Nicht lustig

25. Februar 2011, 18:39
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Er bahnte sich mit einem Stöckchen seinen Weg, knurrend, vielleicht weil er die Axt daheim vergessen hatte

Wer auf die Frage "Kennen Sie Ibsen?" mit Maxi Böhm "nein, nur Schnapsen" antwortet, der begibt sich in Oslo natürlich wie die Legion Möwen am gleichnamigen Fjord auf dünnes Eis. Vielleicht riskiert er sogar einen Satz Ohren in jener Farbe, wie sie dieser Tage wegen des strengen Frosts die Lauscher der königlichen Garde schmückt.

Deren Damen und Herren haben unermüdlich geübt für die gestrige WM-Eröffnung vor Augen der Königsfamilie. Allesamt befiederte Melonen auf den kahlgeschorenen Köpfen, die nicht einmal bis zu den Schläfen reichen. Man wagte aber nicht, den Ausbildner zu fragen, ob Pudelhauben tatsächlich der militärischen Exaktheit beim Exerzieren Abbruch täten. Der Hüne, das Ebenbild eines Wikingers, hätte er einen behörnten Helm statt des flotten Schiffchens auf dem ebenfalls geschorenen Haupt getragen, wirkte zum Spaßen nicht aufgelegt. Er bahnte sich mit einem Stöckchen seinen Weg, knurrend, vielleicht weil er die Axt daheim vergessen hatte. Auf der Suche nach Heiterkeit bleibt der Blick dann an einer mit "Ledige Appartements" beschrifteten Tafel hängen. Doch da schmunzelt auch keiner, heißt es doch nur, dass Büros frei wären.

Da bleibt dann nur noch der ultimative Eisbrecher, das Ausrutschen auf Oslos gefrorenen Straßen. Gibt es Bezwingenderes, als die Schwerkraft einfach walten zu lassen, nachdem man sich sehr lange, unter komischsten Verrenkungen dagegen gewehrt hat? Und was passiert nach dem krachenden Fall? Nicht einer lacht, sie eilen nur herbei, besorgt, bestürzt gar. Und sie helfen einem auf, erkundigen sich nach dem werten Befinden. Und erst dann, endlich, lächeln sie. Lustig, nicht? (Sigi Lützow - DER STANDARD PRINTAUSGABE 24.2. 2011)

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