Vater Staat in der Pflicht

24. Februar 2011, 18:12
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Nach drei Jahren wurde die Anstoßfinanzierung heuer eingestellt, obwohl immer noch Plätze fehlen

Auch wenn sie weder für Straßen noch für Häuser zuständig sind, haben die Bildungslandesräte die größten Baustellen zu verwalten. Es geht in ihren Ressorts um mehr als Kindergärten und Schulen; es geht um Integration, soziales Lernen und Spracherwerb, aber auch um die Möglichkeit für Eltern, Kind und Karriere zu vereinbaren. Für Ersteres war die Einführung der Kindergartenpflicht für Fünfjährige enorm wichtig, und die Sanktionierung bei Nichteinhaltung ist unumgänglich. All das scheint - so legen es zumindest entsprechende Zahlen nahe - ganz gut zu funktionieren.

Die Regierung hat den Ländern die Kindergartenpflicht und den gleichzeitigen Ausbau der Betreuungsplätze mit dem Versprechen abgerungen, Geld zur Verfügung zu stellen. Nach drei Jahren wurde diese Anstoßfinanzierung heuer wieder eingestellt, obwohl immer noch Plätze fehlen und Kinderbetreuung oft ein tägliches Jonglieren bedeutet. Wien ist da verhältnismäßig das gelobte Land, aber selbst dort kann es schwierig sein, einen geeigneten Platz zu finden - vor allem für die Kleinsten.

Eltern kann man Geldstrafen auferlegen oder sogar das Sorgerecht entziehen, wenn sie ihre Fünfjährigen nicht in den Kindergarten schicken. Bund und Länder bekommen höchstens den Unmut der Eltern zu hören. Aber die haben ja alle Hände voll damit zu tun, bei der Kinderbetreuung das zu kompensieren, was der Staat verabsäumt. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 25.2.2011)

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