"Werde jetzt viel härter rangenommen"

25. Februar 2011, 17:26
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Michael Grabner stürmt erfolgreich für die weniger erfolgreichen New York Islanders in der NHL. Der Villacher über Leistungs­explosion, Ruhm und Spieleragenten

Standard: Sie haben von Mitte Jänner bis Mitte Februar in der stärksten Eishockey-Liga der Welt in 15 Matches 16 Tore geschossen. Hatten Sie schon einmal einen ähnlichen Lauf?

Grabner: In meinem letzten Jahr in der Junior Hockey League 2006 habe ich in den letzten 23 Spielen 22 Treffer erzielt. Da sind wir noch im Bus durch Amerika zu den Spielen gefahren. Aber es ist natürlich schöner, die Tore in der NHL zu schießen.

Standard: Ihre Serie ist zuletzt gerissen, in den letzten fünf Spielen gelang Ihnen kein Treffer. Warum?

Grabner: Ich habe weiterhin viele Chancen, kann sie aber nicht mehr verwerten. Hoffentlich kommt das bald wieder zurück. Schon vor meiner Serie hatte ich viele gute Spiele gehabt, aber es ist einfach nichts hineingegangen. Wenn ich die Hälfte meiner Chancen getroffen hätte, könnte ich schon bei 35 Toren halten. Ich muss noch konstanter werden.

Standard: Sie sind mit 25 Treffern bester Rookie, also Newcomer, in der NHL. Wie wird das in Nordamerika wahrgenommen?

Grabner: Mein Name ist jetzt bekannter. Das wird in meiner Stadt New York schon sehr gut aufgenommen. Und die Fans sind happy mit mir. Bei den anderen Teams ist das natürlich nicht so gut angekommen, ich werde jetzt viel härter rangenommen.

Standard: Wie ist es, wenn man in New York Gesprächsthema ist?

Grabner: Unser Stadion ist außerhalb der City, 40 Minuten von Manhattan entfernt. New York ist ein wichtiger Sportmarkt. Die haben die Rangers, New Jersey ist nicht weit weg. Und sie haben Basketball und Football. Es ist schön, wenn man in diesem Umfeld ein bisschen Anerkennung bekommt.

Standard: Sie sind der schnellste Spieler der gesamten Liga. Was macht Ihre Sprintstärke aus?

Grabner: Ich hab das nie trainiert. Ich mache Übungen für die Spritzigkeit, aber nichts Spezielles. Ich hab' Glück gehabt, dass mir das meine Eltern mitgegeben haben. Im Gymnasium Villach wollte ich immer der Schnellste sein, egal ob am Eis oder nicht. Vielleicht kommt es daher.

Standard: Was ist Ihre Bestzeit ohne Kufen über 100 Meter?

Grabner: Keine Ahnung, ich bin die Strecke schon lange nicht mehr gelaufen. Im Trainingslager in Florida sind wir 20 Meter gesprintet, ich wurde in 2,71 Sekunden gestoppt. Der Zweitschnellste war um 0,2 Sekunden langsamer.

Standard: In der Torschützenliste haben Sie Thomas Vanek, der bei 22 Treffern hält, hinter sich gelassen. Was bedeutet das für Sie?

Grabner: Es ist mein Job, Tore zu schießen. Es ist natürlich schön, wenn wir Österreich in der NHL gut vertreten können, die Scouts sollen ja mehr auf österreichische Talente schauen. Vielleicht gehen noch ein paar junge Spieler den gleichen Weg wie ich.

Standard: Sie haben den größten Teil ihrer Eishockey-Ausbildung in Österreich absolviert. Haben Sie als 17-Jähriger in den USA viel aufholen müssen?

Grabner: Villach war sehr gut für mich, ich habe immer mit älteren Spielern gespielt, musste mich dort beweisen. Ich bin einen anderen Weg gegangen als Vanek, der hat in den USA schon in der Highschool Eishockey gespielt.

Standard: Kommen Sie noch oft nach Villach?

