Vollendung einer Vorkämpferin

25. Februar 2011, 17:55
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Nicht ein Skispringer, sondern Skispringerin Daniela Iraschko besorgt Österreich das erste WM-Gold in Oslo

Oslo - Daniela Iraschko tat gut daran, in der Ski-Hauptschule Eisenerz ihren Kopf durchzusetzen. Sehr zum Unwillen des Lehrpersonals hatte sie einst dem Langlauf entsagt, um Skispringerin zu werden. Seit Freitag ist die 27-Jährige die zweite Weltmeisterin ihres Faches. Die in Innsbruck lebende Steirerin entthronte auf dem Midtstuenbakken mit zwei Sprüngen auf 97 Meter Lindsey Van, die vor zwei Jahren in Liberec die Premiere gewonnen hatte.

Bei widrigen Bedingungen auf dem Holmenkollen spielte die US-Amerikanerin keine tragende Rolle. Deutlich hinter Iraschko dominierte die Jugend die Konkurrenz. Die Italienerin Elena Runggaldier (20) gewann mit 12,8 Punkten Rückstand Silber, Bronze ging an die erst 15-jährige Französin Coline Mattel (+20,2). Die im Training so starke 14-jährige Japanerin Sara Takanashi blieb als Sechste etwas hinter den Erwartungen zurück. "Wir werden ihren Sieg schon verhindern", hatte Iraschko tags zuvor gesagt. "Weltmeisterin klingt gut", sagte sie am Freitag, nachdem die ersten Freudentränen getrocknet waren. "Das ist echt eine große Genugtuung."

Es war ziemlich typisch für Iraschko, dass sich der Triumph zwei Wochen nach einem Sturz in Zakopane ereignete, der ihr Antreten bei der WM fast unmöglich gemacht hätte. Die damals erlittene Kapselverletzung im linken Knie hat sie weggesteckt, wie viele andere Verletzungen auch. Ihr erster schwerer Sturz passierte eben in Eisenerz, als sie mit Langlaufskiern auf Weite zu kommen versuchte. Und schon davor, sagt die Weltmeisterin, wäre sie daheim regelmäßig aus dem Stockbett gefallen. "Ich musste oft genäht werden."

Vettori:"Sie hat es am meisten verdient"

Mit dem stets bunt gefärbten Kopf ("Es gibt keine Farbe, die ich noch nicht hatte") durch die Wand musste Iraschko, die in Eisenerz selbst Kollegen wie dem vormaligen Kombinierer David Zauner etwas vorhüpfte, Zeit ihrer Karriere. Sie gilt als Vorkämpferin der Skispringerei, die inzwischen zwar vom internationalen Skiverband, noch nicht aber vom Olympischen Komitee voll anerkannt wird. Iraschko, die als erste und bisher einzige Frau an die 200-Meter-Marke herangesprungen ist (2003 auf dem Kulm zu Tauplitz) gewann eine Konkurrenz auf recht hohem Niveau. Trennten in Liberec die 20. von der Ersten noch mehr als 110 Punkte, lagen in Oslo die ersten zwanzig innerhalb von nur noch 63 Zählern. Dies trotz dichten Nebels, der den mehr als 6000 Zusehern, darunter Norwegens König Harald, die Verfolgung des Geschehens erschwerte und den Athletinnen reichlich Mut zum Sprung ins Nichts abverlangte.

Die als entscheidend für die Aufnahme ins olympische Programm für Sotschi 2014 geltende Veranstaltung trug Iraschko 11.500 Euro Preisgeld ein. Für jeden ihrer zehn Saisonsiege im Kontinental-Cup (insgesamt hält sie bei 40 Erfolgen) gab es für die staatlich geprüfte Vermögensberaterin und Polizeischülerin lediglich 300 Euro. Nebenerwerb im kommenden Sommer wird vielleicht nicht notwendig sein, was auch der Zweitkarriere als Torhüterin von Wacker Innsbruck nützen dürfte. "Ich muss jetzt weiter gesund werden, damit ich bald wieder Fußball spielen kann", sagte Österreichs allererste nordische Weltmeisterin. "Sie hat es am meisten verdient", sagte ÖSV-Sportdirektor Ernst Vettori

Herren sollen nachlegen

Ihre männlichen Kollegen können am Wochenende, ebenfalls auf dem Midtstuenbakken, nachlegen. Titelverteidiger Wolfgang Loitzl schaffte die Quali für den Einzelbewerb am Samstag locker, ob er auch den Teambewerb am Sonntag schmückt, hängt von seinem Abschneiden ab. Vizeweltmeister Gregor Schlierenzauer zeigte mit 108 Metern den weitesten Sprung des Tages. Thomas Morgenstern, im Training bei 104 Metern gelandet, verzichtete. (Sigi Lützow, DER STANDARD Printausgabe, 26./27. Februar 2011)

Endstand:

1. Daniela Iraschko AUT 97,0m/97,0 Meter
231,7 Punkte
2. Elena Runggaldier ITA 97,5/93,5 218,9
3. Coline Mattel FRA 92,0/97,0 211,5
4. Eva Logar SLO 91,0/88,5 197,9
5. Maja Vtic SLO 88,5/97,0 196,0
6. Sara Takanashi JPN 92,0/93,0 195,0
7. Ayumi Watase JPN 89,0/93,0 192,8
8. Evelyn Insam ITA 94,5/87,5 188,1
9. Melanie Faisst GER 88,0/92,0 185,1
10. Line Jahr NOR 89,5/84,5 181,3

Nicht für 2. Durchgang qualifiziert): 32. Jacqueline Seifriedsberger 71,1 (AUT/78,0 m)

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    Daniela Iraschko trug den Triumph mit Fassung. "Alles hat gepasst, nur das Wetter hätte besser sein können."

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    Besuch bei Königs (Harald und Sonja)...

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    Das machte auch dem Helm Laune.

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