Hotelgruppen im Ethiktest

25. Februar 2011, 11:19
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Hotelgruppen wurden im Ethiktest unter die Lupe genommen - Hilton und InterContinental schneiden schlecht ab - Riu verweigert Kooperation

Alle wollen in den Süden. Sonne, Strand und Meer locken vor allem in der kalten Jahreszeit. Und es gibt genügend Hotelgruppen, die sich diese Sehnsucht zu Nutze machen - oft auf Kosten der lokalen Bevölkerung und Umwelt. So positiv sich große Hotels auf die lokale Beschäftigungssituation auswirken - wenn oft auch nur oberflächlich -, so negativ sind häufig die längerfristigen Auswirkungen. Unberührte Landschaften werden zerstört, die ortsansässige Bevölkerung muss umsiedeln, Wasser und Energie werden verschwendet.

Langsames Umdenken im Tourismus

Hotels sind gewinnorientierte Unternehmen. Ein nachhaltiges Unternehmenskonzept, das keine Gewinne abwirft, ist daher ungeeignet. Nachhaltiges Reisen ist jedoch für viele Konsumenten inzwischen zu einem wichtigen Kriterium bei der Hotelsuche geworden. Der Wunsch, auch bei der Urlaubsplanung soziale und ökonomische Verantwortung zu zeigen ist groß, viele nehmen für ein gutes Reisegewissen höhere Preise in Kauf. In der Tourismusbranche beginnt ein langsames Umdenken, nicht zuletzt weil sich mit dem Thema Ethik gutes Geld verdienen lässt. Viele Kunden ziehen eine nachhaltige Reise der Raubbaumethode vergangener Jahrzehnte vor und lehnen Urlaub auf Kosten anderer ab.

Geschlossene Hotelanlagen, die jeden Kontakt zur Außenwelt verloren haben, repräsentieren weder die Kultur, noch die Küche des Landes in dem sie stehen. Schlimmer noch: in vielen Fällen verfügen die Hotels über einen „Privatstrand" und machen damit den Zugang zum Meer für die einheimische Bevölkerung unmöglich. Das Personal spricht deutsch, am Buffet gibt es Pasta und Eisbein, die einheimische Küche fehlt meistens. Die Einheimischen sind oft nur im Hilfskräftesektor als Servierkraft oder Zimmermädchen tätig und das Management kommt ohnehin aus dem Ausland.

Nun wurde untersucht, wie ethisch Hotelgruppen tatsächlich arbeiten. Ein britisches Expertenteam hat im Auftrag europäischer Verbraucherorganisationen die Nachhaltigkeit in der Tourismusbranche geprüft und sechs internationale sowie vier spanische Hotelgruppen bzw. deren Hotels in Mallorca, Nizza, Mexiko und Thailand untersucht.

Die Accor-Gruppe erzielte in dem Test das beste Ergebnis. Zur Accor-Gruppe gehören unter anderem die Marken Mercure, ibis und Novotel. Im Mittelfeld liegt die britische IHG Inter Continental Hotels Group, die durch bekannte Namen wie Holiday Inn oder Crowne Plaza weltweit vertreten ist.

Zu den Schlusslichtern gehören die Hotelgruppe Hilton und Iberostar. Die Gruppe Riu verweigerte überhaupt die Kooperation und erhielt damit die schlechteste Bewertung.

Drei wesentliche Bewertungsfelder

Überprüft werden bei den Ethiktests, die sich auf alle Konsumbereiche beziehen, soziale Standards der Unternehmen wie etwa, ob und in welchem Ausmaß Unternehmen die Interessen ihrer ArbeitnehmerInnen berücksichtigen. Auch die Bemühungen eines Unternehmens, vor allem auf internationaler Ebene soziale Mindeststandards einzuhalten, werden beurteilt. Der mangelhafte Umgang mit dem Personal ist auch der wesentliche Negativpunkt bei der Bewertung der Hilton Gruppe.

Umweltschutz ist ein weiterer wesentlicher Faktor in der Bewertung. Der Test ergab, dass die Maßnahmen zur Verringerung des Energie- und Wasserverbrauchs am weitesten fortgeschritten sind. Peter Blazek, Konsum-Ethikexperte, weiß auch, warum das so ist: „Das hat damit zu tun, dass sich das für die Hotelgruppen auch unmittelbar durch Kosteneinsparungen bezahlt macht". Dort, wo Umweltschutz keinen Profit bringt - etwa bei der Abfallvermeidung oder bei der Abwasserbehandlung -, sinkt auch die Bereitschaft, in Maßnahmen zu investieren. Accor und Starwood sind beim Thema Umweltschutz laut Testern besonders engagiert.

Als dritter Punkt wird die Informationsoffenheit eines Unternehmens bewertet. Die Zugänglichkeit und Qualität von Unternehmensinformationen ist ein wesentlicher Faktor bei der Informationsbeschaffung für den Konsumenten. Nur ein informierter Konsument kann auch entscheiden und die Berücksichtigung von Verbraucherinteressen fließt daher als wesentlicher Faktor in den Ethik-Test mit ein.

In Österreich empfiehlt der VKI übrigens, bei der Suche nach nachhaltigen Tourismusbetrieben das Umweltzeichen zu beachten. Rund 200 österreichische Betriebe sind aktuell damit ausgezeichnet. (ham/derStandard.at)

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    Einheimische arbeiten in den Hotels oft als Servier- oder Reinigungskraft.

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