EU-Sozialkommissar fürchtet "Brain Drain"

25. Februar 2011, 13:44
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Laszlo Andor warnt vor einer Abwanderung im Gesundheits- und Pflegesektor aus Osteuropa

Wien - Ab 1. Mai 2011 dürfen auch Bürger aus Tschechien, der Slowakei, Slowenien, Ungarn, Polen, Estland, Lettland und Litauen unbeschränkt in Österreich und Deutschland arbeiten. Diese Länder sind 2004 EU-Mitglieder. Für die 2007 beigetretenen Staaten Rumänien und Bulgarien wurde die Frist um zwei Jahre bis 2013 verlängert. 

EU-Sozialkommissar Laszlo Andor ist im Vorfeld der Arbeitsmarktöffnung eher um die Herkunftsländer als um die Zielländer der Arbeitsmigration besorgt. Wenn ein "Brain Drain" in gewissen Sektoren, etwa im Gesundheits- und Pflegebereich, eintrete, müssten sich die betreffenden Länder und die EU Maßnahmen und Anreize überlegen, um die qualifizierten Kräfte im Land zu halten, sagte Andor am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien. Für Österreich hingegen erwartet der Ungar keine schwerwiegenden negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt durch die erwarteten zusätzlichen Arbeitskräfte. 

Investitionen gehen verloren

Einen inneren Widerspruch in seiner Haltung sieht er nicht, da der eventuelle Brain Drain ja nur bestimmte Sektoren der Herkunftsländer betreffe. Wenn es zu einer großen Abwanderung von Ärzten und medizinischem Personal komme, gingen die Investitionen der Heimatländer in das Gesundheitssystem verloren. Und wenn Ärzte im Ausland dann in minderqualifizierten Berufen arbeiten würden, etwa im Pflegedienst, dann würden auch ihre Fähigkeiten darunter leiden, erläuterte er seine Sorge.

Auch für Rumänien und Bulgarien hätte eine Arbeitsmarktöffnung schon früher stattfinden können, die Angst vor diesen beiden Ländern sei "übertrieben", so Andor. Es gebe ja bereits jetzt viele Arbeitskräfte aus diesen Ländern, und eine offizielle Öffnung könne eine legalisierende Wirkung haben, wenn Schwarzarbeit in ordnungsgemäße Arbeitsverhältnisse mit Sozialversicherung überführt werde, führte Andor Argumente für eine frühere Arbeitsmarktöffnung an.

Frauenquote "ernsthaft prüfen"

Eine Frauenquote hält Andor für ein mögliches Mittel, um die Vertretung von Frauen in Führungspositionen anzuheben. Es gebe auch andere Möglichkeiten, aber in Staaten mit gesetzlichen Frauenquoten - etwa in Norwegen - habe diese Maßnahme gewirkt, sagte Andor. Daher müsse man die Forderungen nach Frauenquoten ernsthaft prüfen.

Angesprochen auf die Arbeitsmarktlage in Österreich lobte der Kommissar das Land als eines der Vorzeigeländer in der EU. Andere EU-Länder mit hohen Arbeitslosenraten, insbesondere mit weit höherer Jugendarbeitslosigkeit, könnten von Österreich lernen. Als verbesserungswürdig bezeichnete er die Beteiligung Älterer am Arbeitsleben, diese sollte gehoben werden. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Frauen müsse verbessert werden. Besonders bei der Rückkehr von Müttern ins Berufsleben gebe es hier noch einiges zu tun. (APA)

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    EU-Sozialkommissar Laszlo Andor sprach am Freitag auf einer Konferenz über die Arbeitsmarktöffnung in der ungarischen Botschaft in Wien.

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