Schnäppchen fertig los!

25. Februar 2011, 17:49
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Der Wiener Kunsthandel lockt neuerdings in der Liga "billig bis moderat" - Für eifrige Käufer gibt's auch noch Mengenrabatt

Pfiffige Geschäftsideen finden schneller Nachahmer, als den Pionieren vielleicht lieb ist. Neben den seit Jahrzehnten traditionell im Frühjahr und im Herbst vom Wiener Kunsthandel veröffentlichten Verkaufskatalogen, die repräsentativ für den jeweiligen Angebotsschwerpunkt vor allem mit Qualität punkten wollen, setzen die Anbieter nun auf die Schnäppchenjäger unter den Sammlern.

Anfang 2009 schickte Alexander Giese (Giese & Schweiger) seine Klientel erstmals in der Geschichte des in der Akademiestraße angesiedelten Kunsthandels in den Keller. Dort, in der sogenannten "Souterraingalerie", hatte man etwa 150 im Laufe der Jahre angesammelte Kunstwerke zu verlockend niedrigen Preisen (ab 750 Euro) vorbereitet.

Von A(lt) bis Z(off) ab Lager

Mehr oder weniger ungesehen kauften die Adressaten ab Katalog, und innert einer Woche schwand die Offerte um zwei Drittel. "Kunst zu kleinen Preisen" entpuppte sich als veritabler Verkaufsschlager und tut es auch aktuell: 170 Kunstwerke aus dem Fundus zieren den neuen Katalog, von "A" wie Rudolf von Alt bis "Z" wie Eduard Zetsche, zu Preisen von 400 bis 17.000 Euro.

Ein knappes Drittel davon ist noch verfügbar. Vor allem in einer Preisklasse von 500 bis 2500 Euro hätten sich die Aquarelle, Zeichnungen und Ölbildchen wie die warmen Semmeln verkauft. Neben unbekannten bzw. bislang unerforschten Monogrammisten überwiegt die Anzahl klingender Namen der heimischen Kunstgeschichte: was sich eben im Laufe einer Kunsthandelstätigkeit so ansammelt, auch, weil es etwa zu dem im Zuge von Messeteilnahmen angepriesenen Höherwertigen nicht kombiniert.

Bei Kovacek Spiegelgasse eröffnete dieser Tage wiederum das sogenannte "Schaulager". Trotz der mit etwa 450 auf drei Etagen verteilten Quadratmetern großzügigen Ausstellungsfläche könne man nicht alle Kostbarkeiten präsentieren. Sonst oftmals im Lager Verborgenes offeriert man jetzt (bis 19. März) ergänzt um die eine oder andere Neuerwerbung ebenfalls zu günstig(er)en Preisen.

Die Bandbreite reicht hier von Aquarellen des Biedermeiers (u. a. Thomas Ender, Ischia bei Neapel, 7500 Euro) über Pleinair-Malerei (Alfred Zoff, Abendlandschaft in der Südsteiermark, 9500 Euro) und Blumenstücke der Moderne (Konstantin Stoitzner, Rosenstillleben, 2800 Euro) bis zu Mischtechniken Arnulf Rainers (5500 Euro) oder Gouachen Max Weilers (22. 000 Euro). Um die Ecke, in der Bräunerstraße Ecke Stallburggasse, geht bei Kovacek & Zetter die "Nice Price"-Periode nun dem Ende zu (noch bis inkl. 26. Februar). Gut 70 Prozent der unter diesem Motto versammelten Papierarbeiten, Keramiken und Glasskulpturen (400 bis 20.000 Euro) fanden hier seit Ende Jänner eine neue Heimat. Als Renner sollen sich Rosemarie Benedikts Glasnasenbären entpuppt haben, bei Keramiken von Walter Bosse sei man längst ausverkauft.

Und schon zeichnet sich ein neuer Trend ab: Die in der Branche eher unübliche Frage, ob man denn in dieser Schnäppchenkategorie vielleicht auch noch Mengenrabatt erhält, beantworten Genannte unisono mit Ja. (kron, DER STANDARD - Printausgabe, 26./27. Februar 2011)

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