Ehrenbeleidigungsprozess um Brand von Kaprun

24. Februar 2011, 18:36
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Richter Manfred Seiss klagte deutschen Journalisten Hubertus Godeysen

Einseitige, oberflächliche Prozessführung, mangelhaft begründetes Urteil, charakterlich nicht geeignet - solche und ähnliche Vorwürfe hört kein Richter gerne. Schon gar nicht wenn es sich um ein so wichtiges Strafverfahren handelt wie jenes nach der Brandkatastrophe von Kaprun im November 2000, bei der 155 Menschen ums Leben gekommen waren.

Der Salzburger Einzelrichter Manfred Seiss musste das Strafverfahren übernehmen. 2004 hatte Seiss - gestützt auf Sachverständigengutachten - alle 16 Angeklagten frei gesprochen.

Seither ist er massiver Kritik ausgesetzt. Vor allem die Angehörigengruppe "Gerechtigkeit für Kaprun" rund um den Wiener Anwalt Gerhard Podovsovnik attackiert Seiss heftig. Auch der deutsche Journalist Hubertus Godeysen hat den österreichischen Behörden im Allgemeinen und Seiss im Besonderen wiederholt schwere Versäumnisse vorgeworfen.

Befangener Richter?

So auch bei einer Tagung des österreichischen Brandschutzforums im April 2010 in Graz. Vor diesem Expertenforum - so die Darstellung von Seiss - habe Godeysen zudem noch seine charakterliche Eignung für das Richteramt infrage gestellt.

Es folgte eine Ehrenbeleidigungsklage. Die Verhandlung (Richterin Magdalena Leitner) findet heute, Freitag, am Bezirksgericht Graz statt. Im Vorfeld gibt sich Godeysen unversöhnlich. "Es gibt keine Ehrenerklärung", sagt Podovsovnik, Anwalt von Godeysen. Im Standard-Gespräch legt Podovsovnik noch nach. Seiss hätte sich für befangen erklären müssen, da er im selben Lions Club Mitglied sei, wie der Vorstand der Gletscherbahnen Kaprun AG Peter Präauer. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, Printausgabe, 25.2.2011)

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