Schanghai setzt auf "Ein-Hund-Politik"

25. Februar 2011, 17:40
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Die Zahl der Hunde hat sich in Schanghai innerhalb von zehn Jahren verzwölffacht: 750.000 Vierbeiner leben in der Metropole

Ein neues Gesetz erlaubt den Schanghaiern nun nur noch einen kleinen Hund pro Haushalt.

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Peking/Schanghai - Schanghais Stadtväter sagen dem Hundeboom in ihrer Stadt den Kampf an: Diese Woche verabschiedeten sie ihren seit November diskutierten Gesetzentwurf dazu. Ab 15. Mai werden Stadtfamilien nur noch einen Hund halten dürfen, den sie zu registrieren haben. Shanghaier Medien nennen das in Anlehnung an Chinas "Ein-Kind-Politik" die neue "Ein-Hund-Politik" . Einige Städte wollen dem Beispiel folgen, andere - etwa Kanton - kamen Schanghai zuvor.

Nachdem Peking die Zahl der Autozulassungen drosselte, um den Verkehrskollaps abzuwenden und den Kauf von Zweitwohnungen erschwerte, um der Immobilienblase Luft abzulassen, witzeln Blogger im Internet über die künftige "Normfamilie" jedes Chinesen: "Ein Kind, ein Hund, ein Auto, eine Wohnung und auch nur eine Frau."

Schanghais Politik kommt auf den Hund, weil sich die Zahl der Tiere innerhalb von zehn Jahren von 60.000 auf heute 750.000 vergrößert hat. Nur knapp jedes fünfte Tier ist offiziell angemeldet. Die Folgen: 2010 erstatteten 140.000 von Hunden angefallene Schanghaier Anzeige. Seit Jahresbeginn mussten die Ärzte in den Spitälern der Stadt bereits tausende Hundebisse verarzten. Zudem häufen sich Klagen über verschmutzte Gehsteige und lautes Gebell. Auf der anderen Seite steht die wachsende Schar hundeliebender Einzelkinder und junger Frauen, die gern Schoßhunde mit sich herumtragen, sowie Pensionisten, die den Hund als Hausgefährten schätzen.

Vor zehn Jahren ordneten chinesische Städte noch Kampagnen an, bei denen Hundefänger Hatz auf unangemeldete Tiere machten und sie brutal erschlugen. Heute würde dies Proteste hervorrufen. Haustierhaltung ist ein Bürgerrecht, und chinesische Liebe zum Hund, die durch den Magen geht, ist in Großstädten längst verpönt. Haustiere sind zum Milliardengeschäft geworden. Jeder Supermarkt führt Futter und Zubehör.

60 Millionen Hunde

2009 wurden in den größten Städten Chinas nach Schätzung von Tierschützern rund 60 Millionen Hunde gehalten. Allein in Peking sollen über eine Million Hunde leben, nur die Hälfte angemeldet. Schanghai senkt nun die Hundesteuer, um Neuanmeldungen zu ermutigen und lockt mit Sonderrabatten für die Hundesterilisation. Das Gesetz nimmt Hundehalter in die Pflicht, ihre Tiere an kurzer Leine zu halten. Wer ohne Plastiksackerl und Schaufel sein Tier ausführt, muss mit Geldbußen rechnen. Die Haltung großer Hunde in der City ist verboten. Sie sind den Behörden zu übergeben. Außerhalb der Stadt öffnen bereits erste Hundezentren, die große Tiere in Pflege nehmen.

Wer bereits mehrere, auch unangemeldete Kleinhunde besitzt, darf diese aber behalten. Man muss sie nur anmeldungstechnisch auf mehrere Haushalte, etwa bei Verwandten, verteilen. (Johnny Erling /DER STANDARD, Printausgabe, 26.2.2011)

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    Eine Frau föhnt ihren Hund vor ihrem Haus in Schanghai. Zweithunde sind in der chinesischen Metropole künftig genauso wie große Rassen verboten.

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