Merkel fast so beliebt wie Guttenberg

25. Februar 2011, 16:55
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Ex-Doktor verliert in Umfragen massiv - Nur 22 Prozent für Rücktritt des Verteidigungsministers

Berlin/Bayreuth/Hof - Als Konsequenz aus den Plagiatsvorwürfen hat der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor Guttenberg in Umfragen deutlich Sympathiepunkte eingebüßt. Zwar konnte der CSU-Politiker in dem am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer seinen Rang als beliebtester deutscher Politiker verteidigen, den er bisher mit deutlichem Abstand hielt. Mit einem Durchschnittswert von 1,4 (nach 2,0 Anfang Februar) liegt er inzwischen aber gleichauf mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Nur Unterschiede "im Hundertstelbereich" rechtfertigten den ersten Platz für Guttenberg, teilte das ZDF mit.

Auf Platz drei folgt unverändert SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, danach kommt die deutsche Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Auf dem letzten Platz liegt weiterhin Außenminister Guido Westerwelle. Der FDP-Vorsitzende hat allerdings deutlich zugelegt und kommt auf den besten Wert seit fast einem Jahr.

Beschädigte Glaubwürdigkeit

Nur 22 Prozent der Befragten vertraten allerdings die Meinung, Guttenberg solle wegen der Affäre zurücktreten, drei Viertel (75 Prozent) verneinen dies. 42 Prozent sehen durch die Vorwürfe die Glaubwürdigkeit Guttenbergs dauerhaft beschädigt, 55 Prozent gehen davon aber nicht aus. 60 Prozent halten den Minister zukünftig noch für höchste politische Ämter geeignet.

Für das Politbarometer befragte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen zwischen dem 22. und 24. Februar insgesamt 1.306 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte.

Beim Koalitionspartner FDP wächst unterdessen die Unzufriedenheit über Guttenberg und den Umgang mit der Krise. Führende Liberale beklagten das Krisenmanagement, wollten sich aber nicht namentlich äußern. So wurde Unverständnis darüber laut, dass Guttenberg offenbar anfangs angenommen habe, mit der Doktorarbeit bestehen zu können. Zugleich wurde darauf verwiesen, dass die Reputation und Glaubwürdigkeit der gesamten Koalition auf dem Spiel stehe. Sowohl die Bundeskanzlerin als auch die CSU hätten sich jedoch klar zu Guttenberg bekannt, daher gelte in der Koalition das Solidaritätsgebot.

Nach dem Verlust seines Doktortitels wird Guttenberg nun nicht mehr als Gastredner bei einem Treffen ehemaliger Jusstudenten in Bayreuth sprechen. Die Einladung zum sogenannten Homecoming am 21. Mai sei im gegenseitigen Einvernehmen gelöst worden, teilte der Vorsitzende der Alumnivereinigung, Thilo Brodtmann, am Freitag auf Anfrage mit. "Mit der Erklärung von Herrn Freiherr zu Guttenberg, seinen Doktortitel nicht mehr führen zu wollen, wurden die Korrekturen an unserer Webseite begonnen", erklärte Brodtmann. So wurde unter anderem das Bild des Ministers von der Internetseite entfernt. Ein Nachfolger Guttenbergs als Gastredner steht noch nicht fest. (APA/Reuters)

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    Der beliebteste Politiker Deutschlands: Ex-Doktor Guttenberg.

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