Demografischer Schock

Es ist fünf vor zwölf für Unternehmen

25. Februar 2011, 17:06
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    foto: ap/breloer

    Die Zeit tickt, warnen Experten.

2020 werden laut Studie in Österreich die Austritte aus dem Arbeitsmarkt um 56 Prozent höher sein als die Eintritte Junger

Wir wissen viel und tun wenig. Dieses Verhaltensparadoxon trifft auch auf die bekannten demografischen Entwicklungen zu. Wir wissen um die alternden Gesellschaften, wir haben das japanische Beispiel im Lehrbuch, wir sehen (produzierende) Unternehmen abwandern, wir hören (auch in der Krise) über den Fachkräftemangel, wir lassen uns seit langem sagen, dass wir zu früh in Pension gehen, und ziehen das System bereits stark in Zweifel. Aber: Sehr viel mehr als ein (gefördertes) Generationenmanagement-Programm und ein paar wohlmeinende Aufrufe, man möge sich doch durch Weiterbildung "employabel" halten, ist bis jetzt nicht im Gange.

Die Boston Consulting Group (BCG) hat nun in der Vorwoche kräftig auf die Pauke gehauen und einen "demografischen Schock" für 2030 in Aussicht gestellt. Ohne "vielleicht" und ohne "wahrscheinlich". 2020 werden demnach in Österreich die Austritte aus dem Arbeitsmarkt um 56 Prozent höher sein als die Eintritte Junger. Um das derzeitige Wachstum fortzuschreiben, seien 2030 in Europa 45 Mio. zusätzliche Arbeitskräfte nötig. Besonders die gut ausgebildeten, mobilen Fachkräfte - wir wissen es schon - werden zu noch knapperem Gut.

Wir haben auch die Lösungsmaßnahmen schon oft gehört, Beratungsunternehmen empfehlen Handeln gebetsmühlenartig seit Jahren. So richtig in große Bewegung ist bis jetzt aber nichts gekommen. Vieles bleibt abstrakt und schwarz auf weiß.

Was die BCG-Experten dringend raten:

  • Internationales Mitarbeitermanagement Unternehmen sollten ihren Personalbedarf auf globaler Ebene erheben und planen sowie die internationale Ausbildung ihrer Mitarbeiter und Führungsriege intensivieren.
  • Strategische Personalplanung Auf Basis der Unternehmensstrategie und der Produktivität den Jobbedarf in allen Kategorien feststellen und gegen den Personalstand spiegeln. Lücken im Recruiting und in der Qualifizierung werden so sichtbar.
  • Interne Mobilität fördern Rotationsprogramme installieren, die Talenten auch neue Chancen eröffnen.
  • Recruiting-Pool erweitern Absolventen weniger renommierter Hochschulen einstellen, Quereinsteiger bewusst ins Auge fassen, weniger gut Ausgebildete holen und weiterentwickeln. Ältere, Frauen und im Land lebende Migranten tatsächlich einbeziehen.

Unternehmen haben eine riesige Aufgabe, nun, da die Babyboomer in Pension gehen. Neue Rahmenbedingungen für die Positionierung als attraktives Einwanderungsland sind akut Sache der Politik, ebenso wie die unzureichenden Bildungssysteme zu reformieren, Steueranreize für die gewünschte Zukunftsfähigkeit zu schaffen, Mobilität schon in der grundlegenden Ausbildung zu fördern und Integrationshilfen zu geben.

Noch einmal zur Erinnerung: Es ist die harte Ökonomie, die zum Handeln zwingt, sagen (auch) die Berater der BCG: "Humankapital wird in vielen Unternehmen schon bald das finanzielle Kapital als limitierenden Faktor verdrängen. (kbau/DER STANDARD; Printausgabe, 26./27.2.2011)

Link
Gesamte Studie "Global Talent Risk - Seven Responses" inklusive vieler Best-Practice-Beispiele auf Firmen- und Regierungsseite: www.bcg.at

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Posting 1 bis 25 von 85
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camamberto
00
17.12.2011, 04:18

Muss man sich halt wieder auf sinnvolle Taetigkeiten konzentrieren. Werbemenschen, Investmentbanker und Patentanwaelte wird eh niemand vermissen.

nbergmann
00
17.4.2011, 11:15
den arbeitsmarkt gibt es nicht, höchstens märkte

Ein undifferenzierter Bilck auf die verschiedenen Arbeitsmmärkte bringt keinen Informationsgewinn. Wir haben ein Heer schlecht oder unpassend Ausgebildeter, für die wirds künftig eher noch schlechter, denn besser. Weil zunehmen Spezialistenjobs, also Jobs wo Fachwissen gebraucht wird. Das ist auch der Bereich (IT-Technik, Industrie usw.) wo der Mangel bereits da ist. Während im Assistenz und Hilfsjobsbereich kein Mangel erkennbar ist. Aber auch an gehobenen Jobs im Führungsbereich, gibt es nicht zu viele...

