Wieder warten, bis der Scheich bezahlt

25. Februar 2011, 17:55
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Scheich Al Jaber muss bis Ende März 20 Millionen Euro für das Hotelprojekt Schwarzenberg bezahlen. Gelingt das nicht, dürfte auch dieses Hotel scheitern

Scheich Al Jaber muss bis Ende März 20 Millionen Euro für das Hotelprojekt Schwarzenberg bezahlen. Gelingt das nicht, dürfte auch dieses Hotel scheitern. Die Schwarzenberg'sche Stiftung "kann unangenehm werden".

Wien – Nach dem plötzlichen Rückzug der Hotelkette Shangri-La am Schubertring richten sich die Blicke auf das Palais-Hotel Schwarzenberg: 2007 hat die Schwarzenberg'sche Familienstiftung die Immobilie für 60 Jahre an eine Tochter der Volksbanken verpachtet. Die Volksbanken haben sich vertraglich an Scheich Mohamed bin Issa Al Jaber gebunden, der das Hotel betreiben sollte.

Mittlerweile allerdings dürfte es zwischen den Vertragspartnern ganz heftig krachen. Denn die Baubewilligung gibt es seit Juni 2009, seither passierte aber nichts. Aus dem Büro von Wiens Wohnbaustadtrat Michael Ludwig heißt es, dass die Baubewilligung vier Jahre gültig ist. Außer es treten in der Zwischenzeit bauliche Mängel auf.

"Planung bis ins Letzte fertig"

Von den Volksbanken war offiziell niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Glaubt man den Gerüchten, so dürfte die Bank damit beschäftigt sein, Al Jaber mangels Liquidität als Vertragspartner loszuwerden. Al Jaber, der zuletzt in Österreich die Skifirma Kneissl eingehen ließ und bei diversen anderen Institutionen nicht unbeträchtliche Außenstände hat, dürfte dabei relativ hoch pokern.

Das hindert ihn nicht daran, nach außen Optimismus zu versprühen: "Die letzten Planungen und Verhandlungen laufen sehr erfolgreich, und wir sind zuversichtlich, im Spätsommer 2011 mit dem Bau beginnen zu können", verlautbart Al Jaber in einer Stellungnahme.

Dem Gastronomen und Chef des Bundes österreichischer Gastlichkeit Toni Mörwald gegenüber, der im Fünf-Sterne-Hotel aufkochen soll, war Al Jaber noch optimistischer: Ihm, Mörwald, habe der Scheich mitgeteilt, dass das Projekt mit 1. April 2011 starten werde. Die gesamte Planung sei bis ins Letzte fertig. Bis April 2013 soll das Hotel bezugsbereit sein.

Zahlungsverpflichtung

Laut Al Jabers Wiener Büroleiter, Karim Jalloul, habe dieser sich mittels Bankbrief verpflichtet, noch bis 31. März dieses Jahres 20 Mio. Euro in die Projektgesellschaft für das Hotel einzubezahlen. Schon bisher hätte der Scheich mit österreichischem Pass 15 Mio. Euro investiert. Jalloul rechnet jedenfalls damit, Ende März "am Schwarzenbergplatz eine Flasche Champagner öffnen zu können".

Mit wachem Interesse verfolgt auch die Schwarzenberg'sche Familienstiftung als Eigentümer der Hotel-Immobilie die Geschehnisse. Stiftungsvorstand Maximilian Schaffgotsch zum STANDARD: "Wir haben derzeit keinen Grund, an der Vertragstreue der Volksbanken-Gruppe zu zweifeln, aber 2012 können wir unangenehm werden." Im Moment sei man noch "innerhalb der Nachfrist". Schaffgotsch: "Immerhin gehört die Volksbanken-Gruppe zu den systemrelevanten Banken des Landes. Wir vertrauen der Volksbanken-Gruppe bei der Auswahl ihrer Betreiber. Für uns war wichtig, dass unser Vertragspartner eine österreichische Gruppe ist", so Schaffgotsch.

Den Rückzug von Shangri-La und die Probleme beim Schwarzenberg-Projekt führen Experten darauf zurück, dass die Betreiber den Wiener Markt für Luxus-Hotels falsch, nämlich zu optimistisch, eingeschätzt haben. (Claudia Ruff, Severin Corti, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27.2.2011)

  • Das Palais-Hotel Schwarzenberg in Wien harrt seiner weiteren 
Entwicklung. Der Scheich muss zahlen, dann könnte der Umbau starten. 
Ende März fällt die Entscheidung.
    foto: standard/cremer

    Das Palais-Hotel Schwarzenberg in Wien harrt seiner weiteren Entwicklung. Der Scheich muss zahlen, dann könnte der Umbau starten. Ende März fällt die Entscheidung.

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