Grabner: Ich bin jeden Sommer zwei Monate dort und trainiere mit dem Villacher SV mit. Ich komme gern heim, bin bei den Eltern und treffe Freunde.

Standard: Vor dieser Saison war Ihr Verbleib in der NHL nicht sicher, Ihr Klub wollte Sie zu einem Team in die zweite Liga abgeben. Was waren Ihre Perspektiven?

Grabner: Es war ein komischer Sommer, immer ein Auf und Ab. Nach Österreich wollte ich nicht zurück, meinen Traum wollte ich noch nicht so früh aufgeben. Im Endeffekt bin ich sehr froh, dass ich bei den Isländers gelandet bin.

Standard: Warum fühlen Sie sich gerade beim NHL-Nachzügler in New York so wohl?

Grabner: Das Team ist jung, wir kommen alle gut miteinander aus. Es macht Spaß, jeden Tag in die Eishalle zu kommen. Viele Teams haben ältere Spieler, die haben auch schon eine Familie. Wir sind eine eingeschworene Truppe, alle fast im gleichen Alter. Es läuft einfach, auch wenn's in der Tabelle noch nicht so aussieht.

Standard: Was unternehmen Sie abseits von Eishockey in New York?

Grabner: Ich tu nicht wirklich viel. Ich stehe eher auf relaxen, X-Box spielen und so. Ich bin nicht einer, der gerne in die Stadt fährt, ich war erst einmal in Manhattan. Mir kommt es entgegen, dass wir außerhalb der City wohnen.

Standard: Ihr Vertrag läuft nach dieser Saison aus. Wie viel kostet es die Islanders, Sie zu halten?

Grabner: Da gibt's nicht viel Diskussionen ums Geld. Jeder hat seinen eigenen Agenten, die machen das. Ich bin nur dafür da, Eishockey zu spielen. Wir haben noch 20 Matches, alles andere lasse ich meinen Agenten erledigen. Der wird ja auch dafür bezahlt. Ich fühle mich hier sehr zu Hause, habe super Teamkollegen. Hoffentlich kann mein Agent einen gescheiten Vertrag aushandeln.

Standard: Sie werden Ende März erstmals Vater. Thomas Vanek hat Ihnen das schon mehrfach voraus. Werden Sie sich Tipps holen?

Grabner: Ich hab schon ein bisschen mit ihm geredet. Er hat nur gesagt, dass meine Freundin Heather wahrscheinlich gleich danach noch ein Baby haben will. Ich bin schon aufgeregt, aber da überwiegt die Vorfreude. Ein Freund hat mir Bücher gekauft, aber ich hab' sie noch nicht gelesen. Ich will lieber selber herausfinden, wie das funktioniert.

Standard: Im Mai spielt Österreich bei der WM in der Slowakei. Ist das für Sie ein Thema, sollten die Islanders - was abzusehen ist - die Playoffs verpassen?

Grabner: Ich weiß es nicht. Wir haben die Playoffs noch nicht abgehakt. Außerdem kommt das Baby am 31. März, mit dem Kind dürfen wir im ersten Monat nicht fliegen. Und ich will nicht schon wieder weg sein von der Familie. Aber es ist noch nichts entschieden. (David Krutzler, DER STANDARD Printausgabe, 26./27. Februar 2011)

Michael Grabner (23) begann in Villach als Fünfjähriger mit Eishockey. 2004 wechselte er zu den Spokane Chiefs in die Juniorenliga. Sein NHL-Debüt feierte er am 14. Oktober 2009 im Dress der Vancouver Canucks, seit Oktober 2010 stürmt er für die NY Islanders. Seine Bilanz bisher: 87 Spiele, 31 Tore.

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    Beim 3:4 seines Klubs New York Islanders gegen die Philadelphia Flyers mit Andreas Nödl blieb Michael Grabner im fünften Spiel in Folge ohne Torerfolg. Dennoch ist er mit 25 Treffern 19. in der Torschützenliste der NHL.

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