Get out!

24. Februar 2011, 18:42
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Mit der Entsendung Wilhelm Molterers in die Europäische Investitionsbank wird Österreich in Europa viel Ehre einlegen, was man in anderer Hinsicht nicht behaupten kann

Jetzt ist Wilhelm Molterer auch versorgt. Das geht in Ordnung, schließlich hat er das Bankgeschäft von der Pike auf gelernt. Mit seiner Entsendung in die Europäische Investitionsbank wird Österreich in Europa viel Ehre einlegen, was man in anderer Hinsicht nicht behaupten kann. Es ist beeindruckend, wie wieder einmal alles zusammenkommt, was diesem Land anderswo einen Ruf in der Welt verschafft, den auch die geballten Anstrengungen Gio Hahns in Brüssel und Molterers in Luxemburg nicht retten können.

Da wirft ein auf neonazistische Umtriebe im Internet spezialisierter Polizeibeamter das Handtuch, weil er gegen die "sympathisierenden Kontakte zu neonazistischem Gedankengut" in der Polizei nicht ankommt und den psychischen Druck von dieser Seite nicht mehr erträgt. Dafür denkt ein FPÖ-Abgeordneter nicht einmal an Rücktritt, wenn man ihn mit rechtsextremistischen und rassistischen Texten auf seiner Homepage konfrontiert, sondern beruft sich auf die in Österreich bewährte Neonazimasche mit der Meinungsfreiheit, die ihm eine achtzigprozentige Übereinstimmung mit dem Unflat geradezu aufnötigt. Dass er in der FPÖ Straches damit ebenso wenig Außenseiter ist, wie er es in der FPÖ Jörg Haiders war, wird inzwischen als selbstverständlich hingenommen, denn Kontinuität hat hier Tradition.

Wie um die tiefe Verwurzelung solcher Ansichten im Volk zu dokumentieren, wirft in Wien ein Taxilenker eine Frau wegen ihrer Hautfarbe aus seinem Auto, was er mit den Worten "Get out of my car, I don't drive black women" begleitet haben soll. Unsere Deutschnationalen wird es kränken, dass sich ein Wiener Taxler in einer solchen Situation nicht mit dem bodenständigen "Schleich di, Bimba" behilft, sondern dem perfiden Albion sprachlich auf den Leim geht. Diese Vernachlässigung der Muttersprache ließe sich zur Not und in Zur Zeit mit begreiflicher Empörung eines arischen Transportgewerbetreibenden entschuldigen.

Eine Tendenz dazu zeigte sich in der Stadt, in der die Gemütlichkeit zu Hause ist, reflexartig beim Fachgruppengeschäftsführer, der meinte, es würde ihn wundern, dass ein Taxifahrer so perfekt Englisch spricht - als hätte der Kollege einen Shakespeare-Monolog vorgetragen. Nicht hingegen wunderte ihn dessen rassistische Einstellung, was beweist, dass ihm in seiner Branche nichts Unmenschliches fremd ist. Warum sollte die Personenbehandlung in diesem Bereich anders sein als bei der Exekutive? Dass sich der Zulauf liberaler Intellektueller zur Polizei in Grenzen hält, erwiesen die Ergebnisse der letzten Aufnahmetests. Daher ist man auch mit viel mehr Herz, als das Einschreiten bei einer rechtsextremen Kundgebung erforderte, dabei, demokratische Gegendemonstranten sicherheitsdienstlich zu behandeln.

Auch das hat Tradition, unter roten Innenministern war es nie anders als unter Fekter. Diese Gesinnung breit zu verfestigen, eignet sich trefflich ein schikanöses Fremdenrecht, das es den Behörden erleichtern soll, im Ausländer den Schubhäftling zu agnoszieren, beschlossen von einer Koalition, deren humanistisches Ideal sich im Geist des Taxlers erfüllt: Get out of my country. (Günter Traxler, DER STANDARD, Printausgabe, 25.2.2011)

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