Die Rechte des Fahrgasts im Wiener Taxi

25. Februar 2011, 18:20
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Eine afroamerikanische Opernsängerin wurde von einem "echten Wiener Taxifahrer" aus dem Wagen geschmissen

Schon vor Jahren fiel bei New-York-Besuchen auf, dass die "yellow cabs" an der Wand, die den Fahrer vom Kunden trennt, eine Tafel hatten, auf der die "Rechte des Fahrgasts" aufgelistet sind. Wie z. B. das Recht auf "einen sicheren und höflichen Fahrer, der sich an die Verkehrsregeln hält"; einen "lärmfreien Trip - kein Hupen oder Radio"; ein "sauberes Taxi - innen und außen - und Trennwand"; einen "Fahrer, der beim Fahren nicht telefoniert" usw. Und praktischerweise: "Eine 24-hour Consumer Hotline: 311". Jedenfalls ist das Taxifahren in New York seither deutlich angenehmer geworden.

In Wien wäre eine solche Tafel mit den Rechten des Fahrgasts auch recht hilfreich, ergänzt vielleicht durch die Bemerkung: "Rassistisches Verhalten gegenüber Fahrgästen bzw. deren Belästigung durch ausländerfeindliches und sonstiges Politisieren ist ebenfalls zu unterlassen".

Der entsprechende Anlassfall - eine afroamerikanische Opernsängerin wurde von einem "echten Wiener Taxifahrer" mit den angeblichen Worten "Get out of my car, I don't drive black women" aus dem Wagen geschmissen, geht derzeit durch die Medien. Vorläufig gilt noch die Unschuldsvermutung, weil der Fahrer noch nicht ausfindig gemacht wurde (was keine Kunst wäre, da der Vorfall einiges Aufsehen am Standplatz gegenüber der Oper erregt hat).

Fest steht bereits - und das ist der Punkt -, dass die Taxi-Innung und auch die Stadt Wien vollkommen inadäquat reagiert haben. Die Stadt Wien, indem sie bisher kein magistratliches Ohrwaschel rührte, obwohl ihr der Ruf der Stadt doch sonst so viel wert ist. Allerdings unterstützt Wien ja von jeher den Kartell-Zustand, dass die Tarife gleich (hoch) sind, egal ob man eine zugemüllte Rostschüssel oder ein Qualitätsfahrzeug bekommt; und dass ahnungslose Fremde am Flughafen Schwechat abgezockt werden, wenn sie ein NÖ-Taxi nehmen.

Die Reaktion der Taxi-Innung ist der eigentliche Skandal. Deren Sprecher Andreas Curda glaubt nicht, dass ein Taxler so gut Englisch spricht. Das hat die Qualität von: "Austria is a too small country to make good doping." Diese achselzuckende Haltung der gesetzlichen Vertretung einer wichtigen Dienstleistungsbranche ist auch schon anderen Taxikunden aufgefallen, die sich über unliebsame Vorfälle wundern mussten (etwa wenn ein Taxler einer Gruppe von drei Personen empfiehlt: "Fahren S' halt mit der Straßenbahn!", weil er den angesteckten Laptop nicht von seinem Beifahrersitz räumen will). Übrigens, für künftige Fälle: Kontakt zur Innung.

In einer Stadt wie Wien sollte es selbstverständlich sein, dass ein wichtiges Dienstleistungsgewerbe einen gewissen Qualitätstandard hat (hat es nur zum Teil). Aber noch wichtiger ist, dass die Kontrollinstanzen, und das sind eben die Stadt Wien und die Wirtschaftskammer/Innung, Rassismus erstens präventiv bekämpfen und zweitens im Anlassfall nicht herumbagatellisieren. Der Rassismus auf den Straßen Wiens ist nicht auf manche Taxler beschränkt, er ist eine Realität, die dort, wo es möglich ist, mit Sanktionen geahndet werden muss. (rau/DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.2.2011)

hans.rauscher@derStandard.at

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