Ein Tag ohne gute Nachricht in Christchurch

24. Februar 2011, 18:59
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Nur Tote geborgen - Neuseeländische Polizei verstärkt Präsenz wegen Plünderern

Auch am Donnerstag suchten Bergungstrupps in Christchurch weiter nach möglichen Überlebenden des Erdbebens vom Montag (Ortszeit). Doch der Tag verstrich ohne eine einzige hoffnungbringende Nachricht von der Bergung eines Überlebenden. Die Zahl der Toten stieg dagegen immer weiter an. Donnerstagnachmittag mitteleuropäischer Zeit betrug die Zahl der Todesopfer beinahe 100. Die Zahl der Vermissten schwankte je nach Nachrichtenquelle zwischen 200 und 300. 22 Todesopfer sollen sich alleine in der zerstörten Kathedrale von Christchurch, dem Wahrzeichen der Stadt, befinden. Es wird befürchtet, dass bei dem Beben insgesamt mehr als 300 Menschen ums Leben gekommen sind.

Eines der am schwersten beschädigten Gebäude ist das Studio des Lokalfernsehsenders Canterbury Television (CTV). Das Bürohaus fiel bei dem Beben zusammen "wie übereinander gelegte Pancakes", schilderte ein Polizeisprecher. Schon am Mittwoch hatten Behördenvertreter ausgeschlossen, dass in dem Gebäude noch Überlebende gefunden werden könnten. Unter den Opfern dürften sich mehrere bekannte Fernsehmoderatoren und -journalisten, Techniker, sowie chinesische und japanische Mitglieder einer Sprachschule befinden.

"Große Schuldgefühle"

Die Fernsehjournalistin Emily Cooper und ein Kameramann drehten gerade Außenaufnahmen, als ihr Studiogebäude zusammenbrach. Die beiden sollen 15 Arbeitskollegen verloren haben. Es sei eine Herausforderung, zu verarbeiten, dass ausgerechnet sie die Katastrophe überlebt habe, sagte Cooper Radio New Zealand. "Es ist etwas, das ich nie verstehen werde. Ich habe große Schuldgefühle."

Während vielerorts Resignation und Trauer der Hoffnung, noch Überlebende zu finden, Platz machten, wollten viele Angehörige Vermisster die Suche nach ihren Lieben nicht aufgeben. Eine von ihnen: Suzanne Craig. Sie hatte von ihrem Ehemann Phil Copyard nichts mehr gehört, seit am Montag um 12.51 Ortszeit (00.51 MEZ) das Erdbeben Teile der Innenstadt zerstörte.

Der 41-Jährige sei wohl in einem Bus auf dem Weg zur Universität gewesen, als die Erde zu beben begann. Seither habe sie versucht, ihren Mann zu finden. "Zuerst klingelte sein Mobiltelefon, jetzt kommt nur noch der Anrufbeantworter", schildert sie. Sie habe alle Krankenhäuser kontaktiert, ohne Erfolg.

Premierminister John Key sagte: "Wir können die Hoffnung nicht aufgeben, aber wir müssen auch realistisch sein." Cliff kündigte zudem an, dass die Polizei mit starker Präsenz Plünderungen vorbeugen und dagegen vorgehen werde.

Rezession befürchtet

Analysten fürchten, die zweite Erdbebenkatastrophe in Neuseeland in fünf Monaten könnte das Land in eine Rezession stürzen - die zweite in wenigen Jahren. Nach einer schweren Dürre war das wirtschaftliche Wachstum im von der Landwirtschaft abhängigen Neuseeland bereits 2008 ins Minus gerutscht. Die Situation verschlimmerte sich 2009 als Folge der Finanzkrise. Bereits nach dem Erdbeben im vergangenen September war das Wachstum rückläufig. (Urs Wälterlin, DER STANDARD, Printausgabe, 25.2.2011)

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    Ein australischer Feuerwehrmann, der nach dem Beben in Neuseeland hilft, entfernt sich von den Trümmern, die einmal das Gebäude des örtlichen Fernsehsenders waren. Unter den Brocken dürften Dutzende ums Leben gekommen sein.

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