"Eine unschöne Geschichte"

25. Februar 2011, 18:02
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Andreas Gebauer im Visier der Justiz - Nachwehen durch deutsche Subventionen

Wien - Für Andreas Gebauer wird es brenzlig. Die Pleite des Traditionsbetriebs Kneissl hat für ihn ein gerichtliches Nachspiel. Das Tiroler Landeskriminalamt wurde von der Staatsanwaltschaft mit Ermittlungen gegen den Chef der Skifirma beauftragt. Die Justiz wird von sich aus aktiv: Es besteht der Verdacht der fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen.

Parallel zu den Erhebungen von Amtswegen geben sich auch Gläubiger nicht mit dem Konkursverfahren zufrieden, von dem sie sich nichts versprechen, da der Betrieb des Scheichs Al Jaber als gänzlich ausgezehrt gilt. Der frühere Miteigentümer Fritz Unterberger bereitet dem Vernehmen nach eine Anzeige gegen Gebauer vor und will vor der Staatsanwaltschaft eidesstattlich gegen ihn aussagen. Verdacht auf Konkursverschleppung hegt FC Wacker Innsbruck: Anwälte planen, geht aus Briefen hervor, eine Sachverhaltsdarstellung. Dieselbe hat auch Thomas Lang, Investor der Modefirma Strasser, in Arbeit, wie er bestätigt. Er vermutet, dass Gebauer Lieferanten systematisch geschädigt habe.

In schlechter Erinnerung ist der frühere Inhaber der Tiroler Loden, die zweimal in Flammen aufging, auch in Deutschland. Vor kurzem soll er rund um einst getätigte Investitionen in eine Textilfabrik in Forst vor Gericht den Kürzeren gezogen haben, erfuhr der STANDARD.

Gebauer übernahm in den 90er- Jahren in Sachsen als Sanierer die Textilfirma TZG, die wenig später pleite ging. Zuvor erhielt er staatliche Subventionen, für die er persönlich haftete, aber widmungsfremd verwendet haben soll. Der Freistaat Sachsen meldete 50 Millionen Euro beim Masseverwalter an. Ein jahrelanger Prozess folgte, der 2010 gegen Gebauer ausgegangen sein soll. Von Rückzahlungen in Millionenhöhe ist die Rede. Jahre zuvor verlor er in dieser Causa vor Gericht schon einmal, bestätigt der mit dem Fall betraute deutsche Anwalt Hans-Jörg Derra. Gebauer hatte seine Beraterfirma Colana mit einem Markenrechtsgutachten für TZG beauftragt, für das er ein Honorar von 700.000 Euro verrechnete. "Er hat Firmengelder abgeschöpft und fuhr den Betrieb dann an die Wand", sagt Derra, "eine unschöne Geschichte".

Im Zuge des angestrengten Prozesses in Innsbruck und vernichtenden Gutachten über Gebauers Analyse erhielt Derra als Masseverwalter 637.000 Euro zugesprochen. Bekommen hat er es nie. Ein strafrechtliches Verfahren verlief im Sand, nachdem Gebauer mehr als 40.000 Euro zahlte, ist aus gut informierten Kreisen zu hören.

Gebauer war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, er ließ jedoch wissen, er sehe der aktuellen Ermittlung gelassen entgegen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27.2.2011)

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