel ist ein Platz in den ersten 15", sagte die Tirolerin. Die
Strecke, die sie im Training in Obertilliach simuliert hat, komme ihr
entgegen, versicherte Smutna. "Die Anstiege sind nicht zu steil, man
kann gut im Diagonalschritt laufen und wenn die Loipe kompakt ist,
passt mir das sehr gut."
"Verschätzt"
Inzwischen übertrifft der Zuschaueransturm zu den Bewerben alle (ohnehin hoch angesetzten) Erwartungen. Am späten Samstagvormittag
warteten mehrere tausend Schaulustige in der Innenstadt auf ihren
Transport mit der U-Bahn zum Holmenkollen, wo das Skispringen der
Kombinierer bereits begonnen hatte. Im Rundfunksender NRK äußerten
sich zahlreiche der Wartenden empört: "Peinlich für uns Norweger!"
"Wir haben uns mit dem beispiellosen Publikumsinteresse
verschätzt", entschuldigte sich ein Sprecher des Bahnbetreibers
gegenüber der Nachrichtenagentur NTB. Für die folgenden Tage wolle
man sehr viel früher mit dem Transport zu den Anlagen beginnen. Die
WM-Organisatoren erwarten mehr als 300.000 Zuschauer zu den
Wettbewerben auf dem Holmenkollen.
Ergebnis Doppel-Verfolgung der Damen (2 x 7,5 km):
~1. Marit Björgen (NOR) 38:08,6 Minuten - 2. Justyna Kowalczyk
(POL)
+ 7,5 Sekunden - 3. Therese Johaug (NOR) 8,8 - 4. Charlotte Kalla
(SWE) 53,9 - 5. Marianna Longa (ITA) 1:08,4 - 6. Maria Rydqvist (SWE)
1:08,8 - 7. Nicole Fessel (GER) gleiche Zeit - 8. Aino-Kaisa Saarinen
(FIN) 1:11,3 - 9. Kristin Störmer Steira (NOR) 1:16,0 - 10. Anna Haag
(SWE) 1:38,2. Keine Österreicherin am Start.