Pecs und Ruhr.2010 ziehen Bilanz

25. Februar 2011, 14:12
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Kulturhauptstadt Pecs war laut Medien ein touristischer Reinfall - Ruhr.2010 brachte dem Ruhrgebiet Millionenumsatz

Budapest (APA) - Die Europäische Kulturhauptstadt Pecs (Fünfkirchen) 2010 war ein "touristischer Reinfall" - schreibt die Internetzeitung "Index". So sei es der Stadt im Süden Ungarns trotz des Ausnahmejahres nicht gelungen, sich einen Platz auf der Top-Ten-Liste der lukrativsten touristischen Zielen zu sichern. So entspreche die Zahl an ausländischen Kulturhauptstadtbesuchern des gesamten Jahres in Pecs jener, die Budapest in sechs Tagen verzeichne.

Zwar betrug der Anstieg an Gästenächtigungen in Pecs im Vergleich zu 2009 rund 28 Prozent. "Die grenzenlose Stadt", wie sich Pecs als Kulturhauptstadt Europas 2010 präsentierte, schaffte es damit jedoch nur auf den zwölften Platz der Beliebtheitsskala ungarischer Tourismusziele. Dabei wurde Pecs von Badestädten wie Siofok, Bük, Zalakaros überholt. Laut Index würde der Zuwachs von 78.000 Gästenächtigungen für Pecs beispielsweise nur einem Drittel der westungarischen Kleinstadt Sarvar entsprechen, die auf dem 6. Platz der Beliebtheitsliste liegt.

Trotz des reichen kulturellen Angebots, der Neubauten, der neugestalteten Straßen und Plätze hätte Pecs im Vergleich zu in "langweiligerer Gegend gelegenen Thermalbädern" die Touristen "kalt gelassen", heißt es. Die Pecser hätten besser getan, anstelle von Konzerthaus und Konferenzzentrum ein "monumentales Thermalbad" mit Wellness zu bauen, beschied die Internetzeitung. Die zehn beliebtesten Tourismusziele - von Budapest bis Gyula - seien alle bekannte Bäderstädte. Potenzielle Besucher von Pecs mit seinen 160.000 Einwohnern hätten wohl die Programme der Kulturhauptstadt oder auch das "Chaos" bei den Vorbereitungen des Kulturhauptstadtjahres abgeschreckt.

Die Ungarische Tourismus AG betonte in einer Aussendung am Freitag, sie halte die Verwendung des Begriffs "Reinfall" für "unbegründet". Dabei würde die Infragestellung des Erfolges des Kulturhauptstadtjahres die Bestrebungen des ganzen Landes zunichtemachen. Das österreichische "Gewinn-Magazin" wiederum habe Pecs zu den 20 beliebtesten Tourismuszielen der Welt gezählt und in einem Atemzug mit Hawaii und Abu Dhabi genannt.

Im Zusammenhang mit der Austragung des Europäischen Kulturhauptstadtjahres gab es viel Kritik. Das Budget von 34 Mrd. Forint wurde zu fast 75 Prozent für Renovierungen von Denkmälern, Straßen und Plätzen sowie Ausbau der Infrastruktur eingesetzt. Der Bau der Großprojekte verzögerte sich. Das Konzerthaus und Konferenzzentrum wurde erst im Dezember 2010 eröffnet, das Zsolnay-Viertel, ein Kultur- und Bildungszentrum auf dem ehemaligen Gelände der altehrwürdigen Porzellanfabrik, soll erst im Frühjahr seiner Bestimmung übergeben werden.

Sehr gute Erfolge für das Ruhrgebiet

Im Ruhrgebiet hat Ruhr.2010 hingegen durchwegs positive Auswirkungen auf die Region gehabt. Das Kulturhauptstadtprogramm 2010 hat dem Ruhrgebiet hunderttausende zusätzliche Besucher und ein Umsatzplus von geschätzten 90 Millionen Euro gebracht. Das sagte der Geschäftsführer der Ruhr-Tourismus GmbH, Axel Biermann, in einer Bilanz. Die Zahl der Übernachtungen in der Region sei im Kulturhauptstadtjahr um 13 Prozent auf den Rekordstand von mehr als 6,5 Millionen gestiegen.

Auch für das laufende Jahr lägen zahlreiche Buchungsanfragen vor. Die Kulturhauptstadt habe das Image der Industrieregion dauerhaft verbessert. Voraussichtlich werde auch 2011 die Besucherzahl über der des Vor-Kulturhauptstadtjahres 2009 liegen, sagte ein Ruhr.2010-Sprecher. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Erinnerungen an bessere Zeiten. Der touristische Erfolg blieb für Pecs aus.

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