Realitätsfremde Romantik

25. Februar 2011, 18:44
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Die Justizministerin und ihre gesellschaftspolitischen Fettnäpfchen - Bemüßigt die Männerlobby zu bedienen

Claudia Bandion-Ortner hat ein Talent für gesellschaftspolitische Fettnäpfe: erst die unglückliche "Kinder sind kein Schaden"-Debatte, jetzt die erzwungene gemeinsame Obsorge. Offenbar fühlt sich die Justizministerin bemüßigt, eine Männerlobby zu erfreuen, die politische Sympathien von Rechtsaußen genießt. Diese Aktivisten geizen nicht mit einseitigen, persönlichen Geschichten - und konstruieren daraus ein allgemeines Problem: Die "Ex" ist demnach grundsätzlich rachsüchtig, geldgierig und will die Kinder dem Vater entziehen.

Die Ministerin sollte die Jugendämter fragen, wo all die engagierten Väter bleiben, wenn es um ausstehende Alimentationszahlungen geht - und wo die Männer-Aktivisten sind, wenn es um verpflichtende Väterkarenz geht.

Nichts spricht dagegen, die Besuchsrechte neu zu regeln. Kein Kind soll den Vater nicht sehen dürfen, weil er mit der Mutter um Geld streitet. Aber: Wer es nicht einmal schafft, sich einvernehmlich zu trennen, soll die Kinder im Einklang mit dem Ex-Partner großziehen? Offenbar leidet die Ministerin unter realitätsferner Romantik.

Den Frauen droht damit weitere Erpressung, weiterer Nervenkrieg bei der Scheidung. Bandion-Ortner arbeitet an einem massiven frauenpolitischen Rückschritt. Komischerweise ist das keiner Frauenorganisation einen Aufschrei wert, nur die Frauenministerin hält einsam dagegen.

Johanna Dohnal würde sich im Grab umdrehen. (Petra Stuiber, DER STANDARD, Printausgabe 26./27.2.2011)

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