Boeing sichert sich "Jahrhundert-Deal"

25. Februar 2011, 11:09
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Seit fast einem Jahrzehnt wird um den Milliardenauftrag gestritten

Die Airbus-Mutter EADS und der US-Erzrivale Boeing streiten sich seit fast einem Jahrzehnt um den 35 Mrd. Dollar schweren Auftrag für neue Tankflugzeuge. Für alle Seiten war es ein Wechselbad der Gefühle:

Dezember 2003: Das US-Verteidigungsministerium legt einen Vertrag mit Boeing über 100 Tankflugzeuge auf Eis. Das Pentagon lässt prüfen, ob die Luftwaffe Boeing Informationen über das Angebot des Konkurrenten Airbus zuspielte und dem US-Unternehmen damit Vorteile verschaffte.

September 2005: EADS verbündet sich mit dem US-Rüstungskonzern Northrop Grumman. Im Falle des Zuschlags wollen sie die Maschinen in einem neuen Werk in Mobile im US-Staat Alabama bauen.

Februar 2008: Das Verteidigungsministerium vergibt den Auftrag für 179 Maschinen überraschend an EADS und Northrop. Boeing legt Beschwerde ein. Der US-Rechnungshof empfiehlt später eine Neuausschreibung, weil bei der Auftragsvergabe Fehler gemacht worden seien.

Juli 2008: Das Pentagon entscheidet sich für eine neue Ausschreibung. Nach Angaben von Verteidigungsminister Robert Gates hatte das ursprüngliche Vergabeverfahren Mängel.

September 2008: Das Pentagon zieht den Auftrag überraschend komplett zurück. Erst der neue US-Präsident solle über die militärischen Anforderungen an das Flugzeug und die Strategie für den Erwerb entscheiden.

April 2009: EADS ist zu Zugeständnissen bereit und bietet Boeing eine Teilung des Geschäfts an. Dafür hatten sich mehrere US-Abgeordnete ausgesprochen.

September 2009: Mit einer Neuausschreibung leitet die US-Regierung unter Präsident Barack Obama eine neue Runde im Wettstreit ein.

März 2010: Northrop Grumman zieht das gemeinsame Angebot mit EADS zurück und begründet dies mit unfairen Wettbewerbsbedingungen. Die neue Ausschreibung sei für den Konkurrenten Boeing maßgeschneidert. Airbus erwägt den Ausstieg aus dem Bieterverfahren, weil der Zeit für ein Solo-Angebot zu knapp erscheint.

Juli 2010: Airbus reicht doch ein Angebot ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatten sich eingeschaltet und vor "protektionistischen Versuchungen" gewarnt. Das Pentagon verlängerte die Ausschreibungsfrist und Präsident Obama versprach einen fairen Wettbewerb.

November 2010: Dem Pentagon unterläuft eine peinliche Panne: Ein Beamter verschickt an die beiden Rivalen wichtige Daten zum Angebot der jeweiligen Gegenseite. Dennoch läuft die Ausschreibung weiter.

Februar 2011: Airbus und Boeing geben ihre endgültigen Angebote ab. EADS dreht noch etwas am Preis. Drei Wochen später wird die Entscheidung verkündet. Boeing gewinnt. (APA)

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