Burger gegen Würstel gegen Döner

24. Februar 2011, 19:01
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Fastfood gewinnt weiter an Ge­wicht. Das Würstel ist ein armes: Dönerbuden und neue Essge­wohnheiten erschweren das Leben

Wien - Österreich ist für Fastfood-Anbieter ein gefundenes Fressen. Der Markt für Burger, Pizza, Würstel und Co wog im Vorjahr 926 Millionen Euro. Ungeachtet der Krise legte die Branche auch diesmal zu, gut drei Prozent Wachstum sollen es nach den Analysen des Marktforschers Andreas Kreutzer gewesen sein. Es funktioniere alles, was sich zwischen zwei Teigteile quetschen lasse und ohne Besteck auskomme, meint er. Nudeln, Suppen und Eintöpfe scheiterten bei ihrer Aufholjagd letztlich am Löffel.

Der Wettlauf um den schnellen Hunger ist ein harter, zumal sich immer mehr professionelle Köche einbringen. Bäcker mischen ebenso mit wie Supermärkte. Zu Pizza- öfen, Dönerbuden und asiatischen Küchen gesellten sich Salatbars. Platzhirsch bar jeder internationaler Konkurrenz ist McDonald's.

Die rasante Expansion des Konzerns ließ in Österreich vom Start weg kaum Platz für amerikanische Kontrahenten. Ketten wie Burger King, Subway und Kentucky Fried Chicken rangieren auch nach etlichen Anläufen weit abgeschlagen.

Gemessen am Pro-Kopf-Umsatz sorgen die Österreicher für eine der besten Bilanzen des Laberlbraters in Europa. 2010 brachte ihm hierzulande einmal mehr Rekordzahlen: McDonald's spricht von Zuwächsen von fast neun Prozent auf 482 Millionen Euro - und das großteils auf bestehender Fläche.

Die Modernisierung der Restaurants sei abgeschlossen, lässt Andreas Schwerla wissen. Der Österreich-Chef des Konzerns kündigt für heuer weitere Investitionen in Höhe von 20 Millionen Euro an, er plane acht bis zehn neue Standorte und schaffe mittelfristig gut 500 neue Arbeitsplätze. 8000 zählt die Kette bereits jetzt. Gewerkschafter streuen ob eines neuen Kollektivvertrags Rosen. Dass es nach wie vor keinen Betriebsrat gibt, sehen sie mittlerweile milde: Das liege nicht an den Amerikanern, demnächst werde sich einer finden.

Würstel als Verlierer

Kreutzer macht im Geschäft mit dem schnellen Essen einen Verlierer aus: das Würstel. Um mehr als vier Prozent sei die Zahl ihrer Brater 2010 zurückgegangen. Die Ernährungsgewohnheiten änderten sich, aber die Würstelstandl seit 50 Jahren nicht mehr, sagt er. Viel Publikum sei verloren gegangen, die Zeiten, in denen sich dort Hofrat und Arbeiter trafen, seien vorbei.

Duelle mit Kebabbuden hätten die Standler viel Kraft gekostet, mittlerweile seien zwei Drittel des warmen Fastfood-Geschäfts in der Hand der Systemgastronomie. Die Wirtschaftskammer zählte zuletzt 3149 Würstelstände, um gut sechs Prozent weniger als 2009. Über die gesamte Gastronomie gesehen, sei der Anteil der Systemanbieter jedoch gering: In Deutschland sei er mit 25 Prozent doppelt so hoch.

Den Wiener Markt teilen sich einige hundert Standler auf. Im Sinne der Abneigung der Stadt gegen weitere Verhüttelung soll es dabei bleiben. Von einer Krise sieht Joseph Bitzinger keine Spur. Im Vorjahr habe er mit seinen beiden Imbissbuden nahe Albertina und im Prater mehr umgesetzt als erwartet, versichert er. Auch das Duell Döner gegen Würstel sei längst zugunsten letzteren entschieden.

"Aber wurscht was es letztlich ist: Kunden wollen Qualität und Hygiene. Betriebe die das nicht bieten können, fallen weg." (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.2.2011)

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    Alles was sich zwischen zwei Laberln quetschen lässt, kommt in Österreich an, sagen Gastronomieexperten.

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