Stadtchef nach Selbstmord von Mitarbeiter unter Beschuss

25. Februar 2011, 14:53
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Stadtamtsdirektor erhob Mobbing-Vorwürfe - "Die letzten fünf Jahre hast du mich in einer Art behandelt, wie man keinen Menschen behandelt"

Linz - Erschütterung herrschte am Freitag in der oberösterreichischen Stadt Gmunden nach dem Selbstmord des langjährigen Stadtamtsdirektors Robert Hametner. Der 59-Jährige war in der Früh tot in seinem Büro aufgefunden worden. Er hatte in einem Abschieds-Mail schwere Mobbing-Vorwürfe gegen Bürgermeister Heinz Köppl erhoben. FPÖ-Stadtrat Gerald Grampelhuber forderte den Stadtchef zum Rücktritt auf.

Abschieds-Mail

Hametner schrieb vor seinem Suizid in der Nacht auf Freitag noch ein E-Mail an Gemeinderäte und Stadtamtsmitarbeiter. "Dein Mobbing hat endlich Erfolg", heißt es darin laut Life Radio an die Adresse Köppls. "Die letzten fünf Jahre hast du mich in einer Art behandelt, wie man keinen Menschen behandelt" und "ich kann und will mich nicht mehr von dir verletzen lassen".

Für FPÖ-Stadtrat Gerald Grampelhuber ist Köppl nicht mehr tragbar. "Wenn er nur den Funken eines Anstandes hat, dann tritt er zurück", sagte er. Dem Abschieds-Mail Hametners sei nichts hinzuzufügen. Er habe das Mobbing des Bürgermeisters "jeden Tag live erlebt". SPÖ-Stadtrat Wolfgang Sageder will unter Rücksicht auf die Familie des Verstorbenen zunächst einmal eine "Trauerzeit" verstreichen lassen, dann müsse man über politische Folgen reden.

Köppl war nach Bekanntwerden des Vorfalls nicht erreichbar. Er sei mitgenommen, wie sein Parteikollege Vizebürgermeister Gottfried Schrabacher, der derzeit im Ausland weilt, sagte. Er selbst zeigte sich ebenfalls erschüttert. Der Stadtchef und Hametner hätten sich nicht besonders gut verstanden, räumte Schrabacher ein, aber: "Für mich war es nicht nachvollziehbar, dass es so ein krasses Mobbing war." (APA)

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