Luxusbienen im Karpfenteich

    26. Februar 2011, 11:04
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    Mailands Modedesigner setzen auf Pelz und Nobelstoffe

    Ein neuer Minimalismus, klarlinig und großzügig, beherrscht die Mailänder Designerschauen für Herbst/Winter 2011/12, die heute Halbzeit feiern. Doch weit gefehlt, wer an karge Formen und trostlose Farben denkt. Im Gegenteil: Luxus heißt die Devise. Man setzt auf kuschelweiche Nobelstoffe und edle Pelze. Für sie lässt sich Alberta Ferretti von Pierre Cardin und den Sechzigerjahren inspirieren, wenn sie smaragdgrüne Trapezmäntel über Stiefelhosen zieht und Tuniken in leuchtendem Orange zu gleichfarbenen Hosen kombiniert.

    Auch Miuccia Prada kommt nicht ganz ohne Anleihen bei vergangenen Jahrzehnten aus. Von den Zwanzigerjahren lässt sie sich für gerade Hängerkleider inspirieren, mit breitem Kontrastgürtel auf der Hüfte zum kniefreien Faltenrock. Mutig koloriert sie schottische Karostoffe in Türkis und besetzt winterweiße Mantelkleider mit Flokatipelzen. Konsequent begleiten halbhohe Stiefelschäfte, am schönsten in Python, ihre Mode. Neu ist deren klobig-dicker Komma-Absatz. Und am Abend erinnern große, schimmernde Paillettenschuppen auf Cocktailkleidern an japanische Koi-Karpfen. Die Décolletés werden von riesigen Fuchskrägen beschützt. Eng am Kopf anliegende Kappen mit Kinngurt lassen an Brigitte Helm denken in Fritz Langs Metropolis-Film.

    Geht's noch üppiger, reicher? Sicher doch, das geht. Nicht umsonst feiert Gucci sein 90-jähriges Firmenjubiläum. Frida Giannini besinnt sich auf Yves Saint Laurents große Zeit in den Siebzigerjahren. Also begleiten Stiefel knielange Hosenröcke zu taillenkurzen Pelzjacken in Malachitgrün und Purpur. Hüftlange Männerjacketts über weiten Marlenehosen werden auf Taille gegürtet. Dazwischen paradieren Yves Schluppenkleider in Hochrot. Farbige Borsalino-Hüte stehen zu lackrot glänzenden Lippen im Kontrast. Krise? Hat jemand etwas von Krise gesagt? Nicht doch. La vie en rose.

    Schuppenkleider unterm Fuchspelz: So sieht Prada die kommende Herbstmode. (Peter Bäldle aus Mailand; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27.2.2011)

     

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