Management Quatscher
04

niemand glaubt mehr den Schmäh vom bald eintretenden Arbeitskräftemangel.

Könnte das daran liegen, dass der Arbeitskräftemangel schon seit Mitte der 1980iger Jahre von vorhergesagt wird und nie eingetreten ist ?

Experten ! Hochqualifiziert !

nbergmann
00
17.4.2011, 11:03
eh nicht...

...weil die betriebe wandern vorher ab, daher wird der angebotsmangel nie wirklich sichtbar...

torch
 
00

Händeringend werden Arbeitskräfte gesucht. Entweder wird nicht angemessen entlohnt oder es wird die Ausbildung in den Betrieb gescheut ...

Aber händeringend suchen ...

Seit Jahren ? Seit Jahrzehnten !

Meryl
03

der prognositzierte Arbeitskräftemangel ist m.M. nach eine Umschreibung für Mangel an "Jung, willig, und billig". Die Inseratentexte lesen sich zumindest so: Junior-Mitarbeiterin gesucht.., wir sind ein junges, dynamisches Team,..., Sie haben HAk-Matura und 1-2 Jahre Beruferfahrung.... usw.
Ich (46, w) erhalte auf meine Bewerbungen nicht einmal mehr eine Standardabsage, kein "muh", nix (auch nicht von renommierten Firmen und Personalberatern) Tja, definitiv zu alt, das Gleichbehandlungsgesetzt gibts halt nur am Papier.

nbergmann
00
17.4.2011, 11:05
ich versteh sie

ich bin 42(m) mit wirtschaftsstudium, mir gehts auch nicht besser... wer nicht absolut ins schema passt, kann lange hinten anstehen...

Management Quatscher
03

das Einstellungsverhalten der Unternehmen passt halt leider so überhaupt nicht mit den Phrasen aus den Unternehmensleitbildern und den Prognosen der Experten zusammen.

Kein Grund für die Experten an ihren Prognosen zu zweifeln. Die Realität ist falsch.

tock tock tock
010
28.2.2011, 09:45
An den "Arbeitskräftemangel" glaub ich erst dann,

wenn ein 55-Jähriger innerhalb weniger Tage einen neuen Job findet (Natürlich vorrausgesetzt, dass das nicht die letzte Pfeife ist).

Management Quatscher
02

Experten haben genau das vor wenigen Jahren vorhergesagt.

Ich erinnere mich an ein Interview mit "Experten" Bernd Marin. Aussage des "Experten": schon in wenigen Jahren werden ältere Arbeitslose unter einem Dutzend an Jobangeboten auswählen können.

Das Internview stammt aus dem Jahr 2008.

Die Realität hat sich gemeinerweise schon wieder nicht an die Expertenprognosen gehalten.

-blos so-
03
28.2.2011, 12:18
würd gar nicht wenige Tage als Limit setzen

es wär schon super, wenn es innerhalb von 3 Monaten möglich ist...

ich bin ja noch weit davon entfernt, aber ich kann jetzt schon sagen, daß ich kein Problem damit hätte auch weit über 60 noch zu arbeiten - soferns mir gut geht auch mit 70...

Mann40
01
28.2.2011, 08:49

liebe "Experten", einigen wir uns einfach einmal auf das Jahr 2090, da sind wir dann alle schon tod und können die Prognose nicht mehr überprüfen...

max baum1
 
00
28.2.2011, 08:47
prognosen für das jahr 2030 sind prognosen, mehr nicht

außerdem werden wir bis zum jahr 2030 eine erhebliche steigerung der produktivität erleben. auch können wir durch gezielte weiterbildung die zahl der arbeitslosen erheblich verringern. wir sollten uns nicht vor dem jahr 2030 fürchten, sondern die themen der nächsten jahre lösen. das ist allerdings wesentlich schwerer, als nebulose voraussagen für das jahr 2030 zu machen. aus diesem grunde macht der großartige berater auch voraussagen wie nostradamus.

Minister der Ökomonie
12
27.2.2011, 18:37
Die Arbeitslosenzahlen...

...sind in den letzten Jahren steigend.

