Aufsichtsräte gelten als unterbezahlt

27. Februar 2011, 13:57
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Bei der Höhe der Vergütung gibt es große Unterschiede - Im Schnitt bekommt ein Aufsichtsrat 8431,90 Euro pro Jahr und Mandat

Der Wirtschaftsminister hat sich nun von Freiwilligkeit bei der Beförderung von Frauen in Aufsichtsräte verabschiedet. Unternehmen, an denen der Bund mehr als 50 Prozent hält, sollen demnach bis 2013 25 Prozent Frauen in den Aufsichtsgremien haben, bis 2018 30 Prozent. Private Unternehmen werden an die Anregungen im Corporate-Governance-Kodex verwiesen, Verschärfungen dort werden derzeit diskutiert.

Gleichzeitig legt Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek eine Umfrage vor, wonach sich die Hälfte der Österreicherinnen 40-prozentige Frauenquoten in Aufsichtsräten wünschen. Am höchsten ist die Zustimmung bei Frauen zwischen 16 und 29: Da wollen 63 Prozent fixe Quoten.

Korn Ferry hilft

Gerade rechtzeitig in dieser Hitze der Gleichbehandlungsdebatte legt nun Inara, Initiative Aufsichtsräte in Österreich, auch wieder in puncto Bezahlung der Aufseher nach: Deren inadäquate Bezahlung wird - wie im Karrieren STANDARD schon oft berichtet und in prominenten Runden diskutiert - seit Jahren als ein Grund für die mangelnde Professionalität kritisiert.

Die Entlohnung, die Aufsichtsräte für ihre Tätigkeit bekommen, ist in Österreich aber alles andere als üppig, so die Aussage der Blitzumfrage von Inara gemeinsam mit dem Unternehmens- und Personalberater Korn Ferry. "Unsere Umfrage zeigt deutlich, dass die Vergütungen für Aufsichtsräte in Österreich zu niedrig sind. Rechnet man neben der Sitzungsdauer auch die notwendige Zeit für Vorbereitung und Aufarbeitung der Ergebnisse ein, kommt man im Schnitt auf einen Stundenlohn von 75 Euro, das ist deutlich weniger als jede Handwerkerstunde kostet", so Inara-Geschäftsführerin und Aufsichtsrätin Viktoria Kickinger.

Angesichts der hohen Verantwortung und der Haftung, die Aufsichtsräte zu tragen haben, wäre eine höhere Vergütung durchaus angemessen, betont Kickinger.

Die Studienergebnisse:

  • Bei der Höhe der Vergütung gibt es große Unterschiede - sie beträgt zwischen 150 und 40.000 Euro jährlich pro Mandat. Im Schnitt bekommt ein Aufsichtsrat 8431,90 Euro pro Jahr und pro Mandat.
  • Die befragten Aufsichtsräte haben zwischen einem und sieben Mandate, im Schnitt sind es 2,38.
  • Pro Mandat gibt es im Schnitt 5,57 Sitzungen pro Jahr. Während einige Gesellschaften vier Aufsichtsratssitzungen pro Jahr - das ist das gesetzlich vorgeschriebene Mindestmaß - für ausreichend halten, kommt in anderen AGs der Aufsichtsrat monatlich zusammen.
  • Neben der reinen Sitzungsdauer müssen sich Aufsichtsräte auf die Sitzungen vorbereiten und die Ergebnisse aufarbeiten. Der Zeitaufwand dafür liegt bei durchschnittlich sieben Stunden pro AR-Sitzung. Während einige wenige Aufsichtsräte mit lediglich zwei Stunden auskommen, wenden andere bis zu 50 Stunden dafür auf
  • 83 Prozent der Aufsichtsräte geben an, dass der Zeitaufwand für die Aufsichtsratstätigkeit in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist, nur bei 17 Prozent ist er unverändert geblieben.

Anlegerschutz-Vertreter Wilhelm Rasinger spricht sich zwar gegen "überzogene" Gagen aus, wie sie etwa in Deutschland Schlagzeilen machen, sieht aber in Österreich Spielraum nach oben.

Als Untergrenze für einfache Aufsichtsratsmitglieder sieht er jährlich etwa 10.000 Euro. Aufsichtsrat Manfred Reichl nennt "20.000 bis 45.000 Euro". (Karin Bauer/DER STANDARD; Printausgabe, 26./27.2.2011)

Link
Detailergebnisse der Studie unter: www.inara.at

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    Aufsichtsräte müssen die Weichen stellen, verdienen aber zu wenig für, so die Kritik.

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