"Entscheidend, Menschen mitzunehmen"

25. Februar 2011, 17:09
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Der Weg vom Verwaltungswissenschafter in die Beratung sei nicht unbedingt vorgezeichnet gewesen, sagt Heinz Meditz, Projektmanager bei Roland Berger

Es ist ein sehr eklektisches Bildungsspektrum, das Heinz Meditz vorzuweisen hat. Der gelernte Verwaltungswissenschafter ist heute als Projektmanager beim Strategieberater Roland Berger tätig. Studiert hat er Rechtswissenschaften sowie Politik in Kombination mit Geschichte - seine zwei Diplomarbeiten, sowie seine Dissertation widmete der Berater dem Thema der Staatlichkeit. In seiner Tätigkeit als Berater - aktuell am Standort München - hat er sich auf dem Feld des öffentlichen Sektors bzw. der Immobilien spezialisiert.

Wie aber kam es zum Schwenk von der Wissenschaft in die Beraterpraxis? Geplant sei dieser jedenfalls nicht gewesen, gibt Meditz unumwunden zu. "Nach Abschluss meiner wissenschaftlichen Arbeit war ich Ende zwanzig, und ich hatte einfach keine Lust mehr auf Uni", sagt er. Auf der Suche nach etwas "Praktischem" stellte sich - natürlich - die Frage, wie und wo man sich in der Arbeitswelt gut zurechtfinden kann, nachdem man jahrelang an der Uni war. "Die Beratung stellte sich als mein persönliches Resozialisierungsprogramm heraus", lacht er. Ein Bonmot, so Meditz ergänzend.

Ideale Arbeitsweise

Und, wie sich herausstellen sollte, war die Beratungsarbeit in vielerlei Hinsicht ideal: "Der hohe Grad an Selbstständigkeit, die spannende, abwechslungsreiche und projekthafte Tätigkeit - man bekommt keine Routine", sagt Meditz. Das Eigengesteuerte und Unternehmerische habe seinen Übergang in die praktische Arbeitswelt sehr erleichtert. "Es war auf diese Art sicher leichter, als in ein Unternehmen, in eine Hierarchie oder die Linie zu gehen", so Meditz weiter.

Das Tätigkeitsfeld der öffentlichen Verwaltung, das sich seiner Aussage nach von den großen europäischen Industrie-Bürokratien organisationssoziologisch nicht wesentlich unterscheide, sei weitgehend durch vier Bereichen geprägt: 1.) die starke rechtliche Bindung staatlichen Handelns. An diesem Punkt sei die juristische Grundausbildung von Vorteil: "Man begreift rechtliche Bande nicht nur als Problem, sondern erkennt darin auch Chancen", sagt Meditz. 2.) Das hohe öffentliche Interesse. 3.) Die gut organisierten institutionellen Eigeninteressen - etwa von Gewerkschaften. Und 4.) die Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit öffentlicher Haushalte. "Als Berater ist man in diesem Punkt auch immer hohem Legitimationsdruck ausgesetzt", sagt er.

Das Verbinden von Welten, im geografischen wie im rein arbeitstechnischen Sinne, scheint sich bei Meditz gewissermaßen naturalisiert zu haben. Gleichzeitig für drei Ministerien in drei verschiedenen Ländern tätig zu sein sei Teil seiner Arbeit. Die Grundausbildung, die ihm heute dabei dienlich ist, sei aber rein seinem persönlichen Interessen gefolgt, sagt er. "Das Prinzip des Eklektizismus in meiner Grundausbildung ist auch dem Privileg der damaligen österreichischen Uni-Landschaft geschuldet", sagt er. "Das ist ja jetzt vorbei."

Aufgaben und Talente

Dennoch könne er das Gelernte gut in seinem Arbeitsumfeld umsetzen: Als Jurist, holt Meditz aus, bringe er große Strukturiertheit mit, Präzision im Umgang mit Sprache. "Und aus den Sozialwissenschaften, würde ich sagen, die Fähigkeit mit Quellenkritik umzugehen, Daten und Informationen kritisch zu hinterfragen", so Meditz weiter. Nicht zuletzt erfordere die Arbeit in unterschiedlichsten Ländern und Kulturen auch ein gerüttelt Maß an interkulturellem Verständnis. Man müsse in der Lage sein, die Mentalität und Organisationskultur in einer bestimmten Verwaltung rasch zu verstehen, sagt er. "Das ist entscheidend, um Menschen mitzunehmen." (haa/DER STANDARD; Printausgabe, 26./27.2.2011)

  • Heinz Meditz, Projektmanager bei Roland Berger Strategy Consultants.
    foto: roland berger

    Heinz Meditz, Projektmanager bei Roland Berger Strategy Consultants.

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