Insofern ist diese Entwicklung ja dahingehend förderlich? Irre ich mich?

monoton
14
27.2.2011, 17:48

kommt mir seltsam vor in zeiten in denen ältere mitarbeiter gern hinausgeworfen werden und firmen gemeinsam mit der politik immer bemüht sind personal nicht mehr selbst auszubilden, sondern ausgebildetet personal billigst zu importieren.
aber vielleicht kommen diese wirtschaftwunderwuzzis auch mal drauf, das mehr gibt als das nächste quartal

nbergmann
01
17.4.2011, 11:08
ausgebildetes personal meidet österreich

zu ausländerunfreundlich!

Christoph Karl Steininger
06
27.2.2011, 15:24
Dabei ist Österreich noch gut dran.

Wir haben Bevölkerungswachstum.
Was die gut ausgebildeten Fachkräfte betrifft so ist deren Mangel wie eine Fata Morgana. Sie hängt beängstigend in der Zukunft.
Heute können wir uns trotzdem leisten weniger Lehrlinge auszubilden, ja Lehrlinge dürfen seit neuestem auch gekündigt werden.
Die Betriebe stellen trotzdem nicht mehr neue Lehrlinge ein.
Betriebliche Ausbildung, brauch ma net!
Akademiker haben es nach wie vor nötig Taxi zu fahren oder in unnötigen Callcentern zu dunsten bevor sie irgendwann mal doch gnadenhalber ihren Beruf ausüben dürfen.
Aber der Fachkräftemangel, er kommt bestimmt. Irgendwann....

nbergmann
00
17.4.2011, 11:10
wien hat wachstum

das land allerdings schrumpft der totalen provinzalität entgegen...

Flip
01
27.2.2011, 15:11

Klar, Fachkräftemangel: Über Ingenieursdienstleister und einen Audi-Personalchef in Erklärungsnot: http://www.youtube.com/watch?v=IIV-P6K2t4M

Jojoba1
 
04
27.2.2011, 13:39
Offene Fragen

Ich finde nur interessant, dass in den Prognosen und Analysen der sogenannten Fachleute der Faktor Geld nie eine Rolle spielt. Auch erklärt keiner, warum die Wirtschaft ständig wachsen muss, obwohl wir sowieso schon mehr als genug haben. Reicht der Status Quo nicht? Die Experten scheinen auch nicht zu wissen, dass das ständige Schuldenwachstum vorangetrieben wird durch den Zins und Zinseszins, der den Schuldenberg exponential wachsen läßt. Es scheint auch kein wichtiger Faktor zu sein, dass das Geldschöpfungsmonopol bei den entsprechenden Nationalbanken liegt und sämtliches Geld durch Kreditvergabe (also Schuldaufnahme) entsteht.

Warum muss sich der Staat Geld von Privatbanken leihen und schöpft das Geld nicht selbst?

johnny
00
28.2.2011, 21:00

damit der staat, also wir alle erpressbar bleiben durch eine kleine anzahl von personen, die sich davon vorteile verspricht. durch die zunehmende aufklärung, und nicht mehr gleich krieg entfachen können, wird dazu gedrängt ein nachhaltigeres geldsystem zu suchen und zu installieren.

flotter denker
10
27.2.2011, 12:53
Wenn der Druck erst gross genug ist, gibts auch Mobilitaet

Andrian Susu
09
27.2.2011, 10:43
alles schön und gut, aber denkt jemand auch an die realen lebensumstände?

hochbezahlte manager und ausgehungerte praktikanten können es sich vielleicht leisten mobil zu sein.

wie soll jemand mit ehepartner, kind und kegel, der irgendwo in nähe seines arbeitsplatzes ein haus gebaut hat mobil sein? wir haben nicht die situation wie in den usa, wo es einen großen (erschwinglichen) häusermarkt gibt und man die familie in den transporter einlädt und übersiedelt. kindergartn, vs, …???

das ganze mobilitätsgelaber ist quatsch und trifft nur die ganz reichen und die jugentlichen nicht. menschen die aus geldgründen ihren wohnort verlassen müssen um einen job zu finden und entwurzelt werden, zähle ich nicht zu den wirklich mobilen. da ist nur der druck so groß, dass sie es tun.

der böse joko
00
27.2.2011, 09:49
In Deutschland hat´s beinahe einen Bundesminister aufgestellt wegen Plagiatsvorwürfen ...

Wieso findet sich in diesem Artikel nirgendwo der Hinweis, dass BCG nur einen kleinen Beitrag zu dieser Studie geliefert hat? Dass die Liste von anderen Organisationen, die mitarbeiteten, eine halbe Seite lang ist?

na egal.

Sonst müsste ich mich auch wundern, wieso es BCG nicht gelungen ist, das "Problem" in genau 3 Schritten zu lösen.

nbergmann
00
17.4.2011, 11:17
wieso beinahe

der ist zurückgetreten worden!

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