Sozial Global nimmt Kündigungen zurück

25. Februar 2011, 17:19
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Verhandlungen über die Zukunft von fast 400 Mitarbeitern Anfang nächster Woche

Wien - Zurück an den Verhandlungstisch - das verkündete Nicole Krotsch, Vorsitzende des Vereins Sozial Global, am Freitagmorgen überraschend. Der Verein, der von den Wiener SP-Frauen gegründet wurde, ist 100-Prozent-Eigentümer des Pflegedienstleisters Sozial Global AG, der in den letzten Tagen in die Schlagzeilen geraten war. Denn fast die Hälfte der rund 800 Mitarbeiter war zur Kündigung angemeldet worden - aber nicht, weil man die Pflegerinnen loswerden wollte: Sozial Global plante Änderungskündigungen, um Kosten zu sparen, denn der neue Kollektivvertrag fällt für das Unternehmen günstiger aus.

Anfang der Woche schritt die Gewerkschaft Vida ein. Landesgeschäftsführer Thomas Stöger ist nun froh über die Gesprächsbereitschaft; er werde dem Unternehmen und der Vereinsvorsitzenden Krotsch einen Verhandlungstermin Anfang nächster Woche vorschlagen, sagte er dem Standard. Bei den Gehältern sei der Verhandlungsspielraum aber "eher eng", schickt Stöger voraus. Schließlich seien sie mit durchschnittlich zehn Euro pro Stunde "sicher nicht überbezahlt". Vorrangig ist für Stöger etwa die Frage des Einsparungspotenzials durch die Dienstplangestaltung. Diese soll in den letzten Jahren mangelhaft gewesen sein und zu überlangen Wegzeiten geführt haben. Stöger: "Alle Mitarbeiter sagen, sie sind lieber bei den Klienten, statt mit der Straßenbahn quer durch Wien zu fahren."

Krotsch will "Gerechtigkeit"

Die Kritik an den Dienstplänen hatte Susanne Schaefer-Wiery, Geschäftsführerin von Sozial Global, schon am Dienstag zurückgewiesen; die Teamleiter würden "sehr sorgfältig" arbeiten, ist sie überzeugt. Sie war am Freitag für eine neuerliche Stellungnahme nicht erreichbar. Vereinsvorsitzende Krotsch, die gleichzeitig Frauensekretärin der Wiener SP ist, betonte in einer Aussendung, dass für "Gerechtigkeit bei den Löhnen" gesorgt werden müsse. Außerdem sollen alle Arbeitsplätze im Unternehmen erhalten werden. Sie kündigte ein einmonatiges Moratorium an, währenddessen "ein absoluter Verzicht auf Kündigungen oder andere arbeitsrechtliche Maßnahmen gilt".

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) wollte sich im Ö1-Morgenjournal weder auf die eine noch auf die andere Seite schlagen. "Es ist für mich nachvollziehbar, wenn diverse Vereine, die im sozialen Umfeld Dienstleistungen erbringen, Finanzierungsprobleme haben", sagte er. Es gehe allerdings um Personen, die ein "sehr geringes Einkommen" hätten. Frauenstadträtin Sandra Frauenberger (SP) verteidigte bei der Gemeinderatssitzungen am Freitag etwaige Änderungskündigungen. (Andrea Heigl/DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.2.2011)

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