Die Party ist immer in der Küche

26. Februar 2011, 19:44
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Das Wohnzimmer von Desirée Treichl-Stürgkh, Organisatorin des Wiener Opernballs, ist zwar gemütlich, aber nicht Wohnmagazin-tauglich

Das Wohnzimmer von Desirée Treichl-Stürgkh, Organisatorin des Wiener Opernballs, ist zwar gemütlich, aber nicht Wohnmagazin-tauglich. Das erfuhr Wojciech Czaja.

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"Manchmal denke ich mir, dass die Wohnküche ausschaut wie ein Swimmingpool. Aber ganz im Ernst, eigentlich bin ich mit dem Raum sehr zufrieden. Früher war das hier eine Terrasse. Der Ausblick auf die Salesianerkirche und auf das Schloss Belvedere ist zwar großartig, doch im Sommer verbringen wir die meiste Zeit ohnehin in unserem Haus in Leogang.

Nachdem die Küche für uns eh schon viel zu klein war, haben wir also beschlossen, aus der Terrasse einen Essplatz zu machen. Die Planung ist von Architekt Markus Spiegelfeld. Das ganze Baumaterial wurde mit einem riesigen Autokran aufs Dach gehievt. Ich war überrascht, wie schnell so etwas geht. Mitte November 2009 haben wir zu bauen begonnen, zu Weihnachten war alles fertig.

Oben ist ein Glasdach, das man auch verschatten kann. Besonders wichtig war mir, dass der Blick zum Oberen Belvedere erhalten bleibt. Und so haben wir bei der Baupolizei um eine Genehmigung angesucht. Die Behörde hat uns gestattet, ein ovales Fenster in dieser Größe einzubauen. Sieht aus wie ein Bild an der Wand. Der einzige Nachteil ist nur: Wir können das Fenster nicht öffnen, und ich weiß noch immer nicht, wie wir das Ding eines Tages putzen sollen. Wahrscheinlich müssen wir dann bei den Nachbarn anklopfen und fragen, ob wir auf deren Dach steigen können. Bis jetzt hat's auch ohne Putzen geklappt.

Was mir an diesem Raum besonders gut gefällt, sind die zwei Gemälde von Christian Brandl. Nicht Herbert, sondern Christian! Das ist ein deutscher Maler aus der Leipziger Schule. Wir haben sie in einer Ausstellung in der Sammlung Essl gesehen. Ich war auf Anhieb begeistert. Mein Mann wollte mich überraschen und hat sie damals dem Künstler abgekauft. Das Bild links heißt Der Gast, der Titel rechts lautet Rezeption. Die passen so schön hierher.

Natürlich haben wir die Wandfarbe der Kunst angepasst. Das bietet sich in diesem Fall wunderbar an. Zum türkisen Swimmingpool-Look passen auch die Stühle. Ich habe sie auf der Möbelmesse in Mailand gesehen. Das sind die Eames-Stühle von Vitra. Die Farbe wurde damals neu präsentiert. Sie heißt "Ocean" .

Wir kochen viel und oft. Manchmal haben wir hier zehn Leute zum Abendessen geladen. Küche und Esszimmer sind eindeutig das Zentrum. Das sehen wir jedes Mal, wenn wir Freunde und Bekannte zum Essen eingeladen haben. Die Party ist immer in der Küche!

Der Rest ist ein Stücklwerk aus 15 Jahren. Als wir eingezogen sind, war die Wohnung noch viel kleiner. Im Laufe der Zeit haben wir dann einen Teil dazugemietet. Mittlerweile sind's etwas mehr als 200 Quadratmeter.

Der größte Raum ist das Spielzimmer für unsere drei Kinder. Nicht reingehen! Da schaut's aus wie nur was! Drei Buben im Alter von neun, elf und 13 Jahren - das sagt alles. Das zweitgrößte Zimmer ist unsere Bibliothek, die wir auch als Wohnzimmer nutzen. Für mich persönlich ist das das gemütlichste Eck dieser Wohnung.

Die Bücher und Zeitschriften stapeln sich am Boden und auf den Tischen, sogar auf der Couch liegen Zeitschriften herum. Aber das ist nun mal Alltag. Eigentlich ist das ja ein wunderschönes Zimmer, doch die Wohnzimmer, die man in Wohnzeitschriften sieht, schauen aufgeräumter aus.

Was ich schön finde: Jedes Familienmitglied hat seinen ganz persönlichen Rückzugsraum. So sehr man einander auch liebt: Ich denke, es ist wichtig, dass man auch einmal alleine sein kann. Das ist für mich Geborgenheit. Gerade, wenn man in der Öffentlichkeit steht, so wie das bei meinem Mann und mir der Fall ist, will man irgendwann auch einmal seine Rolle ad acta legen, die Mundwinkel wieder entspannen und nach Hause kommen. Ein herrliches Gefühl." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27.2.2011)

DESIREE TREICHL-STÜRGKH, geboren 1964 in Bad Radkersburg, besuchte das Ursulinengymnasium und studierte Werbung und Verkauf an der WU Wien. Zu Beginn arbeitete sie im Mode-Journalismus bei verschiedenen Verlagen und Werbeagenturen. Seit 1997 ist sie Teilhaberin des Ahead-Media-Verlags sowie Herausgeberin und Chefredakteurin von H.O.M.E. und Flair. Seit 2008 ist sie Organisatorin des Wiener Opernballs. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Andreas Treichl (Erste Group) und ihren Kindern Alfi (13), Jakob (11) und Paul (9) wohnt sie in Wien-Landstraße.

Info

Wiener Opernball, Donnerstag, 3. März

Link

Wiener Staatsoper

  • Umgeben von Swimmingpool-Farben und zeitgenössischer Kunst: Desirée Treichl-Stürgkh in ihrer ausgebauten Wohnküche mit Blick aufs Obere Belvedere.
(Foto: Lisi Specht)
    foto: lisi specht

    Umgeben von Swimmingpool-Farben und zeitgenössischer Kunst: Desirée Treichl-Stürgkh in ihrer ausgebauten Wohnküche mit Blick aufs Obere Belvedere.

    (Foto: Lisi Specht)

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